CD-Review: Opeth - Still Life

  • Veröffentlichung: 1999
  • Label: Peaceville
Besetzung

Mikael Åkerfeldt – Gesang, Gitarre
Peter Lindgren - Gitarre
Martin Mendez - Bass
Martin Lopez - Schlagzeug

Tracklist

01. The moor
02. Godhead's lament
03. Benighted
04. Moonlapse vertigo
05. Face of Melinda
06. Serenity painted death
07. White cluster


Der vierte Output der schwedischen Progressive Death Metaller OPETH ist wie sein Vorgänger „My Arms, Your Hearse“ ein Konzeptalbum. Wieder dreht es sich grob um einen Mann, der von seiner Geliebten getrennt wird. Das „Still Life“-Album gehört zu den weicheren Alben OPETHs, in den meisten Songs nehmen die cleanen Passagen weit mehr als die Hälfte, wenn nicht sogar hundert Prozent, des Gesangs ein.

Erst zur Geschichte des Albums: Der Hauptcharakter wächst als gläubiger Christ auf, beginnt jedoch seinen Glauben zu hinterfragen und wird deswegen aus seinem Dorf verbannt. Nach Jahren des Exils kommt er zurück, um seine Verlobte zu holen. Es gibt diverse Komplikationen, aber er findet sie, doch sie ist neu verlobt. Sie sagt, sie habe ihr Versprechen gegeben, aber ihm gehöre ihr Herz. Mit dieser nicht ganz expliziten Äußerung endet die Unterredung. Plötzlich wacht der Hauptdarsteller aus einem Traum auf und findet Melinda tot, vermutlich erwürgt, auf. Es wird dabei nicht absolut klar wer sie getötet hat, es ist nicht auszuschließen das er es selbst in Raserei war, die musikalische Untermalung und der Text des vorrausgehenden Songs allerdings legen nahe, dass er mit ihrem Mord nichts zu tun hatte. Jedenfalls wird er wahnsinnig und richtet an den Dörflern ein Blutbad an, verliert letztlich die Kraft und wird gehängt. Am Galgen gibt es dann doch einige Anspielungen auf ein Nachleben („I slither for you and I´m dying.“, „Hangman, clutching at his tools. I will come for you.“) und eine Wiedervereinigung mit Melinda, man könnte also annehmen, dass er seinen Glauben letztlich doch nicht verloren hat.

Klingt banal, ist es letztlich auch. Dennoch bewegen sich die Texte, die allesamt aus der Sicht des Hauptcharakters geschrieben sind, auf einem vergleichsweise sehr hohen sprachlichen Niveau und erfordern ein ziemlich gutes Englisch, damit einem alle gebotenen Details der Story und Charaktere offenbar werden. Weiterhin ist noch zu sagen, dass sie (wenn man Mikael Åkerfeldt glauben darf) bewusst nicht explizit gehalten sind, es bleibt viel Interpretationsraum, man kann sich gewissermaßen seine eigene Geschichte schreiben, mit dem Grundgerüst, dem roten Faden, den die Texte bieten. Auch musikalisch bewegen sich OPETH auf gewohnt hohem Niveau. Wie jedoch bei jedem Werk der Schweden ist das Entscheidende die Atmosphäre, die auf diesem Album absolut überragend ist. Ein absolutes Highlight in dieser Hinsicht sind die Songs „Face of Melinda“ (der die bereits angesprochene Unterredung behandelt) und „Serenity Painted Death“ (der das Blutbad und seine Raserei beschreibt) die zumindest für mich einen garantierten Gänsehautmoment darstellen.

Ich konnte mich nicht dazu durchringen einige, Songs exemplarisch zu beschreiben, das würde dem Album und dem individuellen Stil einfach nicht gerecht. Es handelt sich bei OPETH-Alben immer um Gesamtkunstwerke. Isolierte Songs mögen zwar ganz nett sein, richtig entfalten tun sie sich nur im Albumkontext.

Ich persönlich liebe dieses Album, das kann ich nicht verleugnen. Das macht es für mich auch nicht leicht, es so objektiv wie möglich zu beschreiben. Dennoch muss ich gestehen, dass das Album mindestens einmal mit dem Weichspüler gewaschen wurde. Um konkreter zu werden: Für den Durchschnittshörer könnte es zu soft sein. Allerdings sollte daraus nicht geschlossen werden, dass es simpel sei. Im Gegenteil, es ist zwar eine Schmusedecke, aber eine mit auf den ersten Blick verwirrenden, überaus komplexen Stickereien. Die Decke ist übrigens nicht weit hergeholt, man muss sich von der Musik eindecken lassen, das Album mehrmals hören, in Ruhe die Texte lesen, dann mit der Musik im Hintergrund, damit es sich in Gänze entfaltet. Es ist definitiv nicht bedingungslos für Leute zu empfehlen, die die Band noch nicht kennen. Diese sollten sich lieber „My Arms, Your Hearse“ und „Blackwater Park“ geben, die sind abwechslungsreicher und auch härter. Das Album ist zwar genial, aber in meinen Augen kein absoluter Meilenstein, kein perfektes Werk.

(Dario aka Mekhet)

Bewertung: 9 / 10

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