Review Tanzwut – Schreib es mit Blut

Mit dem Saft des Lebens all unsere Wünsche und Sehnsüchte niederzuschreiben – das ist es, wozu uns TANZWUT-Frontmann Teufel im Titelstück des neuen Albums „Schreib es mit Blut“ auffordert. Dann kommen wir dem doch nach und sehen uns an, was die nunmehr zehnte Platte der Berliner Mittelalter-Rocker für Wünsche offen lässt.

Der bereits erwähnte Titeltrack eröffnet das Album mit einem Electro-Intro, zu dem sich Teufels einmal mehr geniale Stimme gesellt, die zusammen mit der musikalischen Untermalung eine finstere Atmosphäre erzeugt. Später setzen dann die gewohnten Gitarrenriffs und Dudelsäcke ein und spätestens beim Refrain erzeugt der Song einen launiges Flair, ohne, dass er den eher düsteren Grundtenor vollkommen vernachlässigt. Damit ist bereits der Beginn des Albums ein Volltreffer, auf den noch eine ganze Palette an weiteren Highlights folgt. Da genügt es, das folgende „Steig ein“ zu betrachten, das textlich sehr motivierend daherkommt, unglaubliches Ohrwurmpotenzial birgt und mindestens genau so gut als Opener geeignet gewesen wäre wie der Titelsong. Die Hitdichte will jedoch nicht einreißen, denn auch die dritte Nummer „Bruder Leichtsinn“, die sich wieder merklich düsterer präsentiert und nicht zuletzt aufgrund des im Vordergrund stehenden, harten Gitarrensounds und der Rammstein-Gedächtnis-Bridge vor dem abermals sehr eingängigen Refrain sehr deutlich die Neue-Deutsche-Härte-Einflüsse TANZWUTs illustriert, gehört zu den unbedingten Höhepunkten auf „Schreib es mit Blut“.
Im Grunde böte das Album wohl genug Material für eine Track-By-Track-Analyse, da so gut wie jeder Song etwas ganz Besonderes bietet, das ihn für sich gesehen großartig macht. Bevor dies also zu sehr ausufert, sei noch das im Vorab veröffentlichte „Stille Wasser“ in der Version mit der ehemaligen Leaves‘-Eyes-Sängerin Liv Kristine genannt, auf dem TANZWUT sich genug Zeit für die ruhigen Töne nehmen und Melodien und der Gesang von Teufel und Liv für Gänsehaut sorgen, was den Song möglicherweise sogar zum absoluten Highlight der Platte macht.

Rein songtechnisch leisten sich TANZWUT also kaum einen Fehltritt, was bei satten 15 Nummern eine bemerkenswerte Leistung ist. Da sieht man auch über einen im Gesamtbild des Albums etwas schwächeren, aber immer noch überzeugenden Song wie „An den Klippen“ gerne hinweg, derer sich nur Vereinzelte finden lassen. Wirklich redundant wirkt lediglich die Standard-Version des schon angesprochenen Titels „Stille Wasser“, auf der Liv Kristines großartiger Einsatz fehlt. In dem Zusammenhang ist es leider auch vollkommen unverständlich, warum die Version mit ihr zum Bonustrack gewissermaßen degradiert wird, während die weit weniger interessante Fassung ohne ihre Stimme ganz selbstverständlich in der Albenmitte stehen darf. Umgekehrt hätte hier mehr Sinn ergeben, ist das Duett doch eines der Aushängeschilder der Platte.

Diese kleinen Schwächen können den Gesamteindruck jedoch kaum trüben, denn insgesamt liefern TANZWUT mit „Schreib es mit Blut“ einen hevorragenden Output voller Ohrwürmer, facettenreichen Stimmungen, zum Teil sehr gut durchdachten Lyrics und herausragenden Mittelalter-Melodien ab. Der einzige Wunsch also, der uns mit Blut niederzuschreiben bleibt: In den nächsten Jahren bitte weitere Platten von diesem Kaliber, lieber Teufel!

Wertung: 9 / 10

Publiziert am von Pascal Weber

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