CD-Review: Spock's Beard - Noise Floor

Besetzung

Ted Leonard – Gesang, Gitarre
Alan Morse – Gitarre, Gesang
Dave Meros – Bass, Gesang
Ryo Okumoto – Keyboards

Gastmusiker:
Nick d‘Virgilio – Schlagzeug, Gesang
Eric Gorfain – Violine
Leah Katz – Viola
Richard Dodd – Cello
David Robertson – Englischhorn

Tracklist

CD1: Noise Floor
01. To Breathe Another Day
02. What Becomes Of Me
03. Somebody‘s Home
04. Have We All Gone Crazy Yet
05. So This Is Life
06. One So Wise
07. Box Of Spiders
08. Beginnings

CD2: Cutting Room Floor
01. Days We‘ll Remember
02. Bulletproof
03. Vault
04. Armageddon Nervous


Modern, frisch und untypisch sieht‘s aus, das Cover von „Noise Floor“ – und wirft damit die Frage auf, ob SPOCK‘S BEARD auf ihrem 13. Album genauso innovativ klingen, wie sie verpackt sind. Erst recht nach dem zerfahrenen, leblosen Vorgänger „The Oblivion Particle“.

Die wichtigste Info vorab: Sechs der acht Songs auf der Haupt-CD sind von Bandmitgliedern geschrieben worden oder unter ihrer Mitwirkung entstanden. Ein deutliches besseres Verhältnis als beim letzten Album, bei dem zwei Drittel von Ghostwritern stammten. Es ist also wieder eine „echte“ SPOCK‘S BEARD-Platte.

Das erwähne ich, weil man es hört: Nein, „Noise Floor“ klingt nicht so ungewöhnlich wie das Cover aussieht. Die Scheibe klingt wie SPOCK‘S BEARD – allerdings wie eine sehr AOR-verliebte, schnell ins Ohr gehende Version davon. Vor drei Jahren bestand jedes Lied aus vielen zusammenhanglosen Einzelteilen, um ach so progressiv zu sein. Jetzt konzentrieren sich die Jungs auf wenige ausgewählte Zutaten. Sie fassen sich kurz und gehen gradliniger zu Werke, ohne den Prog gänzlich über Bord zu werfen. Der Einfluss von Ted Leonard ist spür- und hörbar. Und so geht der Longtrack-Fetischist dieses Mal leer aus. Das Ergebnis: Es gibt wieder richtige Songs mit Wiedererkennungswert und Melodien, die ins Ohr gehen.

Aus dieser Grundhaltung heraus ist eine nette, wenn auch nicht weltbewegende Scheibe entstanden. Die Zeiten, in denen „die Bärte“ euphorisierten und begeisterten sind lang vorbei. Aushängeschild und Impulsgeber der Prog-Szene sind längst andere Bands. Dennoch: Es gibt sie noch, die Tracks, die die alte Magie aufblitzen lassen. Das Mini-Opus „One So Wise“ ist so einer. Oder der epische Abschluss „Beginnings“. Auch die Halb-Ballade „Somebody‘s Home“ ist nah dran.

Der Rest ist solide und gern gehört, ein wenig unspektakulär. Kurz vorm Ende lassen die handzahm gewordenen Progger dann aber doch nochmal die Sau raus: „Box Of Spiders“ ist ein wildes Instrumental aus der Feder von Ryo Okumoto. Hier proggen SPOCK‘S BEARD ohne Rücksicht auf Verluste (und Songwriting!) drauf los. Das macht Spaß und ist ein toller Kontrapunkt zum etwas konservativen Rest.

Die Songs auf der Bonus-EP wurden bewusst abgetrennt. Stilistisch und qualitativ passen sie aber gut zum Haupt-Album und sind eine schöne Ergänzung. Vermutlich ging es eher darum, die Spielzeit auf der ersten CD kurz zu halten. Mit „Vault“ ist auch hier eine sehr schöne Nummer dabei.

Übrigens: Ex-Drummer und -Sänger Nick d‘Virgilio kehrt als Gast hinter das Schlagzeug zurück. Schade, dass er nicht fest einsteigt und mitschreibt. Live wird zukünftig Mike Thorne (Saga) seinen Part übernehmen.

Fazit: „Noise Floor“ ist gradliniger als gewohnt, unverkrampft und gut gemacht. Vielleicht auch ein wenig altersmilde. Ein nettes Album, das niemandem wehtut, nicht viel will, und gerade deshalb angenehm zu hören ist. Die Sprunghaftigkeit und Zerrissenheit von „The Oblivion Particle“ haben SPOCK‘S BEARD hinter sich gelassen. „One So Wise“ und „Box Of Spiders“ sind echte Highlights.

Bewertung: 7 / 10

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