14 Jahre sind vergangen, seit man zuletzt von den in Deutschland gegründeten, nunmehr aber in Norwegen ansässigen Black Metallern ASARU gehört hat. Nun ist mit „V.o.i.d.“ doch noch ein drittes Album erschienen. Worum es auf dem Album geht, und vor allem, warum es so lange gedauert hat, bis „V.o.i.d.“ endlich fertig war, erklärt Bandkopf Frank Nordmann im Interview.

Das letzte ASARU-Album ist von 2012, die wenigsten Fans dürften noch mit einem weiteren Album gerechnet haben. War für dich immer klar, dass es ein weiteres ASARU-Album geben wird?
Mir war schon vorher klar, dass es noch eine Scheibe geben wird. Ich hatte schon direkt nach der Aufnahme von „From The Chasms Of Oblivion“ angefangen, die ersten Songs zu schreiben. Nach und nach nahm das Ganze dann Formen an und wurde zu dem Album, das es heute ist.
Trotzdem sind dazwischen viele Jahre verstrichen. Wie sah es bei ASARU aus der „Innenansicht“ aus – war die Band durchgehend aktiv oder lag die Band phasenweise auf Eis?
Es kamen 10–12 Jahre, in denen ich so viel gearbeitet habe wie in meinem ganzen Leben nicht. Noch dazu hat Seb sich eine Frau mit drei Kindern angelacht und wir hatten tatsächlich stellenweise keinen Kontakt miteinander. Wäre Chovid nicht gewesen, hätten wir 2020 in Deutschland aufgenommen. Das Kohlekeller-Studio war gebucht, das musste aber abgeblasen werden. Marius Strand haben wir im Internet ausfindig gemacht und im Endeffekt bei ihm aufgenommen. Da er sein Studio in Oslo hat, konnten wir auch ohne Zeitdruck am Mix arbeiten, anstatt ständig eine Deadline im Hinterkopf zu haben. Am Ende haben wir dann auf gut Deutsch drauf geschissen, wie viel Zeit wir im Studio verbringen, da es nach all den Jahren nicht mehr relevant war, ob noch ein paar Monate oder gar ein Jahr mehr vergeht. Wir hatten endlich losgelegt und nur das zählte in diesem Moment.
Ihr verwendet auf dem Cover ein neues Logo – gerade wenn man so lange weg war, nicht gerade hilfreich, um eine Band zurück ins Gedächtnis der Fans zu rufen. Warum habt ihr das geändert?
Adrian Santha, der das Cover mit Kohle und Kreide gemalt hat, wollte lieber einen Schriftzug, der in das Gesamtbild integriert ist. Also malte ich ihm das Logo auf, das ich ursprünglich für ASARU wollte. Eher einfach, mit Hörnern im mittleren A und leicht lesbar. Damals bei der Bandgründung war keiner mit den Logovorschlägen des anderen einverstanden. Ein Mitschüler von mir hat daraufhin damals drei Logovorschläge angeschleppt und wir hatten uns dann für dieses „Wappen“ entschieden. Auf der CD/LP ist dieser wappenartige Schriftzug auch drauf.
Durch die angedeutete, aber nicht sauber umgesetzte Symmetrie in dem gezeichneten Logo schaut das Cover auch stark nach Demo/DIY/Underground aus. War das eure Absicht, und wenn ja, warum?
Das ist eben Adrians Stil. Er hat noch nie viel davon gehalten, wenn alles komplett akkurat ist, ohne dass es wirklich notwendig ist. Und dadurch, dass der Schriftzug so verzerrt ist, fügt er sich auch gut ins Bild ein. Deswegen hab ich mich nie darüber beschwert.
Das gilt, in gewisser Weise, auch für den Sound: Eure früheren Produktionen klangen insgesamt transparenter und „professioneller“, wenn man das so sagen möchte. Warum klingt „V.o.i.d.“ jetzt trotzdem in deinen Ohren so, wie es klingen muss?
Wir haben zum ersten Mal seit den beiden Demos nicht bei Kristian Kohle aufgenommen. Das war eine komplette Umstellung. Schließlich habe ich mit dem Kohle schon einige Produktionen hinter mir. Nicht nur mit ASARU. Ich habe dem Marius vorher ein Exemplar von „From The Chasms Of Oblivion“ in die Hand gedrückt, damit er weiß, welche Erwartungen es zu erfüllen gibt. Du hast wahrscheinlich recht, dass die beiden Vorgänger professioneller klingen. Dafür ist „V.o.i.d.“ viel organischer ausgefallen, als das Album im Kohlekeller-Studio geworden wäre. Da bin ich mir recht sicher.
Überraschend fand ich den Klargesang. Was hat dich dazu verleitet, das mal auszuprobieren?
