Avantasia A Paranormal Evening with the Moonflower Society Coverartwork

Review Avantasia – A Paranormal Evening With The Moonflower Society

Welcome to „A Paranormal Evening With The Moonflower Society“ – ein ganz schön langer Albumtitel. Tobias Sammet war vor allem mit AVANTASIA aber eh selten darum bemüht, sich kurz zu fassen, gerade daher passt das gut.  Das inzwischen neunte Album folgt auf das bisher wohl erfolgreichste der AVANTASIA-Geschichte, „Moonglow“ (2019).

Bereits „Moonglow“ ging etwas weg von pompösen Epen mit teilweise verworrenen Songstrukturen. Eine Art Rückbesinnung auf die alten Tage mit eingängigeren Stücken und mehr Power Metal hat sich also schon abgezeichnet. Genau diesen Weg geht Sammet nun auf „A Paranormal Evening With The Moonflower Society“ weiter – sogar so weit, dass die „The Metal Opera“-Wurzeln wieder deutlich hörbar sind und viele der Songs den Speed-Metal-Anstrich der frühen 2000er Jahre haben.

Wie schon auf „Moonglow“ öffnet Dirigent Sammet den Vorhang zur skurrilen Theaterbühne höchstselbst und trägt den Opener „Welcome To The Shadows“ alleine vor. Mit viel Atmosphäre, leisen Strophen und einem mächtigen, theatralischen Refrain mitsamt dicken Chören gelingt AVANTASIA ein perfekter Einstieg: Durch Sammets Solo-Auftritt kommt man als Hörer gemütlich in das Album rein, bekannte Klänge und die liebgewonnene Stimmung der vorherigen Alben wird behutsam aufgebaut.

Der fantasievollen Vorführung wohnen aber nicht nur die verschrobenen Gestalten des Coverartworks bei, sondern wie gewohnt auch wieder mehrere illustre Gastsänger. „The Wicked Rule The Night“ ist nicht nur der härteste Track der Platte, sondern auch das AVANTASIA-Debüt von Primal-Fear-Frontmann Ralf Scheepers. Die direkte und recht schnörkellose Ausrichtung dürfte Fans der ersten beiden Alben besonders freuen. Nightwish-Sängerin Floor Jansen darf sich nun ebenfalls zur AVANTASIA-Familie zählen und sich gleich bei zwei Songs beweisen: Das unverschämt locker-leichte „Kill The Pain Away“ und die starke Halbballade „Misplaced Among The Angels“ sind überragende Nummern, die Duette mit Sammet sorgen für Gänsehaut. Jansen singt dabei etwas geerdeter als bei Nightwish und begeistert mit ihrer poprockigen Stimmlage.

Natürlich dürfen im Imaginarium auch alte Bekannte beim Familientreffen nicht fehlen: Bob Catley (Magnum) und Michael Kiske (Helloween) sind bereits seit den „The Metal Opera“-Anfängen dabei; Sänger wie Jorn Lande, Eric Martin (Mr. Big) oder Ronnie Atkins (Pretty Maids) gehören inzwischen ebenfalls fest zum AVANTASIA-Inventar. Sammet beweist bei allen Sängern wieder sein enormes Songwriting-Talent: Die Gute-Laune-Speed-Nummer „The Inmost Light“ steht Kiske perfekt, Martin kann sich beim poppigen „Rhyme And Reason“ entfalten und Landes charakteristische, raue Stimme kommt in den hardrockigen Momenten bei „I Tame The Storm“ und „Arabesque“ besonders zur Geltung.

Das pompöse, vielschichtige „Arabesque“ ist mit seinen zehn Minuten eine Ausnahme auf „A Paranormal Evening With The Moonflower Society“ und mit Abstand der längste Song. Alle anderen Tracks kommen untypischerweise auf Laufzeiten zwischen gerade mal dreieinhalb und fünf Minuten. Allein das zeigt schon, dass AVANTASIA sich nun mehr auf knackige, leicht konsumierbare Songs fokussieren. Die in sich verworrenen Melodien, langen Passagen und ausufernden Orchestrierungen wurden tatsächlich stark zurückgefahren – irgendwann kann man aber auch einfach nicht noch epischer werden.

Die Platte ist durch die bedachte Konzentration auf den Kern der Musik wundervoll durchhörbar und erzeugt eine wohlig-warme Feeld-good-Atmosphäre. „A Paranormal Evening With The Moonflower Society“ ist einfach eine schöne Stunde Power Metal zum Abschalten, Träumen und Genießen. Auch wenn Orchester, Chöre und Theatralik nach wie vor omnipräsent sind, ist es das direkteste und „kleinste“ AVANTASIA-Album seit 20 Jahren. Einfach ein wundervolles, abwechslungsreiches und glücklich machendes Hörerlebnis, das bei jedem Durchlauf erneut Freude bereitet.

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Wertung: 9 / 10

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5 Kommentare zu “Avantasia – A Paranormal Evening With The Moonflower Society

    1. Da unsere Reviews über den Releasetag hinaus online sind, aber dieses Datum nur bis zu seinem Eintreffen von Relevanz ist, erwähnen wir in unseren Texten keine Releasetermine – wann ein Album erscheint, lässt sich ja fix googlen, wenn einen das Album interessiert – zumal in Zeiten von Pre-Release-Streams, Vorbestellmöglichkeiten etc. das konkrete, reale Release-Date eigentlich nicht mehr gar so relevant ist.

      1. Gerne doch.
        Bin auch nicht so vertraut mit Avantasia aber verfolge dafür Kai Hansen schon seit den ersten Helloween Albums.

        viele gruessle
        Paddy

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