Interview mit Tobias Sammet von Avantasia

Tobias Sammet hat mit „Moonglow“ kürzlich sein neuestes Werk aus dem Hause AVANTASIA veröffentlicht und steckt mitten in den Vorbereitungen auf die „Moonglow World Tour“. Trotz allem Termindruck, hat sich Tobias die Zeit genommen und einige unserer Fragen beantwortet. Unter anderem gibt er Einblick in die Arbeiten am Album, in die Gestaltung des Artworks und er erzählt, was er so an seiner Radioshow schätzt.

Zunächst vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst und herzlichen Glückwunsch auch zur Veröffentlichung von „Moonglow“. Das Album ist wirklich mehr als gelungen. Wie waren denn die ersten Reaktionen von Fans und Presse?
Danke für das Interesse und den Support. Bitte habt Verständnis, dass ich momentan nicht dazu in der Lage bin, alle Fragen zu beantworten. Es stürzt aktuell sehr viel auf mich ein, mit all den Interviews und mit den Vorbereitungen für die Tour. Wir sind von Null auf Platz 1 der Charts gegangen – ich glaube, damit ist alles zu den Reaktionen gesagt.

Hast du damit gerechnet, dass „Moonglow“ gleich so einschlägt?
Nein, wie soll man das erwarten. Man schreibt die Musik und hofft, dass die Fans es genauso gut finden wie ich. Alles andere ist von zu vielen Faktoren abhängig.

Mit Hansi Kürsch, Mille und Candice Night hast du wieder neue Sänger/innen an Bord geholt. Vor allem bei Mille musste ich nach dem letzten Wacken-Auftritt von AVANTASIA schon sehr schmunzeln. Kannst du uns erzählen wie der Kontakt zustande kam und inwiefern der Auftritt beim Wacken vielleicht eine Rolle gespielt hat?
Mit Hansi und Mille bin ich schon seit 20 Jahren befreundet. Sie sind alte Freunde und es war mir ein Bedürfnis, sie irgendwann bei AVANTASIA begrüßen zu dürfen. Allerdings musste auch das Timing und das Songmaterial passen.

Über Hansi hast du kürzlich bei Facebook geschrieben, er habe dir viele Dinge in Bezug auf Arrangements, Chöre und das Business beigebracht. Wie lange kennt ihr euch schon und inwiefern hat er dich in Bezug auf AVANTASIA vielleicht auch inspiriert?
Wie oben bereits gesagt, kennen wir uns schon eine lange Zeit und natürlich hört man sich auch die Songs der Freunde an.

Die dritte Neue im Bunde ist die bezaubernde Candice Night. Wie kam die Zusammenarbeit zustande und wird man sie vielleicht auch bei den kommenden Liveshows öfter sehen, da Amanda Somerville ja leider nicht mehr dabei sein wird?
Als ich „Moonglow“ schrieb, hatte ich nur eine bestimmte Stimmfärbung im Kopf und als der Song dann fertig war, habe ich Candice gefragt, da ich meinte, sie hätte die richtige Stimme für genau diesen Song. Bezüglich der Zusammenarbeit, habe ich dann ganz professionell über das Management angefragt.

Eine weitere Frage, die sich bei AVANTASIA immer stellt. Ist „Moonglow“ ein Konzeptalbum und, wenn ja, welches Konzept steckt hinter den Songs? Vielleicht möchtest du ja einen Hinweis abgeben, ohne zu viel zu verraten.
Mir ist es bei den Songs und Konzepten wichtig, Dinge zu verarbeiten, die mir aus der Seele sprechen. Grundsätzlich zieht man die Inspirationen hierfür aus allem, was um einen herum passiert. Ich halte die Welten und die klassischen Autoren der Schwarzen Romantik für einen perfekten Rahmen, um die Geschichte eines Wesens zu erzählen, welches in eine Realität hineingeschaffen wird, in der es jedoch keinen Platz zu finden scheint. Ich habe auch manche Dinge verarbeitet, die mit Erwartungshaltungen zu tun haben, die man nicht erfüllen kann, wenn man seinen eigenen Weg gehen möchte.

