Interview mit Captain Planet

Mit ihrem vierten Album „Ein Ende“ haben CAPTAIN PLANET ein weiteres Mal ihre Stellung ganz weit oben im deutschsprachigen (Indie-)Punk zementiert. Vor ihrem Auftritt in München haben wir bei einem gepflegten Bier mit den fünf Musikern über ihre Verbindung zum Metal, über die emotionale Seite von Musik gesprochen und erfahren, was ihre Schüler davon halten, wenn die ihre Lehrer als Punkrocker sehen.

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Nachdem wir hier mit unterschiedlichen Bieren sitzen: Was sagt man als Hamburger zu Augustiner Pils?
Benni: Ich find das ganz schön herb. Ich weiß aber nicht wieso, weil wir trinken ja sonst nur Jever oder sowas. (lacht) Du trinkst ja jetzt Helles, das ist ja wahnsinnig süß und süffig. Aber ich hab so Angst, wenn das große Flaschen sind, weil man das ja leicht aus dem Blick verliert. Es gibt ja so nen Bieräquator: Im Norden gibt es überwiegend kleine Flaschen; also schon auch große, aber die Leute trinken eher aus kleinen Flaschen. Und dann gibt’s so ne Grenze in Deutschland, da gibt’s dann nur noch große Flaschen.

Bleiben wir neben dem Unterschied im Biergeschmack bei unterschiedlichen Zugangsweisen: Wie ist als Punkband eure Verbindung zu Metal?
Arne: Wir haben mal auf einem Metalfestival gespielt, auf dem Mach1; das ist schon ein bisschen her. Da haben unter anderem Sepultura gespielt und noch eine Band, The Black Dahlia Murder. Alter, das war so krass, wie die abgeliefert haben, das war so megaschnell, unglaublich technisch. Das hab ich mir dann mal runtergeladen und versucht, das anzugehen. Das ist wie so ein Buch, das man eigentlich immer lesen möchte, das geil ist, aber wo man nie so richtigen Zugang findet.
Benni: Wie James Joyce – Ulysses, das fängt man und dann versteht man nix.
Basti: Was man noch geil hören kann, sind ja Iron Maiden, eigentlich. Hör ich jetzt auch nicht täglich, aber die haben auf jeden Fall ziemlich viele geile Lieder.
Benni: Ich war letztens mit Renke bei Blind Guardian in Hamburg, das war der Wahnsinn. Ich hab da über meinen Bruder noch Platten zu Hause, der hat früher diese ganzen Sachen gehört, Blind Guardian, Helloween…
Arne: Helloween kommen ja bekanntlich aus Hamburg, und aus einem ihrer hunderttausend Fullstacks, die die auf der Bühne haben, ist eine 4x12er Box irgendwann bei Benni gelandet. (lacht)
Benni:
Für unsere letzte Platte haben wir im Horus Studio das Schlagzeug aufgenommen, das ist in Hannover. Da haben zum Beispiel auch Running Wild, Helloween und solche Bands aufgenommen. Das heißt, eigentlich sind wir eine Metalband. (lacht) Und manchmal, wenn wir in irgendwelche Städte reinfahren, hören wir „River Runs Red“ von Life Of Agony. Pantera darf man ja jetzt nicht mehr hören…
Arne: Damals ging das, da waren wir 13, 14. (lacht)

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Fotocredit: Christian Bendel / http://www.christianbendel.com/

Vom Metal zurück zum Punk: Glückwunsch zu eurem neuen Album! Ihr habt euch dazu entschieden, „Ein Ende“ ohne großen Promovorlauf zu veröffentlichen – ähnlich wie Beyoncé und Radiohead kurz vorher. Was waren eure Überlegungen hinter dieser Veröffentlichtungspolitik?
Marco: Ach das war gar nicht unsere Idee?
Benni: Scheiße, wir dachten, wir würden da was wahnsinnig Neues machen. (lacht) Das war eine ganz bewusste Entscheidung, dass wir uns dieses ganze häppchenweise ankündigen und Aufmerksamkeit generieren sparen, und einfach versuchen zu sagen: „Hey, hier ist ein erster Song und in zwei Wochen kommt die Platte raus.“ Für uns war das cool, weil wir nicht überlegen mussten, was man für wahnsinnig belanglose Sachen macht, die man posten kann. Das war dieses Mal ganz natürlich. Wir haben halt gesagt, wir machen Musik und machen jetzt ne Platte und die kommt dann halt raus. Das hat ja auch funktioniert, ich weiß auch nicht wieso.
Arne: Radiohead und Beyoncé müssen sich über sowas ja gar keine Gedanken machen. Ich glaub aber, in unserer Größe kommt das schon nicht so häufig vor.
Benni: Im Hip Hop gibt es das, aber ansonsten ist das ja eher rar geworden.

