CD-Review: Stone Sour - Come What(ever) May

Besetzung

Corey Taylor - Gesang
James Root - Gitarre
Josh Rand - Gitarre
Shawn Economaki - Bass
Roy Mayorga - Schlagzeug

Shannon Larkin (Godsmack) - Schlagzeug ("30/30-150")
Rami Jaffee (The Wallflowerz) - Piano ("Zzyzx Road")

Tracklist

01. 30/30-150
02. Come What(ever) May
03. Hell & Consequences
04. Sillyworld
05. Made Of Scars
06. Reborn
07. Your God
08. Through Glass
09. Socio
10. 1st Person
11. Cardiff
12. Zzyzx Road


Stolze zehn Jahre brauchte die in Des Moines, Iowa von Corey Taylor gegründete Band STONE SOUR, bis sie ihr erstes, selbstbenanntes Album veröffentlichten. Dieses konnte aufgrund Taylors anderer Band, Slipknot, größte Erfolge einfahren, waren Sänger und Gitarrist zu diesem Zeitpunkt definitiv der Prominenz aktueller Rockmusik zuzuschreiben. Zudem war die Ausnahme-Ballade „Bother“ Teil des Spiderman-Soundtracks und erreichte, wenn vielleicht auch zufällig, große Audienz. Nun, im Jahr 2006, schlagen STONE SOUR mit ihrem zweiten Werk „Come What(ever) May“ und dem vorigen Soulfly-Drummer Roy Mayorga an der Schießbude zurück.

Die Experimentierfreudigkeit der gesamten Band lässt diese Platte nur schwer kategorisieren. Rock, durchaus heavy Rock, sollte es angemessen umschreiben: Corey Taylor hat eine grandiose, vielschichtige Stimme. Dass er dies bei seiner etwas populäreren Band erst mit dem letzten Album „Vol. 3: The Subliminal Verses“ andeutete, lässt STONE SOUR punkten: Hier zeigt er, wie wundervoll er singen kann, wenngleich auch hier zum Teil sehr brutal gebrüllt wird. So lange aber enorm (halb)balladeske, eingängige Stücke wie „Through Glass“, „Cardiff“ und vor allem „Zzyzx Road“ puren Kontrast bieten, darf Taylor gerne in anderen Stücken die Sau raus lassen.

Widmen wir uns diesen drei hervorgehobenen Songs doch etwas näher. Ohne instrumentale Begleitung setzt bei „Through Glass“ der Gesang ein, bis die Akustikgitarre unterstützend hinzustößt. Das Lied baut sich kontinuierlich auf, so dass man kaum mitbekommt, dass später der Gesang einen Touch roher wird und Stromgitarren einsetzen. Der Chorus regt bereits bei der zweiten Wiederholung zum Mitsingen, mitsummen, oder was man in solchen Momente auch immer gerne zu tun vermag, an. Eine melancholischere, direktere Umgebung bietet hingegen „Cardiff“. Der vordergründig gehaltene Bass macht sich wunderbar neben den andächtigen Gitarren und den erwartungsvollen Vocals. Der Refrain, stößt dann so wunderbar offensiv empor, dass er sich als waschechter Ohrwurm einbrennt. Einer ganz anderen Basis liegt der Rausschmeißer, mit dem wohl individuellsten Titel „Zzyzx Rd“, zugrunde. Er ist, wie Rami Jaffees Pianospiel ebenso wie das grandiose Gitarrensolo unmissverständlich klar macht, durch und durch bitter traurig.

Die harten Songs dieser Platte bestechen im Kontrast dazu oftmals durch den von Slipknot bekannten Schreigesang, der dann für die sehr melodischen Refrains mit Klargesang vertrieben wird – ein Prinzip, welches unter anderem im Metalcore wunderbar funktioniert. So sagt der Frontman selbst, dass er mit STONE SOUR eine Plattform hat, in der er so singen kann, wie er es liebt, und wo er singen kann, wie er es tut, wenn er spazieren geht. Auffällig auf „Come What(ever) May“ ist die Tatsache, dass der Hörer schon beim ersten Durchlauf voll im Thema ist und eben nicht mehrere Ansätze braucht, um sich in die Platte einzuhören. Slipknot-ähnliche Songs wie etwa „Get Inside“ auf dem Debüt sind auch auf dem zweiten Langspieler wieder zu finden. Weiter verwunderlich ist diese Tatsache aber freilich nicht, muss die Musik bloß etwas schneller und aggressiver sein und mit dem markant rauen Gesang einhergehen. „Made of Scars“, „Reborn“ sowie „1st Person“ wären da vordergründig wegen der Refrains zu nennen. Die weiteren Songs hingegen, mitsamt den bereits angesprochenen ruhigen Stücken, haben mit Slipknot nichts zu tun. Das ist auch gut so, wozu bräuchte es sonst auch STONE SOUR?

STONE SOUR werden mit „Come What(ever) May“ sehr viele neue Fans gewinnen, während die bisherigen absolut keinen Anlass zur Beschwerde haben. Im Gegenteil: Die rockigen Band-Attribute sind deutlich bemerkbar, die sanften Stücke zünden ebenso wie das großartige „Bother“ des Vorgängers. Der zu erwartende Erfolg ist dem zweiten Album dieser tollen, abwechslungsreichen Band sehr zu wünschen. Im breit gefächerten Rockbereich darf man „Come What(ever) May“ als potenzielles Album des Jahres handeln.

Bewertung: 9 / 10

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