CD-Review: Our Survival Depends On Us - Scouts On The Borderline Between The Physical And Spiritual World

Besetzung

Thom – Gitarre, Gesang
Mucho – Gitarre, Gesang
Barth – Bass
Thomas – Schlagzeug
Hajot - Synthesizer

Tracklist

01. Tunes Of Judgement
02. Let My People Go
03. We Are Children Of The Dawn
04. The Bloody Path
05. The Mountains Of My Home
06. My Sons And Daughters
07. A Sacred Heart
08. The Manifesto


Bereits 1999 aus der Taufe gehoben, gehören die Atmospheric Doomer mit dem für das Genre fast schon überraschend optimistischen Bandnamen OUR SURVIVAL DEPENDS ON US nicht unbedingt zu den produktiven Bands: Auf eine Demo, eine Split und zwei Alben haben es die Salzburger in immerhin 16 Jahren Bandgeschichte gebracht. Nun steht mit „Scouts On The Borderline Between The Physical And Spiritual World“ das dritte Album in den Startlöchern. Doch wie sagt man so schön: Gut Ding will Weile haben. Und so ist „Scouts On The Borderline“ ein Album, auf das es sich retrospektiv gesehen gewartet zu haben lohnt.

Die Antwort auf die Frage, warum das so ist, liefern die Salzburger in den folgenden 50 Minuten mit acht Songs genau acht mal: Auf ein atmosphärisches Intro, das ebensogut von Wardruna oder Negura Bunget stammen könnte, folgt „Let My People Go“ – eine so verschrobene wie hörenswerte Mischung aus Gospel und Doom Metal. Letzterer tritt zwar bei „Children Of The Dawn“ anschließend weiter in den Vordergrund, ein Hauch Esotherik schwingt aber auch hier mit. Fette Arrangements mit griffigen Distortion-Gitarren machen im Verlauf der fast 10minütigen Spielzeit zarten Cleangitarren Platz. Passend dazu wird aus dem ausdrucksstark geschmetterten Gesang ein fast verletzliches Säuseln. Arrangement: Eins, setzen.

Doch „Scouts On The Borderline Between The Physical And Spiritual World“ ist noch lange nicht vorüber und wer denkt, OUR SURVIVAL DEPENDS ON US hätten schon alle Register gezogen, irrt: „The Bloody Path“ entführt den Hörer in die schier unendlichen Weiten flächiger Synthesizer, in die sich andächtiger Gesang schmiegt, bevor ein gefühlvolles Piano den Hörer zur gesanglich fast pathetisch geschmetterten Heimat-Hymne „Mountains Of My Home“ abholt. Der Metal kehrt erst in „My Sons And Daughters“ wieder, welches zudem (passend zum Titel) mit lieblichem Frauengesang aufwartet und in seinen fast 14 Minuten von langsam bis schnell, von ruhig bis eruptiv alles zu bieten hat. Alles klar, alles gehört? Irrtum – „Scouts On The Borderline“ bleibt bis zum Ende spannend: Dieses bilden die andächtige Ballade „A Sacred Heart“, zu der die Band auch ein Video gedreht hat, und das sphärische Outro „The Manifesto“.

Wer viel Musik hört, entwickelt in der Regel ein Gespür dafür, wie ein Album nach den ersten Songs weitergeht. OUR SURVIVAL DEPENDS ON US spielen richtiggehend mit dieser Erwartungshaltung: Immer, wenn man meint, verstanden zu haben, lenken die Salzburger die Atmosphäre in völlig neue Bahnen und überraschen den Hörer so ein uns andere Mal mit gänzlich unerwarteten stilistischen Wendungen. Dass dieses Konzept aufgeht und das Resultat nicht zerfahren klingt, ist ein Wunder – respektive angewandte, große Kunst, für die OUR SURVIVAL DEPENDS ON US größten Respekt verdienen.

Bewertung: 9 / 10

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