Review Varathron – Patriarchs Of Evil

Wenn es um die Veröffentlichung von Full-Length-Alben geht, waren VARATHRON noch nie die Schnellsten. In den meisten Fällen konnten sich die Fans der griechischen Schwarzmetall-Truppe, die bereits in den frühen Anfängen des Genres mitmischte, die Zwischenzeit zumindest mit ihren Splits und EPs vertreiben. Das letzte Kurzalbum „The Confessional Of The Black Pentinents“ liegt mittlerweile jedoch bereits drei Jahre zurück, andere Releases sogar noch länger. Mit „Patriarchs Of Evil“ hat das Warten nun endlich ein Ende. Dass sich das Quintett für sein sechstes Album abermals viel Zeit gelassen hat, dürfte bei einigen Fans, die noch den starken Vorgänger „Untrodden Corridors Of Hades“ im Kopf haben, sicherlich die Erwartungen hochgeschraubt haben – und das völlig zu Recht.

Die kräftigen Oldschool-Gitarren, die epischen Leadmelodien und das schmissige Midtempo-Drumming, die im Opener „Tenebrous“ zusammen mit den biestigen, kehligen Screams aufmarschieren, lassen erst mal vermuten, dass VARATHRON ihr übliches Ding durchziehen. Bis zu einem gewissen Grad stimmt das auch, die Songs auf „Patriarchs Of Evil“ klingen tatsächlich unverwechselbar nach den griechischen Underground-Musikern, die die meisten wohl vor allem für ihre mächtigen Kompositionen im groovenden, mittleren Geschwindigkeitsbereich schätzen.

Manchmal schreiten VARATHRON zur Abwechslung erhaben voran („Ouroboros Dweller“), kreieren mit langgezogenen Leadgitarren eine geheimnisvolle Atmosphäre („Remnants Of The Dark Testament“) oder lassen ein gefräßiges Black-Thrash-Biest wie das brachiale „Into The Absurd“ von der Leine – an der Grundausrichtung wurde allerdings nicht gerüttelt. Ebenfalls typisch für die Band sind die immer wieder eingeschobenen, andersartigen Stilmittel, sodass selbst die rituell anmutenden, mysteriösen Akustik-Parts, in denen die Screams sogar noch bedrohlicher wirken, im Material der Griechen kein Novum darstellen. An Spannung mangelt es diesen Kunstgriffen dennoch nicht, da VARATHRON sie keineswegs inflationär, sondern stets dosiert und in einem stimmigen Kontext einsetzen.

Selbst ohne großartige Neuerungen wäre „Patriarchs Of Evil“ eine durch die Bank weg verdammt starke Platte. Doch da gibt es sogar etwas Ungewohntes: die Keyboards. Ebenjene flechten VARATHRON hier um einiges öfter in die Arrangements ein als zuvor. Glücklicherweise verhält es sich hier aber genau so wie mit den Akustik-Anteilen – sie verdichten die mystische Stimmung der Songs („Luciferian Mystical Awakening“), überwuchern sie aber nicht und laufen so nie Gefahr, ins Kitschige abzudriften.

Anders als viele andere Underground-Kapellen, die selbst nach jahrelanger Vorbereitung nur Mittelmäßiges vorzuweisen haben, belohnen VARATHRON ihre Fans mehr als reichlich für ihre Geduld. „Patriarchs Of Evil“ kocht über vor Kreativität, die Griechen machen sich darauf viele Kniffe der alten Schule zunutze, ohne jedoch einen verstaubten Eindruck zu machen, und man merkt zu jeder Zeit, dass VARATHRON hier mit brennendem Eifer bei der Sache sind. Sowohl die wuchtige Produktion als auch die Songs an sich lassen keine Wünsche offen, Schwachstellen gibt hier schlicht und ergreifend nicht. Somit handelt es sich bei „Patriarchs Of Evil“ um eine wahrlich hervorragende Platte, die eigentlich jeden Fan restlos zufriedenstellen sollte.

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Wertung: 8.5 / 10

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