CD-Review: Secrets Of The Moon - Sun

Besetzung

sG – Gesang, Gitarre
Ar – Gitarre, Keyboard, Gesang
Naamah Ash – Bass, Gesang
Erebor – Schlagzeug

Gastmusiker:
Thomas Helm – Gesang
Klaus Kössinger – Percussions

Tracklist

01. No More Colours
02. Dirty Black
03. Man Behind The Sun
04. Hole
05. Here Lies The Sun
06. I Took The Sky Away
07. Mark Of Cain


Drei Jahre sind vergangen, seit SECRETS OF THE MOON mit „Seven Bells“ nocheinmal eindrucksvoll bewiesen haben, wie ihre Vision von Black Metal zu klingen hat. Aus dem dazugehörigen Review sei an dieser Stelle zitiert: „SECRETS OF THE MOON waren noch nie groß darin, sich neu zu erfinden“. Mit „Sun“ überrascht die Truppe deswegen nun gleich zweifach: Sie widerlegen die zitierte These, indem sie ein Album veröffentlichen, das mit Black Metal nur noch in einzelnen Passagen mehr als die Instrumentierung gemein hat.

Das erste, was man von „Sun“ zu hören bekommt, ist eine andächtige Clean-Gitarre, aus der mit „No More Colours“ rasch ein recht bandtypischer Song erwächst: Melodiereich und hart, im Midtempo gehalten und mit sGs charakteristischem Gesang sollte dieser Song alle SOTM-Fans glücklich machen. Doch bereits „Dirty Black“ belehrt all jene eines Besseren, die das Album bereits nach dem Opener durchschaut zu haben scheinen: Ruhig, doch düster und bedrohlich, instrumental so vielseitig wie detailverliebt arrangiert und mit starkem Fokus auf dem rockigen Lead- sowie sphärischen Hintergrundgesang klingt der Song gänzlich anders als alles, was man von SECRETS OF THE MOON bislang zu hören bekommen hat.
Ähnlich unerwartet geht es weiter, bekennt sich sG im Folgenden auch bei SECRETS OF THE MOON zu seinem Faible für Düster-Rock: Spätestens mit „Man Behind The Sun“, vor allem im Refrain des grandiosen „Here Lies The Sun“ ist die Verwandschaft zu Crone nicht mehr geheimzuhalten. Dass das Album eigentlich nur in besagtem „Here Lies The Sun“, sowie im siebten und letzten Track, „Mark Of Cain“, zumindest passagenweise nochmal in Richtung Black Metal steuert und mit Double-Bass und gesägten Gitarren aufwartet, sagt eigentlich alles. Zwar wirkt „Sun“ durch diesen weitgehenden Verzicht auf direkte Härte mitunter etwas zu brav, doch gerade in seiner Langzeitwirkung gewinnt das Album durch diesen krassen Schritt weg vom bisherigen Schaffen enorm: Erstmals hat man bei „Sun“ das Gefühl, die Band wollte nicht nur den Vorgänger toppen, sondern etwas gänzlich Neues kreieren.

Was die Umsetzung ihrer Vision angeht, sind SECRETS OF THE MOON spätestens mit diesem Album auf höchstem Level angekommen – kein Wunder bei dem Personal, auf das die Band zurückgreifen kann: Von dem starken neuen Band-Lineup abgesehen, hat man sich mit dem Produzenten-Duo aus Gitarrist Ar aka. Michael Zech und Victor Bullok (aka. V. Santura) gleich zwei der erfahrensten Black-Metal-Produzenten auf das Projekt angesetzt. Dass sich SECRETS OF THE MOON mit Thomas Helm (Empyrium) zudem einen ausgebildetenn Opernsänger mit Metal-Faible ins Boot geholt haben, ist nichts als gelebter Perfektionismus.

Die Weiterentwicklung von SECRETS OF THEMOON verlief über die letzten drei Alben seit „Antithesis“ stets graduell und in kleinen Schritten. Nun beweisen SECRETS OF THE MOON, dass sie mehr können als ihren Stil bloß von Album zu Album etwas zu optimieren: Durch beherztes Eingreifen in allzu etablierte Kompositionsmuster und den Mut, etwas Neues zu wagen, gelingt ihnen mit „Sun“ Album, das zwar immernoch unverwechselbar nach SECRETS OF THE MOON, allerdings nicht nach einem weiteren Aufguss des bisherigen Materials klingt. Zwar ist auch der neue, musikalisch bisweilen etwas zu harmlose Stil sicher nicht über jeden Zweifel erhaben. Dennoch gelingt es der Band mit „Sun“, ihr Schaffen auf eine neue Stufe zu heben: SECRETS OF THE MOON sind tot, es leben SECRETS OF THE CRONE.

Bewertung: 8.5 / 10

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