Die Ruth ist schon auf dem zweiten Demo zu hören. Und auf der letzten Scheibe hatten wir auch einen Chor bei dem norwegischen Song. Ganz neu ist das also nicht. Wir haben diesmal lediglich mehr davon verwendet. Ruths und Eddies Gesänge auf den Songs 3, 6, 9 wurden auch im Kohlekeller-Studio aufgenommen. Die Klargesänge bei Song 4 und 8 sind von mir und der Chor am Ende bei Song 5 besteht aus Seb (Schlagzeuger), Petter (Bassist), Marius und mir.
Wofür steht der Titel, beziehungsweise handelt es sich um eine Abkürzung oder nur eine „spezielle Schreibweise“, dass hinter jedem Buchstaben ein Punkt steht?
Wir haben die Lehre, das Nichts, aus dem das Universum anscheinend entstanden ist, in Punkte gesetzt, um damit die verschiedenen Bewusstseinsebenen zu verdeutlichen. Zusätzlich geben die Punkte zwischen den Buchstaben Rätsel auf. Genau wie das Leben selbst. Wir wollten diesmal einen kurzen, knackigen Albumtitel haben. „Dead Eyes Still See“ ist ja nicht allzu lang. Aber ein Titel wie: „From The Chasms Of Oblivion“ ist ja schon ein kompletter Satz.
Die Songtitel selbst legen eine Art Konzept nahe – zumindest ist jedem Song ein sehr grundsätzlicher Begriff vorangestellt. Was ist die Idee dahinter, worum geht es auf „V.o.i.d.“?
Genau, es ist ein Konzeptalbum über die Entstehung und den Untergang der Welt. Die ersten vier Songs behandeln die Elemente: Feuer, Erde, Luft, Wasser. Die weiteren fünf gehen um Leben, Menschheit, Religion, Krieg, Untergang. Auf der Rückseite des Albums steht also immer das Thema, um das es geht, vor den Songtiteln.
Was hat dich zu diesen Neuerungen bewegt?
Bei der Frage, was ich im Vergleich zum letzten Output verbessern kann, waren die beiden Hauptantworten: Textkonzept und etwas mehr Cleangesang für die Abwechslung.
Außer ein paar dunklen Live-Fotos gibt es kein gemeinsames Bandfoto von euch – das ist eher unüblich. Warum habt ihr euch dagegen entschieden?
Das war nicht geplant. Nachdem wir mit dem Mix fertig waren, haben wir vom Petter nichts mehr gehört. Seb und ich hatten ihn direkt nach der Aufnahme von „From The Chasms Of Oblivion“ kennengelernt und dann mit ins Bandfoto genommen. Auf „V.o.i.d.“ hat er tatsächlich mitgespielt und jetzt haben wir lange keine Antwort auf nichts mehr von ihm bekommen. Deswegen ist nie eine Fotosession zustande gekommen und jetzt ist das Booklet voll mit Screenshots vom Feuervideo. Der „Bass-Simulant“ in den Videos ist ein Freund von uns aus Berlin, der auch schon ewig in Norwegen wohnt.
Werdet ihr auch Shows spielen, oder ist ASARU heute ein reines Studioprojekt?
Wir sind mal wieder nur noch zu zweit, da ist live spielen schwierig. Wir haben aber in einem kleinen Club in Oslo, wo wir früher auch geprobt haben, des Öfteren zu zweit gespielt. Die Reaktion der Leute war immer die gleiche: Wie können Gitarre und Schlagzeug alleine so einen Radau machen? Ob es wieder Konzerte geben wird, kann ich weder bestätigen noch ausschließen.
Zum Abschluss ein kurzes Brainstorming – was fällt dir ein zu:
Amerika: Spielt mal wieder Weltpolizei
Black Metal: Spaltet, denke ich, nach wie vor die Geister. Was nicht abgrundtief böse ist, ist doch für den richtigen truen Necroblackmetaller Hochverrat.
Spotify: Hat mit YouTube und anderen Plattformen die Musikwelt nachhaltig verändert. Für den, der vom Tonträgerverkauf abhängig ist, nicht zum Positiven.
BEHEMOTH: Haben ihren Erfolg absolut verdient. Kaum eine andere Band aus dem Sektor hat eine so koordinierte Liveshow, so gute Videos und auch die Musik ist recht leicht verdaulich. Zumindest die letzten Songs, die ich von ihnen kenne.
Deutschland: Mit Vollgas auf dem Weg zum Dritte-Welt-Land
Norwegen: Wenn du andere Optionen hast, verbringe lieber so wenig Lebenszeit wie möglich zwischen November und März dort!
ASARU in zehn Jahren: Wenn man so weit vorausplant, kann man wohl davon ausgehen, dass einem das Leben auf die ein oder andere Weise dazwischen kommt.
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Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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