CD-Review: Tanzwut - Ihr wolltet Spass

Besetzung

Teufel – Gesang, Dudelsack
Patrick – Gitarre, Hintergrundgesang
Wim – Bass, Hintergrundgesang, Dudelsack
Norri – Schlagzeug
Castus – Dudelsack, Schalmei, Hintergrundgesang
Koll. A. – Dudelsack, Schalmei, Hintergrundgesang

Tracklist

01. Wieder da
02. Nein Nein
03. Der Traum
04. Meer
05. Zaubern
06. Für immer
07. Fatue
08. Erdbeerrot
09. Ihr wolltet Spass
10. Der Fluch
11. Gnade
12. Caupona


TANZWUT sind für mich DIE Mittelalter- oder sonst wie Kapelle. Das aber auch nur, weil es in diesem Genre genau ein Album gibt, was ich in komplett schätze: „Ihr wolltet Spass“. Die anderen Werke der Jungs sind nicht zur Gänze mein Fall, teils aber recht interessant. Natürlich sollte ich erwähnen, dass ich mich in diesem Genre kaum umfassend auskenne, dennoch: Alles Übrige, was ich von den bekannten und nicht so bekannten Bands dieses Subgenres bisher gehört habe, kommt nicht an „Ihr wolltet Spass“ heran. Auf das Booklet gehe ich an dieser Stelle besser nicht näher ein, ich persönlich kann mit diesem… ja… Auftreten nicht soviel anfangen, also erspare ich mir besser einen Kommentar.

„Ihr wolltet Spass“ ist zunächst einmal um einiges rockiger und variabler als die Vorgängerwerke, welche noch recht klar einem bestimmten Stil zugeordnet werden konnten. Hier wird die Musik manchmal schon leicht poppig-rockig, an anderen Stellen baut man aber wieder viel Elektronisches ein. Lieder wie „Nein Nein“ laden beispielsweise live sicherlich dazu ein, im Publikum frenetisch mitzufeiern, Stücke wie „Caupona“ eignen sich hingegen zum stillen Geniessen. Das Sextett griff übrigens auch bei diesem Album zu alten Texten, so zog man die „Carmina Burana“ und Hildegard von Bingen heran, um „Fatue“, welches musikalisch durch Goethes fünfte Symphonie Metal-Klänge zusammengesetzt worden ist, entstehen zu lassen. Kommen wir aber mal endlich genauer zur Musik: Teufel verleiht jener mit seiner Stimme Wiedererkennungswert, sanft und zugleich rau singt und spricht er; mal melodisch, mal leicht exaltiert. Die modernen Instrumente gewinnen derweil die Überhand, Schalmei und dergleichen dominieren den Hintergrund und gestalten die Refrains etc. äußerst malerisch und schön, ansonsten müssen sie jedoch der Gitarre und den Drums das Feld überlassen.

Die Berliner Mannen um Fronter Teufel versammeln hier einige Tracks mit Gassenhauerqualitäten, andere erfreuen jedoch nicht durchgehend. Das erste Lied „Wieder da“ setzt dabei die Messlatte sehr hoch an, beseelt wird das Stück nach vorne gepeitscht, man spürt die Energie und die Spiellust, man geht als Hörer daran völlig auf. „Nein Nein“ und „Der Traum“, welche darauf folgen, verzücken auch, wenngleich nicht mit jedem Ton. An vierter Stelle wird aber ein weiteres Highlight des Albums aufgeboten, „Meer“ ist von gleicher Qualität wie der oben besprochene Opener „Wieder da“, es besitzt wieder diese gewisse einnehmende und fröhliche Atmosphäre. „Zaubern“ schwächelt dann leicht, packt das Auditorium nicht so stark wie „Meer“. Dennoch ein famoses Lied, keine Frage. „Für immer“, die obligatorische Ballade ist dann wohl schon Geschmackssache, prinzipiell aber gut und gefühlvoll inszeniert. „Fatue“ hingegen ist mal so gar nicht mein Fall, viel zu undurchdacht und halbgar wird hier meiner Meinung nach agiert. TANZWUT entschädigen aber sogleich mit dem Straßenfeger „Erdbeerrot“ und dem anschließenden Titeltrack, welcher sarkastisch daherkommt. „Der Fluch“ ist stilistisch nicht mein Fall, Defizite weist das Lied an sich aber nicht auf. „Gnade“ kommt schon elektronischer und breit grinsend daher, TANZWUT zeigen erneut die eigenen Stärken auf. „Caupona“ ist dann ein würdiger Abschluss, was eigentlich genug sagt.

Wie gesagt; eine Scheibe, welche Spaß macht und wirklich langlebig ist. Seit der Veröffentlichung kann ich dieses Opus mein Eigen nennen, Freude bereitet es mir immer noch, trotz oder vielleicht gerade aufgrund der simplen aber sehr effektiven Songstrukturen. Leider konnte „Schattenreiter“ – so der Titel des Nachfolgewerkes – nicht an „Ihr wolltet Spass“ anknüpfen, da wurde die Musik schon zu seicht und vorhersehbar. Ein Grund mehr, welcher für das Album aus dem Jahre 2003 spricht.

Bewertung: 8 / 10

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