Es gibt Bands, die haben schon deshalb einen gewissen Respekt verdient, weil sie seit fast 30 Jahren in einem Genre (in diesem Fall Black Metal) unterwegs sind und sich dabei gegen jeden Trend, jede Kursabweichung und jeden Wandel stellen. Das kann sehr altbacken wirken oder aber konsequent sein. THE STONE aus Belgrad sind eine Formation, die den Weg dazwischen sucht. Mit ihrem derweil zehnten Album „Kletva“ versucht die Truppe um Gitarrist und Gründer Marko „Kozeljnik“ Jerković genau diesen Grat erneut zu nehmen.
„Sve Sravnjeno, Sve Spaljeno“ stellt sich direkt als ein rasanter wie genrekonformer Einstieg vor. Was sofort auffällt, ist das verspielte Riffing. Begleitet von dynamischen Drums und keifigen Screams fährt dieser Track gleich zu Beginn alles auf, was Melodic Black Metal ausmacht. Der raue und dezent verwaschene Sound von „Kletva“ unterstützt die Wirkung des folgenden „Kletve Lovor“ noch deutlicher. Ein wenig pendeln THE STONE hier zwischen TAAKE und (sehr) alten BEHEMOTH-Veröffentlichungen. Die flächigen Melodielinien über dem letzten Drittel des Songs machen indes wett, was der Opener an Stimmung vermissen ließ. Manchmal braucht es nach der Opulenz einfach einen kurzen Moment des sanften Kopfnickens, um sich auf das nächste Blastbeat-Gewitter vorzubereiten. Der Song „Trag U Večnosti“ liefert genau diese Erdung und weckt dabei gar Erinnerungen an GRIMA.
Allerdings stellt sich ab ungefähr der Hälfte von „Kletva“ neben vielen bisher positiven Eindrücken auch eine andere Erkenntnis ein: THE STONE gehen weder vor noch zurück. Das Album-Mittel kippt relativ stark in Richtung Gefälligkeit ab. Zwar ist die Band kompositorisch hier weit entfernt von schlechter Musik, aber die Highlights ihrer Vorgänger lassen „Slutnja“ und das sich anschließende „Denying The Axiom“ leider aus. Allgemein scheint „Kletva“ damit seinen Zenit überschritten zu haben. Umso bedauerlicher, dass der Versuch, etwas zügelloser zu agieren, bei den progressiven Anteilen eines „Besi“ eher holprig denn erfrischend anmutet.
Zwar beenden THE STONE ihr neues Album mit dem Track „Sveća Je Dogorela“ nach bester Genre-Manier und schließen zum ersten Drittel des Albums auf, aber auch ein stimmiger Schlusspfiff kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass jede Stärke und jede Schwäche von „Kletva“ nach der guten Hälfte seiner Spielzeit auf dem Tisch lag. Die Formation spielt auf ihrem zehnten Album gut umgesetzten Melodic Black Metal, der Genre-Nerds vollends zufriedenstellen dürfte. Mit den großen Werken von THRON, HAERESIS oder OUTLAW aus diesem Jahr kann die Formation jedoch nicht mithalten.
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Wertung: 6.5 / 10


