CD-Review: Slipknot - All Hope Is Gone

Besetzung

#8 Corey Taylor – Gesang
#4 James Root – Gitarre
#7 Mick Thompson – Gitarre
#2 Paul Gray (RiP) - Bass
#1 Joey Jordison – Schlagzeug
#3 Chris Fehn - Percussions, Gesang
#6 Shawn Crahan - Percussions, Gesang
#0 Sid Wilson – Turntables
#5 Craig Jones 133 - Sampling

Tracklist

01. Execute
02. Gematria (The Killing Name)
03. Sulfur
04. Psychosocial
05. Dead Memories
06. Vendetta
07. Butcher's Hook
08. Gehenna
09. The Cold Black
10. Wherein Lies Continue
11. Snuff
12. All Hope is Gone

13. Child of Burning Time (Ltd. Edition Bonus Track)
14. Til We Die (Ltd. Edition Bonus Track)
15. Vermillion Pt. 2 (Bloodstone Mix) (Ltd. Edition Bonus Track)


Nachdem SLIPKNOT mit ihrem letzten Werk, „Vol.3 – The Subliminal Verses“, die Lager gespalten hatten, um mit jahrelangen Touren schließlich doch (fast) alle von ihrem neuen Werk zu überzeugen, war es still geworden um die wohl prominenteste Formation aus Des Moines, Iowa. Zwar war das eine oder andere Mitglied gelegentlich ins Licht der Medien getreten, so Joey Jordison, der unter anderem mit Ministry und Korn auf Tour war, oder Corey und James, die, zu ihrem früheren Projekt Stone Sour zurückgekehrt, mit einem neuen Album und ausgiebigen Welttourneen für einiges Aufsehen sorgten. Die Maschinerie SLIPKNOT jedoch ruhte, schien für unbestimmte Zeit stillgelegt. Doch tief im Innersten des Systems luden sich neun Hochleistungsakkus auf, sammelten neue Kraft, um im rechten Moment den Motor wieder anlaufen zu lassen, das Chaos erneut zu entfesseln, die Welt mit „All Hope Is Gone“ ein weiteres, vielleicht letztes Mal zu überrennen.

Eingeleitet wird das Album von einer monotonen, sirenenartigen Synthie-Tonfolge, die, unterlegt von einem apokalyptischen Text, langsam anschwillt. Dazu gesellt sich ein immer mehr in den Mittelpunkt rückendes Schlagzeug. Als dieses schließlich alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, brechen alle Instrumente überraschend weg und eine Gitarre setzt mit dem ersten Riff des Albums ein. Der erste Song, „Gematria“, reißt von Beginn an mit und gibt zugleich reichlich Hinweise auf das, was noch kommen wird: Zum einen groovt und treibt das Material wieder mehr als „Vol.3“ und erinnert dabei teils stark an das erste Album. Zum anderen wurden die Gitarren insgesamt aufgewertet: Das Album ist riffbetonter, die Idee der klassischen Lead-Gitarre wurde weiter ausgebaut: Gitarren-Soli und Lead-Melodien, bisher bei SLIPKNOT eher selten zu finden, stehen zwar nicht grade im Mittelpunkt der Songs, sind aber dennoch in nahezu jedem Lied vertreten. Dadurch wirken die Songs offener, leichter, büßen aber dafür stellenweise den für SLIPKNOT typischen, brachialen Charakter ein

Den drastischsten Wandel im Vergleich zu den bisherigen SLIPKNOT-Veröffentlichungen hat jedoch eindeutig Coreys Gesang durchgemacht: Von harschem Geschrei über rockig rauen Gesang bis hin zu balladeskem Klargesang ist auf „All Hope Is Gone“ alles zu finden. Unerwartet oft muss der herkömmliche, aggressive Gesang seiner, durch die Arbeit mit Stone Sour geübten Cleanstimme weichen: So könnte das ruhige „Dead Memories“ zum Beispiel nahezu unverändert auch auf „Come What(ever) May“ von Stone Sour zu finden sein und auch die Ballade „Snuff“ erinnert mehr als deutlich die Stone Sour-Ballade „Through Glass“. Die Gesangsspuren der klar gesungenen Parts sind dabei teilweise ausgefallene Berg- und Talfahrten durch das mittlerweile beachtlich erweiterte Stimmspektrum des Frontmannes – vielleicht sogar ein Stück zu experimentell: Ist man bei den ersten Durchgängen bisweilen von den unerwarteten Wendungen, die Coreys Gesangslinie nimmt, überrascht, wollen diese auch einer Eingewöhnungsphase nicht so richtig ins Ohr gehen.

Umso eingängiger sind dafür die harten Passagen ausgefallen: Hier wurden oft mehrere, sich überlagernde Gesangsspuren sowie Backingvocals der beiden Percussionisten Chris und Shawn verwendet, wovon „Psychiosocial“ beispielsweise enorm profitiert: Der Song avanciert so zur Headbang-Hymne und schürt die Vorfreude auf eine Live-Darbietung – Muskelkater im Nacken und Heiserkeit sind hier wohl vorprogrammiert. Einen weiteren Ruhepunkt bietet dann „Gehenna“, das stark an „Iowa“, den letzten Track der gleichnamigen Scheibe erinnert : schleppende, doomige Melodien und düstere Stimmung, die aber nicht ganz an den genannten Vorgänger herankommt. Und schon findet man sich mit „The Cold Black“ und „Wherein Lies Continue“ mitten in einem leichten Durchhänger des Spannungsbogens: Sind sie sicherlich alles andere schlecht, fehlt den beiden Liedern jedoch das gewisse Etwas, das dass sie nach den ersten acht Liedern unentbehrlich gemacht hätte. Erst der Titeltack als finaler Rausschmeißer nach der oben erwähnten Ballade „Snuff“ weiß wieder voll und ganz zu überzeugen: brutal, brachial und doch auf eine gewisse, eigene Art und Weise filigran ist er wohl der klassischste SLIPKNOT-Track des Albums.

Nach dem Genuss der knappen Stunde Spielzeit macht sich eine gewisse innere Zerrissenheit bemerkbar: Mit „All Hope Is Gone“ haben SLIPKNOT den Spagat zwischen Rückbesinnung auf alte Werte und Weiterentwicklung gemeistert und all jene Lamentierer, die nach dem letzten Studioalbum geklagt hatten, die Band „verkäme“ zu einer massenkompatiblen Mainstream-Kapelle, auf ihre Plätze verwiesen – SLIPKNOT sind 2008 aggressiv und emotionsgeladen wie in alten Zeiten, jedoch auch deutlich subtiler, filigraner und offener als je zuvor. Und doch bleibt ein fader Beigeschmack und das Gefühl, dass da mehr hätte kommen müssen. Denn was „All Hope Is Gone“ trotz einiger genialer Momente fehlt, sind auf die lange Spielzeit gerechnet schlicht mehr Songs mit Ausdrucksstärke, Charakter und damit „Hitpotential“.

Bewertung: 7.5 / 10

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