Review Sunn O))) – Sunn O)))

  • Label: Cargo
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Doom Metal

Es waren einmal zwei Männer, und die machten gerne Krach. Zu ihrem Glück wurde dieser zunächst von Freaks, später von Feuilletonisten, als Musik verstanden, uns so sind SUNN O))) seit – wenn man die Anfangsjahre, als die Band noch unter dem Namen MARS firmierte mitzählt – nunmehr 30 Jahren eine feste Größe im Drone-Doom.

Drei Dekaden sind eine verdammt lange Zeit – und wenn sich eine Band in all diesen Jahren so treu geblieben ist wie dieses Duo, kann man das nächste Album auch einfach mal nach sich selbst benennen. Und hier stehen wir, mit „Sunn O)))“ von SUNN O))) in Händen, höllischem Lärm zwischen Sustain und Feedback auf den Ohren und der im Raum dazwischen hektisch herumflitzenden Frage: Was schreibt man über 79:73 Minuten … Geräusch?

Fangen wir also mit den Hard-Facts an: Für ihr nunmehr elftes Studioalbum – die Live-Bootleg-Releases sind mittlerweile kaum noch zu überblicken – haben sich SUNN O))) musikalisch noch weiter in sich selbst zurückgezogen: Nach Werken mit vielen Mitwirkenden („Monoliths & Dimensions“, 2009) Kollaborationen wie „Terrestrials“ mit ULVER (2014) und Alben mit Attila Csihar von MAYHEM am Gesang (u.A. „Kannon“, 2015) reduzierten SUNN O))) die Beiträge anderer Musiker bereits auf „Pyroclasts“ und „Life Metal“ (beide 2019) drastisch. Für „Sunn O)))“ gehen SUNN O))) nun zurück zu ihrem ursprünglichen Konzept: Inspiriert durch die letzten Touren, die Greg Anderson und Stephen O’Malley wieder als reines Duo gespielt hatten, ist auch das selbstbetitelte Album komplett in dieser Konstellation entstanden. Zu hören sind also – fast exklusiv und in ihrer reinsten Form – Gitarren.

Von äußeren Einflüssen kapseln sich SUNN O))) freilich trotzdem nicht ab: Illustriert wird das Album von zwei Gemälden des verstorbenen amerikanischen Künstlers Mark Rothko, zudem gibt es Illustrationen der französischen Künstlerin Elodie Lesourd zu sehen und Robert Macfarlane, dessen Roman „Is A River Alive?“ (2025) als Inspiration für das Album genannt wird, hat Liner-Notes beigetragen. Ob diese Songtitel wie „Does Anyone Hear Like Venom?“ oder „Mindrolling“ aufschlüsseln, und damit zum tieferen Verständnis der (natürlich) rein instrumentalen Stücke beitragen, muss an dieser Stelle offen bleiben – interessant dürfte dennoch sein, was einem Romanautor zu diesem Werk einfällt.

Für sich selbst sprechen die sechs Songs, die SUNN O))) aufgenommen haben, nämlich nicht. Als wäre oberste Maxime ihres Handelns gewesen, die Maximalspielzeit einer CD von 80 Minuten möglichst vollständig auszureizen, zieht sich bereits das erste Stück auf beachtliche 18:21 Minuten, wobei die Spieldauer natürlich in keinster Weise mit dem kompositorischen Geschehen korreliert: Röchelnd und rasselnd siechen die Akkorde dahin, ehe sie in Feedback umschlagen, oder – alle paar Atemzüge, in einen anderen Akkord wechseln, dem es aber kaum besser ergeht. Fast schon verstörend wirkt es in diesem Kontext, dass SUNN O))) in „Butch’s Guns“ ein paar abrupte Stops eingebaut haben, „Mindrolling“ mit der Feldaufnahme eines sanft plätschernden Bächleins endet oder in „Glory Black“ für einige Takte ein Piano übernimmt: Erst in diesen kurzen Momenten der Ruhe wird man sich des bis dahin zur Normalität gewordenen, angenehmen Dröhnens wieder bewusst.

Damit ist die große Stärke von SUNN O))) auch endlich auf dem Tisch: Trotz ihres enorm anstrengend klingenden Konzepts ist das Ergebnis – sofern man gewillt ist, sich darauf einzulassen – auch diesmal auf eigenwillige Art entspannend. Ob der in Zeitlupe durch die Gehörgänge wabernde Drone auf „Sunn O)))“ nun besser oder schlechter ist als auf den Vorgängeralben, lässt sich ehrlicherweise schwerlich nach herkömmlichen Kriterien beurteilen. Kategorien wie „gut“ oder „schlecht“ erübrigen sich aber vielleicht auch, wenn Musik jeder Theorie entkernt und rein aufs bassstimulierte Bauchgefühl reduziert wird. Nach der eher enttäuschen Resteverwertung mit „Pyroclasts“ ist „Sunn O)))“ aber zumindest wieder ein Studioalbum, das diesen Namen verdient.

Dass „Sunn O)))“ und „Vol. II“ von ANGINE DE POITRINE am selben Tag erscheinen, entbehrt nicht der Komik: Weiter voneinander entfernt könnten das elfte Album des Drone-Duos und das zweite des Microtonal/Math Rock-Duos kaum sein – und trotzdem dürften sie sich in den Feuilletons dieser Welt begegnen. Denn eines haben beide Bands am Ende doch gemein, was sie zum spannenden Sujet für all jene macht, für die Musik mehr ist als bloßes Entertainment: Wenn auch mit diametral unterschiedlichen Ansätzen, brechen beide mit Konventionen und verbiegen die Raster dessen, was wir gemeinhin als „normale“ Musik wahrnehmen, bis zur Unkenntlichkeit. Und vielleicht ergänzt sich die Vieltönigkeit der einen mit der Eintönigkeit der anderen ja auch auf magische Weise zum musikalischen Erweckungserlebnis 2026.

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Wertung: 8.5 / 10

Moritz Grütz

Publiziert am von

Ein Kommentar zu “Sunn O))) – Sunn O)))

  1. Sunn O))) haben als EARTH Tribute Band angefangen, soviel erstmal zum Verständnis….
    Deren Alben erschienen auf subpop, womit sich für SUNN O))), nach all den Jahren,der Kreis schließt.
    Deshalb vermute ich ,das die Titelgebung des Albums eine logische Konsequenz ist.
    Die Beschäftigung mit der Band erfordert Zeit und das eigentliche Erweckungserlebnis erschließt sich LIVE!!!!
    Ich finde alle Alben sehr abwechslungsreich und das neue ist in seiner Konsequenz wieder mal der Hammer! PUNKT.

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