Fäulnis – Antikult (Track by Track)

Fäulnis - Slider (Listening-Session)

Spätestens seit „Snuff||Hiroshima“ gelten FÄULNIS mit ihrer gepflegten Fuck-Off-Attitüde und einer guten Portion Punk im Sound als die große Hoffnung des deutschen Black Metal. Mit „Antikult“ wollen die Nordlichter nun noch einen drauflegen.

Kaum dass das Album fertig gemixt ist, treffen wir Seuche und Konsorten deswegen in einer Hamburger Altbau-WG zu einem ausführlichen Interview [in Kürze exklusiv auf Metal1.info] sowie einer „Antikult“-Listening-Session. Seuche stellt voran: „Ja, das gehört so“. Nachdem das geklärt ist, kann es losgehen.

In unserem „Antikult – Track By Track“-Special erfahrt ihr zu jedem Stück von Seuche, worum es geht, sowie anschließend von uns, wie es klingt.

 

Metropolis

1Worum es geht: Die klassische Situation: Du gehst Freitagabend los, mit deinem Standardpaket, Sixpack Bier, Schachtel Zigarretten. Fängst den Abend irgendwo in einer Kneipe an, fängst an zu saufen, hast Kollegen um dich herum, fängst weiter an zu saufen und irgendwann kommst du an den Punkt, dass du einfach dermaßen besoffen bist, dass die Stimmung unglaublich umkippt, du irgendwann alleine bist, alles kalt und düster ist und du in einem totalen Deliriums-Vollsuff nichts mehr checkst und nur noch weltfremd durch die Straßen irrst.

Wie es klingt: Verwaschenes Black-Metal-Riffing trifft auf treibende Drums, einen typischen FÄULNIS-Text sowie ein lässiges Gitarrensolo. Das Ganze verpackt in rohen Sound mit viel Feedback-Noise deutlich schwarzmetallener geprägt als die Songs von „Snuff||Hiroshima“. Der mit 2:18 kürzeste Song des Albums.

 

Block 19, Mahlstrom

2Worum es geht: Das ist eine Verarbeitung des Erlebnisses eines Liveauftritts, den wir damals mit unserer befreundeten Band Plage hatten. Der Sänger hatte sich mit drei Wochen altem, verschimmeltem Blut eingerieben. Der Backstageraum hat dermaßen gestunken, selbst die anwesenden Okkult-Black-Metaller haben die Fresse verzogen und die Situation war irgendwas zwischen man möchte kotzen und man feiert es einfach nur ab.

Wie es klingt: Im Vergleich zum Opener deutlich ruhiger, dank des getragenen Riffings mitunter fast episch. Bevor es zu bunt wird, rückt der grausige Text die Sache wieder gerade: FÄULNIS bleibt garstig. Mit 5:44 der längste Song des Albums.

 

Galgen, kein Humor

3Worum es geht: Das ist schwierig, weil das auch sehr persönlich ist. Ein bisschen diese Situation, du hängst mit einer Person rum, verbringst mit der den Abend und du säufst so dermaßen viel, dass sich das zwischenmenschliche Verhältnis zwischen dir und der Person, mit der du säufst, komplett verändert und in einem totalen Aggressionszustand endet.

Wie es klingt: Fängt schon flott an, nimmt dann aber erst richtig Fahrt auf. Eine dreckig-geschrammelte Singlenote-Melodie nach der ersten Strophe, neuerlich viel Gitarren-Feedback und aggressiv geprügeltes Schlagzeug sorgen für das musikalische Äquivalent zur Textzeile „Warum aufhören, wenn der andere nicht mehr kann?“. Vielleicht das „Antikult“-Pendant zu „Grauen“ vom Vorgänger.

 

MS Fäulnis

4Worum es geht: „MS Fäulnis“ ist ein Song, der meine Liebe zum Punkrock und meine Liebe zum Meer ausdrückt. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. MS Fäulnis. Das Schlachtschiff. Oder der räudige, dreckige Kahn, der am Ende versinkt. Geht über in „Im Auge des Sturms“

Wie es klingt: Beginnt brachial und düster, wäre damit auch auf „Snuff“ nicht fehl am Platz. Nach einer Verbeugung in Richtung Punk nehmen FÄULNIS kräftig Tempo raus und leiten mit dem ruhigen Outro so perfekt auf den folgenden Song über.

