CD-Review: Secrets of the Moon - Antithesis

Besetzung

Daevas – Gesang, Bass
S. Golden – Gesang, Gitarre, Synthesizer
A.D. - Gitarre
T. Thelemnar - Schlagzeug

Tracklist

01. Nowhere 11.18.
02. Versus
03. Ordinance
04. Confessions
05. Metamorphoses
06. Ghost
07. Seraphim Is Dead
08. Lucifer Speaks
09. Exit


Erwähnung fand das mir vorliegende Werk im Vorfeld bereits zu genüge – über die Neuerfindung des schwarzmetallischen und progressiven Rades bis hin zu Vorschussloorberen einer jedweden metallischen Hochburg und – zum Teil überaus fragwürdigen – lyrischen Interpretationen ist bereits jeglicher erdenkliche Kommentar über die Lippen (oder Tasten) diverser Rezensenten gegangen. Doch verfügten alle über einen gemeinsamen Nenner: Die blinde Glorifizierung einer der bedeutendsten Black Metal Kapellen Deutschlands haftete sämtlichen Kritiken an. Nun, selbst dies hat – im Falle dieses Tonträgers – seine Berechtigung. Den werten Leser über die sperrigen sowie vertrackten Klangkonstruktionen, welche seit jeher sämtlichen Veröffentlichungen SECTRETS OF THE MOONs innewohnen, literarisch zu eröffnen, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Individuen, die Zeit und Geduld in die Liedstrukturenentknotung investiert haben, beginnt sich eine neue Welt zu eröffnen, zuerst langsam brodelnd, lauernd hinter Fels und Stein, im Anschluss darauf weitaus offensichtlicher – das Gehörte beginnt Gestalt anzunehmen, es verformt und windet sich, entsagt dem Stillstand, entsagt der Stagnation und der Hörer ist diesem stetigen Wandel hilflos ausgeliefert.

Nun steht mit „Antithesis“ eine weitere Form dieser Metamorphose im Haus – inwieweit sich diese von den Vorhergehenden abspaltet, wird bereits bei den ersten Schlagzeugtönen des Preludiums „Nowhere 11.18.“ ersichtlich, welches eingangs wiederum von einem subtilen Störungssignal eingeleitet wird – doch halt – wie kommt es, dass eine Formation, dessen warme und dichte Aufnahmequalität, eine beispiellose ultimtive Hommage an die okkulte, unwiderstehliche Atmosphäre man in höchsten Tönen zu loben wusste, glasklar und klirrend, dass man intuitiv bereits das Küchengeschirr in Scherben zerschellen sieht, aus den Wohnzimmerboxen donnert? Nun, einen derartigen Stilbruch habe – zumindest ich für meinen Teil – einen kurzen Augenblick lang zu verdauen gehabt. Selbstverständlich, manch Person wird in Folge einer derartigen Situation „Antithesis“ auf Nimmerwiedersehen in die dunkelste und vergessenste Ecke seiner Wohnung verstaut haben, sich mit erhobener Faust die Metamorphose, die Progressivität verfluchend wieder den Frühwerken der Formation zuwenden und in alten Zeiten schwelgen, was ungemein bedauerlich wäre, bietet der Opus doch ungewohnte, aber keineswegs schlechte (im Gegenteil) Musik. Geduld stellt die wohl relevanteste Tugend dar, wenn man sich das Genießen eines SECRETS OF THE MOON Albums zur Aufgabe gemacht hat. Geduld wird in der Regel belohnt – und „Antithesis“ ist hier keine Ausnahme.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten beginnt man sich in die (sowohl lyrische wie akustische) Materie dieses Albums zu erarbeiten – und siehe da, die monumentalen, befremdlich wirkenden Klangwände und die seemansknotenartigen Strukturen verschwinden gänzlich – Antithesis´ Panzer wurde geknackt. Was sich darunter befindet, lässt sich bloß schwerlich in Worte fassen: Eine Atmosphäre, pechschwarz und einnehmend, beginnt sich im Umfeld der Anlage auszubreiten, ja, man kann das schwarze, kreuchende Gewürm, welches auf dem Wohnzimmerboden wuselt, beinahe greifen, was in den Midtempoteilen einer schier unerträglichen Versuchung, eben dies zu tun, gleichkommt. Das Album Stück für Stück auseinandernehmen würde jedoch weder im Interesse des Lesers noch in der des Schreibers liegen, „Antithesis“ entfaltet bloß als Gesamtkunstwerk ihre, ja beinahe narkotisierende, Wirkung. Ein höchst anspruchsvolles Werk, welches sich, dank seiner Sperrigkeit, mit Sicherheit aus dem Reich der belanglosen Jedermannskost hinauskatapultiert und mit Überraschungen hinter jeder Ecke aufzuwarten weiß.

Redakteur: Andrei Slavescu

Bewertung: 8 / 10

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