Das Cover von "Sting In The Tail" von Scorpions

Review Scorpions – Sting In The Tail

  • Label: Sony
  • Veröffentlicht: 2010
  • Spielart: Heavy Metal

Derzeit formieren sich ja allerhand Bands neu, von denen zum Teil schon in den 80ern keiner was gewusst haben wollte – das alles wird jedoch davon überschattet, dass sich eine der wichtigsten Rockbands aller Zeiten in den Ruhestand verabschiedet: Nach 40 Jahren der Lautstärke, über 100 Millionen verkauften Tonträgern und zahllosen ausverkauften Konzerten in Arenen rund um den Globus verabschieden sich die SCORPIONS aus dem Musikgeschäft.

Natürlich treten die Hannoveraner dabei nicht sang- und klanglos ab, sondern touren noch einmal volle zwei Jahre um die Welt und beehren ihre Anhängerschar obendrein mit ihrem letzten Album „Sting In The Tail“. Die Platte eröffnet mit dem schmissigen, geradeheraus rockenden und dank Talkbox leicht an „The Zoo“ erinnernden „Raised On Rock“ – zugegeben, weder Titel noch Dargebotenes sind hier sonderlich originell und ein Blick auf die Tracklist verrät schnell, dass die SCORPIONS das Wort „Rock“ hier sowieso ein bisschen zu oft benutzen, um in ihrer Situation noch so richtig glaubwürdig zu sein, aber der Song macht Spaß und stimmt gut auf das Kommende ein.

Der nachfolgende Titeltrack schlägt in die gleiche Kerbe und wirkt dabei auch ähnlich glatt gebügelt – erst mit „Slave Me“ wird’s auf „Sting In The Tail“ etwas ruppiger, was entfernt an die Rock ’n’ Roll-Rebellion der „guten alten Zeit“ zu erinnern vermag. Die Balladen der Truppe sind nach wie vor schwer erträglich und auf „Sting In The Tail“ gibt es gleich vier davon, was auf dem Abschieds-Album einer Band, die mit vergleichsweise harschen Klängen Karriere machte wohl ein bisschen zu viel des Guten ist. Zumindest „The Good Die Young“ ist dabei allerdings ziemlich gut geraten und wartet mit einem regelrechten Gänsehaut-Refrain auf, in dem Klaus Meines immer noch großartiger Gesang besonders gut zur Geltung kommt.

Es sei hier ebenfalls erwähnt, dass die musikalischen Fähigkeiten der Formation weiterhin in der Oberliga spielen und „Sting In The Tail“ vor gefühlvoller Gitarrenarbeit nur so strotzt. Insgesamt geben sich die SCORPIONS auf ihrer letzten Platte über weite Strecken jedoch etwas zu routiniert und zahnlos, was auch an der vermutlich sündhaft teuren Studioproduktion liegen mag, die dem Sound zwar ordentlich Druck aber auch ecken- wie kantenlose Radiotauglichkeit verschafft – straighte Nummern wie „No Limits“ und „Turn You On“ würden wohl noch um einiges mehr rocken, wenn man dem Sound ein wenig mehr „Dreck“ gelassen hätte.

Ein zweites „Another Piece Of Meat“ oder „Blackout“ erwartet wahrscheinlich sowieso niemand, der diese Platte kauft und so knüpfen die SCORPIONS auch mit ihrer letzten Platte nicht an ihre Glanztage an. Überhaupt klingen die Hannoveraner auf „Sting In The Tail“ oftmals ein bisschen zu familienfreundlich, hätten es für ihren Abschied aber auch um einiges schlechter treffen können. Anspieltipps: „Raised On Rock“, „No Limit“, „Turn You On“.

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Wertung: 6.5 / 10

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