Bereits zur Veröffentlichung ihres aktuellsten Albums „Death Of Darkness“ ließ THE-69-EYES-Frontmann Jyrki69 im Interview verlauten, dass er nicht mehr viel vom üblichen Zyklus aus Singlankündigen vor Album mit anschließender Tour und nachfolgender Stille hält. Entsprechend wolle man bei den Finnen künftig fortwährend neue Songs veröffentlichen, um sich im Gespräch zu halten und irgendwann eine neuen physischen Tonträger folgen zu lassen. Diesen Worten ließ die Truppe aus Helsinki entsprechende Taten folgen, denn trotz ausgiebiger Touraktivitäten in ihrem Heimatland und anderswo brachten THE 69 EYES über das letzte Jahr verteilt kontinuierlich neues Material heraus, das sie nun auf der EP „I Survive“ gebündelt haben.
Der Titeltrack ist dabei nicht nur irgendein THE-69-EYES-Song, sondern basiert obendrein auf einer Zusammenarbeit mit Gitarrist Steve Stevens. Jener Musiker, der schon mit MICHAEL JACKSON kollaborierte, verdingt sich hauptberuflich als Gitarrist und Co-Songwriter von BILLY IDOL, dessen Musik wiederum als eine der größten Inspirationsquellen der Finnen angesehen werden kann. Mit ihrer Mischung aus schiebendem Refrain und perlender, atmosphärischer Strophe weist die Nummer auch eindeutige Parallelen zum Sound des Briten auf. Zusammen mit dem charakteristischen Gesang von Frontmann Jyrki und dem unverwechselbaren Spiel des Gastgitarristen ergibt der Song eine durch und durch charmante Hommage an eines der größten Vorbilder der Band aus Helsinki.
Das THIN-LIZZY-Cover „Cold Sweat“ ist alleine schon aufgrund der Tatsache, dass der Titel inzwischen von Gefühlt jeder Rockband unter der Sonne nachgespielt wurde, nicht ganz so aufregend, darf aber trotzdem als gelungen angesehen werden. Sänger Jyrki gibt über weite Strecken einen recht authentische Phil-Lynott-Interpretation, allerdings fällt auf, dass er sich in diesem Gesangsstil nicht so wirklich zuhause fühlt. Die Leadgitarren gehen ebenfalls in Ordnung, jedoch spielen THE 69 EYES hier etwas reduzierter als seinerzeit John Sykes, was aber auch besser zum Stil dieser Band passt.
Mit „In The Misery“ und „Devil’s Rose“ enthält „I Survive“ noch zwei weitere THE-69-EYES-Originale und obwohl sie auf die „B-Seite“ der EP verbannt wurden, sollten sie keinesfalls vernachlässigt werden. In beiden Nummern kanalisiert die Truppe ihre Liebe zu Shock-Rock-Altmeister ALICE COOPER, was sich in „In The Misery“ in monumentalen Gitarren und im Abschlusstrack vor allem in der coolen Strophe bemerkbar macht. Insbesondere „Devil’s Rose“ überrascht mit für die sonstigen Verhältnisse der Finnen auffällig viel Leadgitarrenarbeit. Das liegt gewiss daran, dass in der Nummer MONSTER-MAGNET-Gitarrist Ed Mundell als weiterer Gastmusiker in Erscheinung tritt und den Song zu einem der Highlights der EP macht.
Wenn man nicht gerade die Überbleibsel der letzten Albumsessions verwurstet, kann man auf einer EP auch mal Experimente wagen. Die halten sich auf „I Survive“ zwar in Grenzen, aber dennoch zeigen sich THE 69 EYES hier von einer etwas anderen, verspielteren Seite und huldigen unverhofft deutlich einigen ihrer größten Vorbilder. Die teils mit hochkarätiger Unterstützung eingespielten Songs aus eigener Feder können auf ganzer Linie überzeugen und machen „I Survive“ nicht nur für eingefleischte Fans attraktiv. Zusammen mit dem nicht unbedingt originellen Cover-Song reichen diese vier Nummern in jedem Fall aus, um die Wartezeit bis zum nächsten Album einer der authentischsten Rockbands Finnlands zu verkürzen.
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