CD-Review: Scorpions - Return To Forever

Besetzung

Klaus Meine – Gesang
Rudolf Schenker – Gitarre
Matthias Jabs – Gitarre
Pawl Maxiwoda-Jastrzebski – Bass
James Kottak – Schlagzeug

Tracklist

01. Going Out With A Bang
02. We Built This House
03. Rock My Car
04. House Of Cards
05. All For One
06. Rock & Roll Band
07. Catch Your Luck & Play
08. Rollin’ Home
09. Hard Rockin’ The Place
10. Eye Of The Storm
11. The Scratch
12. Gypsy Life


Meine Güte – 50 Jahre gibt es sie jetzt schon! Die SCORPIONS, mit Sicherheit die erfolgreichste deutsche Rockband aller Zeiten, im Ausland hoch angesehen, im Inland immer wieder verlacht und von anderen Musikern als Zielscheibe für viel Spott ausgewählt. Das war fast immer ungerecht, denn ihr Beitrag zur Entwicklung des Hard Rocks ist unbestreitbar und die vielen modernen Musiker, die in ihnen Vorbilder sehen, sprechen für sich. An einer Stelle aber sollte man mit Kritik nicht sparen: Die Nummer mit dem angeblichen Abschied und der Auflösung, die die Band seit 2010 aufführte, war einfach nur albern und eher einer Popband als einer Rockformation würdig.

Denn dass der Abschied nicht ernst gemeint war, konnte man schon schnell an der sich immer weiter ausdehnenden Abschiedstour sehen – aber gut, damit gelang es ihnen ohne Zweifel, noch einmal alle zu ihren Konzerten zu treiben. Alleine 2012 erreichten sie so beim Touren einen Umsatz von 32,7 Millionen Euro. Das spielte bestimmt eine Rolle bei der Entscheidung, doch noch weiterzumachen. Entsprechend legen die SCORPIONS nun mit „Return To Forever“ ihr insgesamt 18. Studioalbum vor. Ein ernst gemeintes Album oder doch nur eine Fortsetzung der Abzocke?

Was an „Return To Forever“ sofort auffällt, ist der auf das wesentliche reduzierte Sound. Im Gegensatz zu manchem Vorgänger („Humanity“) ist der Klang dieses Mal nicht so glattpoliert und voller Tonspuren gepackt, sondern wirkt warm und organisch – sehr schön! Außerdem fällt der Unterschied in der Gitarrenarbeit auf: Schenker und Jabs bescheren uns dieses Mal nicht nur wenige Akkorde und Riffs, sondern richtig Bewegung und Ideen an den Gitarren. Dazu kommt eine beachtliche Gesangsleistung von Klaus Meine. Beides zusammen sorgt für ein abwechslungsreicheres und interessanteres Hörvergnügen als auf den letzten Alben der SCORPIONS.

Die dritte Überraschung kann man vielleicht am besten mit einer Rückkehr des „SCORPIONS-Vibe“ beschreiben. Denn den haben die meisten der zwölf Lieder zweifellos! Die Songs klingen weniger nach den letzten Alben der Band, sondern viel mehr nach den älteren. Das liegt daran, dass auf „Return To Forever“ zahlreiche ältere, bisher unveröffentlichte Songs der SCORPIONS neu überarbeitet aufgenommen wurden. Manche Tracks nähern sich damit klanglich der Erfolgszeit der Hannoveraner an, wie „Rock’n’Roll-Band“, dessen Grundgerüst tatsächlich vom Anfang der 80er Jahre stammt.

Ansonsten wechseln sich auf „Return To Forever“ die üblichen Arten von SCORPIONS-Songs ab. So gibt es rifflastige Rocksongs („Going Out With A Bang“, „Rock’n’Roll Band“), Stadionrock („Rock My Car“) und natürlich emotionale Balladen („House Of Cards“, „Eye Of The Storm“) und Powerballaden („Rollin‘ Home“). Mit „We Built This House“ hat sich zudem eine der stärksten SCORPIONS-Nummern der letzten Jahrzehnte auf die Scheibe geschlichen – top!

Klar, wer bisher nichts mit diesem urdeutschen Rockprodukt anfangen konnte, wird seine Meinung auch nach „Return To Forever“ nicht ändern. Und die üblichen Vorwürfe kann man auch diesem Album machen: etwas zu viele softe Balladen, zu akzentlastiges Englisch, einige Male zu oft das Wort „Rock“. Aber daran dürften sich Band wie Fans gewohnt haben. Für „Return To Forever“ gibt es jedenfalls den Daumen nach oben – gelungen!

Bewertung: 8 / 10

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