 

Im Auge des Sturms

5Worum es geht: Ein sehr ruhiger Song, die Ballade des Albums. Auf deinem einsamen Schiff auf dem Meer vor sich hin schippern, ins Nirgendwo. Das hat so genug Interpretationsspielraum, dass jeder für sich selbst noch etwas darin sehen kann.

Wie es klingt: Anders. Zumindest 20 Sekunden lang würde man den Song – einer nur leicht angezerrten, dafür umso schöneren Gitarrenmelodie sei Dank – sogar Alcest abnehmen. Auch im Folgenden bleibt der Song vergleichsweise bedächtig. Durch das perfekte Zusammenspiel aus Musik und Text jedoch zugleich einer der spannendsten Songs auf dem Album. Stille Wasser und so …

 

Kadaver

6Worum es geht: Das ist mehr ein Storytelling-Song mit einer starken Verbindung zu Horrorfilmen, mit einer Art Grusel-Atmosphäre. Der Text enthält die Zeile „Die alte Leiche hängt verwest am Baum des Lebens, an einem Kran in einer längst vergessenen Geisterstadt.“ Das hat sicherlich für mich auch noch eine tiefere Bedeutung, aber es geht mehr um die Wirkung der Zeilen, als um ihre tiefere Bedeutung. Ein absoluter Blast-Song.

Wie es klingt: Ein absoluter Blast-Song? Kann man so sagen. FÄULNIS lassen all die Aggressionen raus, die sie sich bei „Im Auge des Sturms“ verkniffen haben. Tut auch mal gut, muss auch mal sein. Dazu einer der düstersten Texte auf „Antikult“.

 

Arroganz von unten

7Worum es geht: Ein typischer FÄULNIS-Song, der in einer Reihe steht mit „Weil wegen Verachtung“. Da sind die typischen Punkrock-orientierten Zeilen drin. Arroganz von Unten. Da kann man vielleicht noch soweit gehen, zu sagen, du machst Musik im Underground und hast mit Business nichts am Hut, und kannst dir die Fahrten zu den Proben schon nicht mehr leisten, aber machst es trotzdem weiter. Du lebst einfach für diesen ganzen Scheiß.

Wie es klingt: In der Tat ein FÄULNIS-Song par excellence: FÄULNIS-typischer Gesang, teils geschrien, teils gesprochen (vergleiche: „In Ohnmacht“), schnelle Melodieführung über gesechzehntelte Singlenotes und mit entsprechend viel Zug und viel punkiger Fuck-Off-Mentalität im Text. In Sachen Sound im Mittelteil mit einer hübschen Overdrive-Gitarre dezent veredelt.

 

Das Nagelkratzen

8Worum es geht: Da wühle ich tief in meiner Vergangenheit. „Blut in den Augen, Blut unter den Nägeln, grau der Atem.“ Das ist schon ein arges Depressionsgefühl, allein zu Hause.

Wie es klingt: Dem Text entsprechend düster, aufgrund der fast konstant durchgezogenen Double-Bass jedoch trotz schleppender Gitarrenmelodie alles andere als behäbig. Mit einem Touch von norwegischem Black Metal.

 

Der König

9Worum es geht: Das ist so eine Hymne. Der König als Metapher für – wenn ich jetzt schon sage „Metapher für“ … das klingt immer so, als würde ich mir da wahnsinnig viele Gedanken zu machen. Es ist jetzt nicht so, dass ich dafür große Literatur gelesen hätte oder mich davon inspirieren hätte lassen. Eigentlich habe ich mich eher von der großartigen Serie „True Detective“ inspirieren lassen, bei denen es um den gelben König ging. Ich habe das Buch, auf dem das gründet, aber nicht gelesen, kann also gar nicht sagen, worum es da geht. Aber die Stimmung würde ich zu einem gewissen Prozentsatz auf die Serie zurückführen.

Wie es klingt: Von „Im Auge des Sturms“ abgesehen der ruhigste Song auf dem Album. Doomige Elemente treffen auf FÄULNIS-typische Melodieführungen, während Seuche nochmal alles aus seinen Stimmbändern herausholt. Nicht nur im Titel pathetisch. Abgerundet durch einen letzten, grandiosen Kniff, der an dieser Stelle noch nicht verraten werden soll. Ein perfekter Albumabschluss. 

 

Sonstige Infos:

Spielzeit: 39 Minuten
Label: Cold Dimensions
VÖ-Datum: 10.03.2017
Cover:
siehe unten.

Fäulnis - Antikult (Cover groß)

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2 Kommentare zu “Fäulnis – Antikult (Track by Track)”

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