Interview mit Apollyon von Aura Noir

Im April veröffentlicht die norwegische Black-Thrash-Legende AURA NOIR nicht nur ihr sechstes Album, sondern damit auch ihr selbstbetiteltes Werk – zumindest fast. Warum das Album „Aura Noire“ heißt, worauf Apollyon besonders stolz ist und was das Werk von seinen Vorgängern unterscheidet, verrät der Schlagzeuger und ehemalige Immortal-Bassist im Interview.

Euer neues Album trägt den Titel „Aura Noire“. Warum „Noire“, nicht „Noir“, wie die Band heißt?
Weil es im Französischen die richtige Schreibweise für „Aura Noir“ ist. Wir wollten die Franzosen glücklich machen und wir konnten uns auch nicht auf einen der Songtitel als Albumnamen einigen.

Warum habt ihr euch dazu entschieden, ein selbstbetiteltes Album zu veröffentlichen – was macht dieses Album so besonders, dass es wert ist, das selbstbetitelte Album zu sein?
Es ist ein bisschen willkürlich, wie ich bereits erklärt habe, aber gleichzeitig ist es das Album, auf dem wir das meiste selbst gemacht haben. Das einzige, was nicht wir gemacht haben, war das Mastering, das von Enormous Door hervorragend ausgeführt wurde. Alles andere haben wir gemacht.

Ganz generell ist es ein recht typisches AURA-NOIR-Album, würde ich sagen. Was macht aus deiner Sicht den Unterschied zu den Alben davor aus?
Diesmal habe ich das Album so produziert, dass der Sound ganz anders ist als bei unseren vorherigen Veröffentlichungen, eher wie eine Version von uns selbst, mit der wir uns wohlfühlen – im Gegensatz zu einigen unserer vorherigen Veröffentlichungen, bei denen wir dachten, dass wir am Ende zu schön oder etwas „falsch“ klangen. Ansonsten gibt es diesmal ein paar Elemente, die wir noch nie zuvor verwendet haben, wie einen eher epischen Song, ein Outro … und die Tatsache, dass wir auf dem ganzen Album nur eine Gitarre haben. Bei den Leads der Gitarre ist darunter nur der Bass. Insofern sticht es alles in allem schon hervor.
Zu den Riffs: Auf unseren ersten Releases haben ich und Aggressor jeweils 50% beigetragen. Auf „The Merciless“ dann ich 65%, Aggressor 30 % und Blasphemer 5%, auf „Hades Rise“ Aggressor 70% und ich 30%, auf „Out To Die“ Blasphemer 55%, Aggressor 40% und ich nur 5% und was jetzt „Aura Noire“ angeht, glaube ich, dass Aggressor 45%, Blasphemer 35%, ich 15% und Tank (unser Live-Drummer zwischen den letzten Alben und unser Albumcover-Künstler) 5% beigesteuert haben. Äußerst interessant: Wenn man die Prozentsätze genau studiert, merkt man, dass dies die größte gemeinsame Leistung ist, die wir je vollbracht haben, also sollte es etwas anders sein … selbst wenn wir ein ziemlich hartes Riff-Regime haben, bei dem nicht jedes Scheißriff ausreicht.

Was den Sound angeht, gibt es mehr Höhen als auf den letzten Platten, was das Album sehr „oldschool“ klingen lässt. War das Absicht, was war hier die Idee und wer ist für den Sound verantwortlich?
Wie gesagt, ich habe das Album so produziert, insofern ist der Sound volle Absicht. Es gibt mehr hohe Mitten und mehr Bassgitarre als je zuvor, auch der Drumsound ist trockener und natürlicher. Ich habe viel getan, um es so klingen zu lassen, wie ich es will, aber nicht in Bezug auf die Bearbeitung der Aufnahmen oder den Versuch, es „perfekt“ klingen zu lassen. Eher das Gegenteil: Das Ziel war, dass es möglichst rau klingt, und man aber trotzdem alle Instrumente hört. Die eigentlichen Aufnahmen waren in der Tat nicht allzu großartig, insofern hätte es, selbst wenn ich es gewollt hätte, nie wie „Ride The Lightning“ klingen können, ohne wirklich viel zu betrügen. Das nächste Mal wird es wahrscheinlich wieder anders klingen. Aber ich mag, dass es dieses „Live-Feeling“ hat.

Das Cover sieht sehr dunkel und schön aus, ist aber nicht in dem typischen „Metal-“ oder „Thrash-Style“ gehalten. Warum ist es trotzdem das perfekte Kunstwerk für „Aura Noire“?
Tank von Obliteration und Black Magic hat das Cover für uns gemacht, er hat seit „Out To Die“ bis 2017 bei uns getrommelt, ist seit er jung war Fan in der Band, ist ein talentierter Mann in den meisten Bereichen und hat eine qualifizierte Meinung darüber, wie wir klingen und aussehen sollten. Wir hatten nie großartige Cover, aber dieses ist wahrscheinlich eines der passendsten.

Gibt es eine Verbindung zwischen dem Titel, den Texten und dem Bild?
Ich schätze schon. Es sollte zumindest eine geben.

Worum geht es bei den Texten im Allgemeinen, gibt es ein zugrundeliegendes Konzept?
Aggressor hat diesmal alle Texte geschrieben, sie sind da, um die Lieder zu unterstützen, es ist also viel Dunkelheit im Spiel. Seine Texte sind meist recht poetisch. Das kann abstrakt sein oder nur Emotionen oder lyrische Landschaften transportieren. Schwer zu erklären. Ich mag sie trotzdem.

Ihr habt in letzter Zeit ein paar Shows gespielt, zum Beispiel beim Dark Easter Metal Meeting in München. Wie fühlt es sich an, wieder auf der Bühne zu stehen, werden weitere Konzerte folgen oder vielleicht auch eine ganze Tour, um „Aura Noire“ zu promoten?
Ja, wir haben schon angefangen, schätze ich. Wir haben sieben Shows in Europa nach der Veröffentlichung gespielt. Nächste Woche geht es nach Singapur, Australien und Neuseeland. Dann kommen ein paar Festivals in Europa, bevor wir im Dezember nochmal eine kleine Europatour spielen.


Vielen Dank für das Interview. Zum Abschluss ein kurzes Brainstorming:
Norwegen:
Lachs
Slayers Abschiedstour: Vielleicht der richtige Schritt. Das ist eine Band, in der man vollkommen fit sein muss, um das live zu spielen. Ich fand Gary Holt eine gute Ergänzung, aber na ja … niemand kann Dave Lombardo wirklich ersetzen und der könnte wahrscheinlich auch nicht bei Slayer Schlagzeug spielen, bis er 70 ist. Außerdem schätze ich, dass Tom Araya Rückenprobleme hat, die ihn daran hindern, sich beim Spielen zu bewegen. Musikalisch haben sie mich wohl schon  vor einer ganzen Weile verloren, auch wenn sie nicht wirklich „schwach“ geworden sind. Das letzte Album, das ich gekauft habe, war „Seasons In The Abyss“. Aber alles in allem eine weise Entscheidung und definitiv eine Karriere, auf die man stolz sein kann. „Hell Awaits“ hat mich in diese Szene gebracht.
Festivals: Liebe ich / hasse ich … zu spielen / als Fan hinzugehen
Dein aktuelles Lieblingsalbum: Habe ich nicht wirklich …
AURA NOIR in zehn Jahren: Noch älter und hässlicher. Vielleicht noch aktiv, vielleicht auch nicht.

Vielen Dank für deine Zeit und Antworten!