CD-Review: Vinsta - Drei Deita

Oktober 2019

Besetzung

Christian Höll – Gesang, Instrumente
Moni Hahn – Gesang, Geige

Gastmusiker:
Tobias Langthaler – Bass

Tracklist

01. Ausklong
02. Weisse Deckn
03. Oafocha Loda
04. Raunocht
05. Fiachtn
06. Drei Deita
07. Tiafn
08. Einklong


Man stelle sich eine Band vor, die haargenau wie Opeth zu ihren besten Zeiten klingt. Und nun stelle man sich vor, besagte Musikgruppe erweitere diesen an sich formvollendeten Progressive-Death-Metal-Stil auch noch um filigrane Geigenarrangements. Und um wundersam anmutendes Hackbrettspiel. Und um Texte im Salzburger Dialekt. Und um Jodelgesang. Bei diesem geradezu unmöglich erscheinenden Mammutprojekt handelt es sich keineswegs um die Fantasie eines wild gewordenen, österreichischen Opeth-Fanatikers, sondern um Christian Hölls inzwischen zu einer kompletten Band angewachsenes Soloprojekt VINSTA. Dessen Debütalbum „Vinsta Wiads“ wirkte zwar trotz seiner Eigenheiten aufgrund seiner frappierenden Ähnlichkeit mit Opeths „Still Life“ etwas unselbstständig, war für sich betrachtet jedoch ohne Frage eine der großartigsten Platten des Jahres 2017. Die Zeichen für das Nachfolgealbum „Drei Deita“ könnten demnach kaum besser stehen.

Obwohl Höll selbst Opeth nicht unbedingt zu seinen wichtigsten Vorbildern zählt, sind die Parallelen zu der schwedischen Prog-Death-Vorzeigeband auch diesmal nicht zu überhören. Mit seinen mächtigen Growls und seinen gerade in der Gegenüberstellung umso sanfteren, zum Teil mysteriös gewisperten Clean-Vocals klingt der Bandkopf wie der weltbeste Mikael-Åkerfeldt-Imitator und auch hinsichtlich der Instrumentierung kann man sich der durchaus nicht unschmeichelhaften Assoziation kaum erwehren. So effektiv und technisch versiert, wie VINSTA ihre schwungvoll groovenden Riffs und Rhythmen, ihre ausgefeilten Lead-Melodien und ihre geheimnisträchtigen, unverzerrten Gitarrenparts („Drei Deita“) einsetzen, kann man ihnen diesen partiellen Mangel an Eigenständigkeit nur schwer zum Vorwurf machen.

Hinzu kommt, dass die Österreicher ihre auf dem Debüt „Vinsta Wiads“ noch eher zaghaft integrierten Besonderheiten diesmal noch deutlicher herausgearbeitet haben. Der überraschend stimmig eingeflochtene Jodelgesang, bei dem Höll von Geigerin Moni Hahn unterstützt wird, die melancholischen Streicher und nicht zuletzt das urige Hackbrett werden auf „Drei Deita“ nicht bloß für kurze Interludes herangezogen, sondern tun sich nunmehr auch in den ausgedehnten Kompositionen hervor und stehen mitunter sogar für sich allein im Zentrum des Geschehens („Einklong“).

Das erzählerische Konzept der Platte, welches sich um eine Art Selbstfindungsreise in einem winterlichen, alpinen Setting mit mystischen Elementen dreht, könnten VINSTA kaum treffender vertonen. So laden die ruhigeren Passagen zum berückten Bestaunen der beschriebenen, verschneiten Gebirgslandschaften ein, wohingegen die kolossalen Death-Metal-Parts die dort herrschenden Naturgewalten in all ihrer furchterregenden Pracht verkörpern. Die organische, hervorragend abgerundete Produktion setzt dem Ganzen schlussendlich noch die verdiente Krone auf.

Obwohl bereits „Vinsta Wiads“ aus spieltechnischer und kompositorischer Sicht auf einem Niveau rangierte, das nur wenige Bands jemals, geschweige denn auf ihrem Debüt, zu erreichen vermögen, konnte man VINSTA darauf durchaus mit Recht noch fehlender Einzigartigkeit bezichtigen. Mit „Drei Deita“ ist es den Österreichern nun gelungen, auch diesem Kritikpunkt noch seine Berechtigung zu nehmen – und das schlicht und einfach durch eine leichte, ungezwungene Verschiebung der von ihnen genutzten Stilmittel. Noch vielseitiger und stimmungsvoller als sein Vorgänger und doch ununterbrochen flüssig und dem Spannungsbogen der Erzählung entsprechend arrangiert, ist „Drei Deita“ das ideale Album für Fans von Alben wie „Blackwater Park“, die nicht bloß eine Kopie desselben, sondern eine interessante Weiterentwicklung ebenjenes Stils hören wollen.

Bewertung: 9 / 10

Geschrieben am

1 Kommentar zu “Vinsta – Drei Deita”

  1. Peter

    Die Parallelen zu Opeth sind definitiv da. Allerdings empfinde ich die Growls nicht als mächtig, vor allem im Vergleich zu Tomi Koivusaari oder selbst Akerfeldts schwächeren Phasen.

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: