Metal1.info Sabaton The War To End All Wars

Review Sabaton – The War To End All Wars

Die omnipräsente Kriegsthematik bei SABATON sorgt nicht erst seit letzter Woche für Kontroversen. In Zeiten eines innereuropäischen Krieges fällt der richtige Umgang mit dem Thema Krieg jedoch besonders schwer. Nachdem sich SABATON in einem Statement zur aktuellen Situation klar positioniert haben und wir das Thema zuvor bereits in einer Kolumne adressiert hatten, soll in diesem Text die Musik im Fokus stehen.


Bisher ging es für SABATON stets bergauf. Von einigen erzkonservativen Anhängern des Echtmetals wurden die Schweden als „Schlager-Metal“ bezeichnet, doch war Power Metal denn schon jemals etwas anderes? Mit „The War To End All Wars“ treten die Herren um Joakim Brodén nun thematisch auf der Stelle: Wie schon auf dem Vorgänger „The Great War“ arbeiten sich SABATON auch auf ihrem mittlerweile zehnten Studioalbum am Ersten Weltkrieg ab.

Historisch gibt es hier natürlich noch einiges aufzugreifen, das auf „The Great War“ noch keine Erwähnung fand. So handelt „Dreadnought“ von den Kriegsschiffen dieses Typs, „Soldiers Of Heaven“ beschäftigt sich mit dem Krieg in den Alpen, „Christmas Truce“ behandelt den Weihnachtsfrieden 1914 oder „Versailles“ die Friedenverhandlungen an ebenjenem Ort. Jedes der elf Stücke befasst sich mit einer Begebenheit oder Person – mal wichtig für den Gesamtverlauf der Auseinandersetzung, mal eher unwichtig („Lady Of The Dark“ oder „The Unkillable Soldier“).

Wer in der Vergangenheit thematisch seine Probleme mit SABATON hatte, der bekommt diese auch 2022 nicht ganz ausgeräumt. Sehr selten werden Grautöne oder gar Einordnungen geliefert, seit jeher berichtet Joakim Brodén mehr, als Ereignisse in einen Kontext zu setzen. Interessanterweise hatte die Band mit ihrem letzten Album einen kleinen Schritt weg von dieser Herangehensweise gemacht: „The Great War“ beinhaltete mit dem Titeltrack und „The War To End All Wars“ zwei Lieder mit klaren Statements. Wer mehr Hintergründe erfahren möchte, kann mittlerweile auch SABATONs YouTube-Kanal konsultieren. Auf dem haben sie, zusammen mit dem Dokumentarfilmer Indy Neidell, in den letzten vier Jahren nahezu alle ihrer Lieder historisch beleuchtet. Ob es nur, weil noch nicht alle Geschichten erzählt sind, ein zweites Album über den Ersten Weltkrieg gebraucht hätte, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Schwerwiegender als die die thematische Stagnation ist jedoch die musikalische: Wie zuvor dienen einzelne, oft Metal-fremde Elemente den einzelnen Songs als Aufhänger. In „Soldiers Of Heaven“ oder „The Valley Of Death“ sind dies Synthieflächen, in „Christmas Truce“ eine weihnachtlich anmutende Klaviermelodie, die in ein großes Orchester übergeht. Letztere Nummer klingt dadurch fast schon wie ein Song des Trans-Siberian Orchestras. Geschwindigkeitstechnisch pendeln sich SABATON gewohnt im Midtempo ein. Jedes Lied steuert auf einen großen Refrain hin, der live auch noch mit drei Promille mitgesungen werden kann. So weit, so gewohnt.

Das Problem auf „The War To End All Wars“: Außer der Opener „Sarajevo“ ist kein Lied wirklich groß und episch. Alle anderen Songs tun nur so, als ob. Das liegt vor allem an den Songwriting-Fähigkeiten der Musiker: SABATON könnten mit ihrer Instrumentierung und ihrem Gestus sicher auch „Bruder Jakob“ in eine episch wirkende Schlachtenhymne verwandeln. Doch muss die Frage erlaubt sein, ob dies auf dem zehnten Album noch reicht. So verkommen SABATON immer mehr zu einer Band, bei der der Fan stets weiß, was er bekommt. Ein Kriegsthema X gepaart mit einer musikalischen Untermalung, die sich von Lied zu Lied nur in Nuancen unterscheidet.

