CD-Review: Secrets Of The Moon - Seven Bells

Besetzung

sG – Gesang, Gitarre, Bass
Ar – Gitarre, Gesang
T. Thelemnar – Schlagzeug, Gesang

Gastmusiker:
LSK – Gesang, Effekte
Schwadorf – Gesang (Track 05)
Kvohst – Gesang (Track 07)
Annette Hartmann – Gesang
Morten Gaß – Orgel

Tracklist

01. Seven Bells
02. Goathead
03. Serpent Messiah
04. Blood Into Wine
05. Worship
06. Nyx
07. The Three Beggars


Mehr noch als in Skandinavien, wo Black Metal doch oft gleich Black Metal ist, hat sich in der deutschen Szene eine illustre Schar an Bands etabliert, welche alle vergleichsweise individuell agieren: Seien es nun Endstille, Dark Fortress, Bethlehem oder SECRETS OF THE MOON – jeder hat seinen ureigenen Stil und zieht diesen entsprechend konsequent durch. Genau darin liegt bisweilen jedoch auch ein Problem – sind die Bands im Vergleich zueinander so zwar recht vielfältig, innerhalb der eigenen Diskographie besteht jedoch schnell das Risiko, sich zu wiederholen.

SECRETS OF THE MOON waren noch nie groß darin, sich neu zu erfinden – was insofern nie problematisch war, als die Band mit ihrem Stil offenbar schon recht früh den Nerv der Szene getroffen hatte – zumindest erweckte es stets den Anschein: Mit „Antithesis“ perfektionierte man den Stil, den man bereits auf den vorangegangenen Alben zu entwickeln begonnen hatte und schuf, ohne Frage, ein Meisterwerk des deutschen Black Metals.
Was folgte, war ein Höhenflug, begleitet von großen Shows auf Festivals wie dem Party.San, Wacken oder dem Summer-Breeze, sowie der Versuch seitens Prophecy Records, SOTM als elitärste der deutschen Black-Metal-Bands zu installieren – mit mäßigem Erfolg, wie man an dieser Stelle festhalten muss: Das Konzept, simple Riffs durch Reduzierung auf das Nötigste spannender zu gestalten, scheiterte, „Privilegivm“ bliebt hinter den Erwartungen zurück, die Verkaufszahlen dementsprechend auch.

Es wäre also höchste Zeit für einen Befreiungsschlag – ein Album, mit dem man es allen Kritikern heimzahlt, allen beweist, dass man den Platz in der Spitzengruppe der deutschen Black-Metal-Szene zurecht innehat und zeigt, dass man sich selbst auch mal neu erfinden kann. „Seven Bells“ ist all das nicht – und dennoch vielleicht das zugleich beste Album der Osnabrücker.
Denn so vorhersehbar wie die Tatsache, dass ein Album, das „Seven Bells“ heißt, mit Glockengeläut beginnt, ist auch das Album an sich: Rifftechnisch hat man sich quasi nicht weiterentwickelt, die Harmonien klingen so vertraut, dass man ständig zwischen den Gedanken „Das könnte genauso gut auf einem der letzten Alben zu finden sein“ und „Ist das nicht auf einem der letzten Alben zu finden?“ hin und her gerissen ist, und auch hinsichtlich der Atmosphäre ist „Seven Bells“ derart penetrant SECRETS OF THE MOON-typisch, dass man den hineingelegten Trotz der Band allen Kritikern gegenüber quasi hören kann.
Ironischerweise geht das Konzept zumindest unter der Prämisse, dass man SECRETS OF THE MOON bisher nicht komplett zum Davonlaufen fand, sogar auf – besticht „Seven Bells“ doch mit einer so dichten, packenden Atmosphäre, wie (vielleicht mit Ausnahme von „Antithesis“) bislang kein Album der Band. Faszinierend ist das hauptsächlich deshalb, weil die Stilmittel, aus denen SOTM ihre Stimmung kreieren, simpler kaum gehalten sein könnten: Aus fast schon primitiven Powerakkord-Folgen, wie andere Bands sie sich zu verwenden nicht wagen würden, zaubern SECRETS OF THE MOON hier ein Album, das nicht nur hörenswert ist, sondern richtiggehend packend. Genial wird „Seven Bells“ dennoch erst da, wo es aus typischen Mustern ausbricht – beispielsweise, wenn man mit den Vocals etwas mehr herumexperimentiert als durchgehend auf sGs typischen, auf Dauer etwas eintönigen Gesang zu setzen („Serpent Messiah“), oder wo diese Aufgaben Gastsänger wie Kvohst von Code, Dödheimsgard und Hexvessel („The Three Beggars”) oder Schwadorf von Empyrium und The Vision Bleak („Worship“) erfüllen.
Letztgenannter Song wäre generell ein absoluter Favorit für den Album-Hit – allein die Tatsache, dass man sich für den Break in der Mitte des Stückes unüberhörbar bei „Besvikelsens Dystra Monotni“ („V – Halmstad“) von Shining bedient hat, verleidet einem den Song etwas. Man sollte doch meinen, dass eine Band wie SECRETS OF THE MOON derlei „Inspiration“ nicht nötig hätte.

„Seven Bells“ ist, ich bleibe dabei, nicht der Befreiungsschlag, der SECRETS OF THE MOON mit einem Mal zu den unangefochtenen Lieblingen der Szene machen wird – dafür ist das Album schlichtweg zu konservativ ausgefallen. Fans der Band werden „Seven Bells“ wohl dennoch feiern, und das völlig zu Recht, demonstrieren SECRETS OF THE MOON hier doch nocheinmal eindrucksvoll, wie ihre Vision von Black Metal zu klingen hat.
Die Problematik des auf der Stelle Tretens löst das Album indes nicht – vertagt sie aber zumindest auf den nächsten Release. Vorerst retten sich SECRETS OF THE MOON also nocheinmal in eine Perfektion ihres Stils – für das nächste Album indes sollte sich das Gespann etwas einfallen lassen, um den eigenen Stil nicht überzustrapazieren.

Bewertung: 8 / 10

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