Review Asaru – V.o.i.d.

  • Label: Schwarzdorn
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Black Metal

„True Norwegian Black Metal“ ist im Black Metal das Äquivalent zu „Made in Germany“. ASARU verbinden mittlerweile in gewisser Weise beides: Gegründet wurde die Band 1995 in Deutschland – und zwar als eine der ersten Black-Metal-Bands Südhessens, wie es im Pressetext zum Album stolz heißt. 2007 endete das erste Kapitel von ASARU – festgehalten im erst 2009 veröffentlichten Debüt „Dead Eyes Still See“ –, als Bandkopf Frank Nordmann dem Ruf seines Nachnamens folgte und nach Oslo auswanderte. Dort wiederum gründete er ASARU mit frischen Mitgliedern neu, um mit nun norwegischer Bandbesetzung 2012 „From The Chasms Of Obliveon“ zu veröffentlichen … und ASARU abermals in der Versenkung verschwinden zu lassen.

War schon 2009 nicht mehr mit einem „posthum“ veröffentlichten Debüt oder 2012 mit der Auferstehung zu rechnen, dürfte wirklich niemand den Namen ASARU für einen 2026er-Release auf dem Schirm gehabt haben – zumal die Band über keinerlei aktive Internetpräsenz verfügt. Im wahrsten Sinne aus dem „void“, dem Nichts, meldet sich die Band mit dem Album „V.o.i.d.“ zurück – und das sogar in gleicher Besetzung wie 2012.

Was die Band so lange getrieben beziehungsweise eben aufgehalten hat, bleibt ungewiss. In die Weiterentwicklung ihres technischen Setups oder generell Gear-Nerdtum scheinen Nordmann und Konsorten die Zeit jedenfalls nicht investiert zu haben: „V.o.i.d.“ klingt zunächst erschreckend, aufs zweite Hören aber doch sympathisch „unprofessionell“ (im DIY-Sinne): Im Vergleich zum knackig-transparenten Vorgänger ist das Album merklich leiser, „weicher“ und insgesamt viel weniger differenziert produziert. Schlecht ist das nicht: Nach kurzer Einhörzeit klingt das Album durchaus stimmig – und die Details lassen sich trotzdem wunderbar heraushören. So auch, dass der Klargesang nicht so makellos klingt, wie man das mittlerweile (auch im Black Metal) gewohnt ist. Dass hier wohl ganz bewusst nicht jeder schiefe Ton glattgezogen wurde, verstärkt den DIY-Charakter. Ob Songs wie „Mankind“ oder „Foret Av Verdens Blod“ mit dem unerwarteten „Oh-Oh“-Chor von diesem Experiment profitieren oder ob ASARU mit klassischen Screams besser gefahren wären, hängt vornehmlich davon ab, was man von Black Metal erwartet. Auf der „Fuck-it-Skala“ für gelebte Trueness landen ASARU damit jedenfalls bei „maximal authentisch“.

Auch sonst bieten ASARU mit „V.o.i.d.“ solide Melodic-Black-Metal-Kost: In Sachen Tempo und Stil erfreulich abwechslungsreich arrangiert, haben die Stücke von flottem Riffing mit Thrash-Einschlag über gefällige Midtempo-Parts bis hin zu griffigen Leadgitarren und Soli alles zu bieten, was man in dem Genre erwarten darf. An das Debüt „Dead Eyes Still See“ (2009) kommen ASARU in Sachen Eingängigkeit zwar leider nicht heran – das galt so aber bereits für das zweite und bis zuletzt aktuelle Album „From The Chasms Of Oblivion“. Und wenn man ehrlich ist, haben Bands wie THRON aus Baden-Württemberg ASARU auch längst den Rang abgelaufen.

Dass „V.o.i.d.“ über ein Label erscheint, wirkt fast wie ein Makel: Vom diesmal etwas windschief handgezeichneten Logo über den etwas improvisiert klingenden Sound bis zum durchweg guten, aber eben nicht atemberaubenden Songmaterial schreit dieses Album geradezu „Eigenproduktion!“ Wer ehrlichen Melodic Black Metal ohne Firlefanz sucht, ist bei ASARU darum an der richtigen Adresse. Als Alleinstellungsmerkmal ist das natürlich etwas mau, da es gerade in diesem Genre bekanntlich unzählige Bands gibt, auf die das ebenso zutrifft. Dass ASARU das wohl selbst wissen und trotzdem ihr Ding durchziehen, verdient Respekt. Den eingeschlagenen Pfad konsequent weiterzuverfolgen, ist allerdings nur bedingt ratsam – sonst steht in abermals 14 Jahren ein Rehearsal-Tape mit Kugelschreiber-Artwork ins Haus.

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Wertung: 7.5 / 10

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