Während „The Great War“ eines der besten Alben der Bandgeschichte war, das vor allem atmosphärisch und erzählerisch überzeugen konnte, wirkt „The End To End All Wars“ dagegen wie eine B-Seiten-Sammlung, wie Resteverwertung. Eine durchschnittliche Platte, die den hungrigen Mäulern neuen Stoff geben wird. Der Erfolgsgeschichte der Band wird diese Veröffentlichung keinen Abbruch tun. Selbst andere, eher schwächere Alben in der Vergangenheit wurden von den Fans positiv aufgenommen. Wenn die großen Hallen wieder geöffnet werden, werden SABATON also wohl mit die ersten Künstler sein, denen das Publikum zugrölt. Doch mehr als durchschnittliches Material hat „The War To End All Wars“ leider nicht zu bieten.

 

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Wertung: 5 / 10

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5 Kommentare zu “Sabaton – The War To End All Wars

  1. Klasse Songs und Klasse Album wie ihr Schmiedfinken auf diesen Quatsch kommt ist mir unbegreiflich. Ich hab finde nur schade das es the royal guard und die 2. Single fehlen.

      1. Richtig, dass ich ein Schmierfink bin? ;-) wenn euch das Album gefällt, was ich verstehen kann, dann hab ich da nichts dagegen. Warum ich es eher langweilig finde, steht oben… Verbiete euch aber nicht das Album zu hören! :-)

  2. Interessante Review, danke dafür. Dieses Gefühl, dass Sabaton nur noch mittelmäßigen Aufguss ihrer eigenen Werke betreiben hatte ich bereits bei Coat of Arms und noch viel mehr bei Heroes, welches für mich mit Abstand das schlechteste Album der Band war. Allerdings haben die dazwischen mit Carolus Rex und den beiden letzten Alben hingegen gezeigt, dass man es durchaus besser kann. Jetzt ist man aber wieder beim sabatonischen Einheitsbrei gelandet, wobei ich einschränkend sagen muss, dass Christmas Truce für mich einer der besten Sabaton-Songs aller Zeiten ist, trotz des bekannten Stils. Der Vergleich mit TSO kommt da nicht von ungefähr, nutzen beide ja mit Carol of the Bells das gleiche Stück als Basis, wobei Sabaton dieses wohl nicht 1 zu 1 kopieren, ich hör da doch die ein oder andere Variation raus. 100% Sabaton, aber gerade der Song ist trotzdem ein Momumentalwerk. Der Rest ist alles nicht schlecht, aber auch nichts, was irgendwie was Neues bringt. Alles geht in die gleiche Richtung, aber nichts was irgendwie überrascht oder einen umhaut.

    Was mir irgendwie seit langem fehlt, selbst auf der Great War, waren Songs wie In the Name of God, Stalingrad oder Wolfpack, die nochmal eine völlig andere Stimmung erzeugen und trotz Power Metals weniger nach Epos und Bombast wirken, sondern tatsächlich nach harter Musik. Das hat irgendwie immer mehr abgenommen und auch auf dem aktuellen Album geht mir kein Song in diese Richtung. Bei Hellfighters dachte ich kurz, dass das noch etwas dahin gehen könnte, aber letztendlich auch eher generisch wirkt, besonders im Refrain. Ähnlich gings mir bei The Lady of the Dark. Kurze Momente passen, der Rest ist

    Sabaton haben ihre Linie gefunden, die nicht unbedingt schlecht ist, aber inzwischen nur noch selten wirklich überrascht. Kann man gut finden, kann man aber auch durchaus kritisieren. Ich würd mir trotzdem wünschen wieder ein wenig mehr Variation in die Musik zu bringen und den Bombast etwas runterzuschrauben. HammerFall haben mit Hammer Of Dawn gezeigt, dass man trotz langem modernen Einschlags auch 20 Jahre später noch ein Album auf den Markt bringen kann, welches gleichzeitig nach dem klassischen Stil klingt, aber sich weder wiederholt, noch im Einheitsbrei versinkt. Sabaton hätten das sicherlich auch mal nötig.

    Heißt nicht, dass ich mit dem Sabaton-Album keinen Spaß habe, es ist bei weitem kein schlechtes Album. Nur eben zu sehr auf den seit einiger Zeit gefestigten Stil gesetzt, ohne Rückberufung auf die ersten Alben, aber auch ohne jegliche Innovation. Einfach das, was die letzten 10 Jahre funktioniert hat und vermutlich noch weiter funktionieren wird. Und solange hab ich auch keine Hoffnung, dass sich was ändert.

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