Ich habe das Glück, das Artbook in Händen zu halten, wodurch das aufwendige Cover und Booklet nochmals deutlich besser zur Geltung kommen. Wer zeichnet sich hier für die Umsetzung verantwortlich und inwiefern hatte der Künstler freie Hand bei der Gestaltung?
Das Artwork wurde von einem schwedischen Künstler entworfen, den ich kontaktiert habe, nachdem ich seine Bilder im Internet gesehen habe. Ich finde sie schön, grotesk und fantastisch zugleich. Ich gab ihm also ein paar Texte und vermittelte ihm, welche Stimmung das Artwork haben sollte. Er kam dann mit der Skizze und daraus entstand das jetzige Cover.

Wie bist überhaupt an die Arbeiten zum Album herangegangen? Hast du zunächst die Lyrics zum Konzept ausgearbeitet oder hast du dich erst mit der musikalischen Ausrichtung beschäftigt?
Das geht Hand in Hand und daher gibt es keine feste Reihenfolge. Meine Arbeit ist ein kontrolliertes Durcheinander. Man hat ein Konzept im Hinterkopf, welches sich über Monate entwickelt und ich bin sowieso konstant am Komponieren. Ich spiele oft eine Melodie am Klavier und manchmal ist etwas Schönes dabei, das ich dann aufnehme. Das Konzept beeinflusst zwar die Musik, aber meistens habe ich zuerst die Musik fertig, bevor ich an den Feinschliff der Lyrics gehe.

Inwiefern hast du schon bestimmte Künstler/Sänger im Kopf, wenn du an einem Song schreibst? Zum Beispiel hat mich der Titeltrack sehr überrascht. Als ich las, dass Candice Night in dem Song singt, habe ich etwas deutlich Ruhigeres erwartet.
Oft, aber nicht immer, habe ich schon jemanden im Kopf. Vor allem wenn ich für Michael Kiske oder Bob Catley schreibe, ist das sehr inspirierend und ich habe deren Stimmen bereits im Ohr. Auch im Fall von Geoff Tate war das so. Oft hat man auch nur eine bestimmte Stimmfärbung im Ohr und hinterher sieht man, welcher Sänger zu welchem Song passen könnte.

Als erste Single hast du „The Raven Child“ gewählt. Wie ist es dazu gekommen, denn immerhin ist der Song ja keine typische Single?
Ich wollte einen Song auskoppeln, der den Fans eine Idee davon gibt, wie sich das neue Material anfühlt und anhört und „The Raven Child“ schien mir einen guten Eindruck vom Material zu machen. Denn wie das ganze Album, so ist dieser Song leise und laut, hat keltische Elemente, fette Chöre, schnelle und langsame Passagen und braucht Zeit und Hingabe, um ihn zu erfassen.

„Moonglow“ scheint auch wieder in sich geschlossener zu sein als noch der Vorgänger. Ist diese Entwicklung dem Konzept geschuldet oder wolltest du dich dieses Mal grundsätzlich nicht mehr auf größere Experimente wie noch auf „Ghostlights“ einlassen?
Der einzige Unterschied kann nur sein, dass ich mich nicht habe drängen lassen. Ich habe das Ganze mit großer Entschleunigung gemacht.

Neben AVANTASIA und Edguy hast du seit einiger Zeit auch eine Beschäftigung beim Radio gefunden. Welchen Einfluss hat deine Arbeit dort auf deine musikalischen Einflüsse und wo kann man die Show hören?
Überhaupt keine. Ich genieße es einfach, mich mit meiner Plattensammlung auseinanderzusetzen.
Es ist, als ob ich Freunden ein paar meiner Lieblingsplatten empfehle, ein paar Anekdoten erzähle und welche Einflüsse oder Treffen mit einem meiner „Helden“ Einfluss auf mein Schaffen mit Edguy oder AVANTASIA hatte. Radio Bob ist da echt ein sehr cooler Sender.

Damit wären wir am Ende des Interviews angelangt. Ich möchte mich nochmals für deine Zeit bedanken und wünsche viel Spaß auf der Tour. Die letzten Zeilen gehören dir.
DANKE für all den Support, danke für die Unterstützung, DANKE für die No. 1 der deutschen Charts. Danke an alle Fans und an alle Journalisten und Medien, die meine Musik würdigen und mich sehr glücklich machen. Ich sehe euch auf Tour!

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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