Dieses Mal findet sich keine Wasseranspielung im Titel und auch optisch sieht „Ein Ende“ ganz anderes aus als eure bisherigen Veröffentlichungen. Könnt ihr ein bisschen darüber sprechen?
Benni: Also das Cover stammt wie immer von Marko.
Marco: Ich kann dir jetzt auch nicht sagen, wie das genau gekommen ist. Ich hab das gemacht, was mir eingefallen ist und das sah dieses Mal anders aus als beim letzten Mal. Das war jetzt keine bewusste Entscheidung. Ich hab lange rumprobiert, auch mit so illustrativem Kram, aber das kann ich nicht so gut und war nicht zufrieden. Irgendwann hab ich dann das Foto gemacht und gemerkt, dass es das ist.
Benni: Vom Titel her: Man muss ja nicht auf allem so lange rumreiten. Wäre uns jetzt ein Titel eingefallen, der sich da total eingereiht hätte, dann hätten wir vielleicht auch das genommen. Aber irgendwie kam das nicht. Dann kam der Titel und ich finde, der hat Kraft.
Marco: Ich hatte tatsächlich auch Coverentwürfe, die was mit Wasser zu tun hatten, aber die hab ich noch nicht mal jemandem gezeigt.
Benni: So ein untergehendes Schiff im Sonnenuntergang, wahrscheinlich. (lacht)

Captain Planet - Ein EindeLetztes Mal habt ihr gesagt, dass „Treibeis“ eine wütende Platte war. Wie würdet ihr im Vergleich „Ein Ende“ charakterisieren?
Benni: Das Erste, was mir spontan in den Kopf kommt, aber ich weiß nicht wieso: Eine aufgeräumte Platte.
Arne: Vielleicht vom Sound her aufgeräumt, aber stimmungsmäßig? Ich finde, es knüpft bei „Treibeis“ an. Von der Stimmung her ist es eine Mischung. Ich fand die „Treibeis“ im Vergleich zur „Inselwissen“ einen Riesenschritt. Ich finde auch immer noch, wie ich damals gesagt hab, dass das eine zornigere Platte ist. Und die Neue jetzt ist so ein bisschen was dazwischen. Das Beste von allem.
Benni: Das Beste aus allen Welten. (lacht)
Arne
: Thematisch ist es eine ernste Platte, nachdenklich…
Benni: Ja, total. Es ist weniger wütend, eher nachdenklich. Vom Songschreiben hat sich auch wenig verändert, aber schon in der Art, wie wir aufgenommen haben. Wir haben mit zwei Produzenten zusammengearbeitet, die das Ganze aufgenommen haben.
Arne: Hauke Albrecht, mit dem wir die anderen Alben gemacht haben und Olman Viper, den wir auch schon ganz lange kennen. Der hat auch ein Studio in Hamburg und noch einmal einen anderen Blick auf unsere Musik.
Benni: Und die beiden sind auch dicke Freunde und haben sich dann zusammen getan und einen anderen Zugang gefunden. Ich glaube, so hat sich nochmal ein bisschen was verschoben. Es ist ein bisschen größer geworden vom Sound her, nicht mehr das kompakt Rumpelige. Dadurch wird es auch immer ein bisschen glatter, klar. Da ist schon eine massive Veränderung.

Haben sich die Songs durch diesen Einfluss auch strukturell nochmal im Studio verändert?
Arne: Ne, das war schon vorher fertig. Im Studio war das dann nur noch der Versuch, alles vom Sound her richtig geil rüber zu bringen. Also, dass man die Stelle nochmal anders machen könnte, da hat man hat dann so drei vier Sounds vorbereitet und dann wird überlegt, mit welcher Gitarre wird gespielt, sowas eben. Am Song selber ändert sich nix mehr.
Benni: Die Frage ist: Wie spielt man das, das ist ja das Entscheidende. Man kann nen Song auch total tot spielen. Es gab ja gerade im Metal eine Phase, in der die Bands versucht haben, alles Leben aus den Alben rauszumischen, total dick produziert, aber halt leblos. Wir wollen Emotion rüberbringen, die funktioniert auch durch Krach zwischendurch, durch halbgar drüberspielen, dadurch, dass sich Sachen auflösen und dann wieder zusammenfinden. Da haben die zwei ein gutes Ohr bewiesen, wenn sie meinten, dass das schon gut war, aber eben noch ein bisschen mehr ging.

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Fotocredit: Christian Bendel / http://www.christianbendel.com/

Nehmt ihr denn live auf?
Benni: Ne. Also ich hätte total Lust drauf, das mal zu machen. Aber da muss man ein halbes Jahr drei Mal die Woche proben und dann zwei Wochen nochmal zusammenspielen, dann drei Wochen ins Studio und alles einkloppen– und die Zeit haben wir einfach nicht. Was ein bisschen schade ist, weil ich total gespannt wäre, was da rauskommen würde.
Arne: Einmal haben wir das gemacht, einen Song. Das war hart genug.
Benni: Das war doch total geil!
Arne: Gesang kam eh danach drauf, von daher… (lacht)

Basti ist ja live direkt nach „Treibeis“ an der Gitarre eingestiegen, jetzt seid ihr auch im Studio zu fünft. Hat sich dadurch nochmal etwas geändert?
Basti: Das ist alles ganz entspannt. Wir haben halt eine Gitarre mehr und dadurch auch mehr Möglichkeiten. Die zweite Gitarre ist das Fundament, die dritte Gitarre kommt oben drauf. Das hat sich alles ganz automatisch eingefügt. Ich dachte auch am Anfang, dass ich mich vielleicht gar nicht einbringen muss, weil die Ideen vorher ja auch schon gut waren.
Marco: Wir haben neulich mal wieder zu viert geprobt, weil Basti unterwegs war – und das war Scheiße. Da haben wir gemerkt, dass das gar nicht mehr ohne ihn geht.
Benni: Wir kannten uns ja auch schon lange vorher. Das muss ja menschlich gut zusammengehen, das ist ja das Entscheidende, dann kann man das auch zusammen vernünftig machen.
Arne: Das hat ungefähr zwei Proben gedauert, bis Basti unabkömmlich war.
Benni: Weil wir die Hälfte der Songs schon wieder vergessen hatten. (lacht)

captain-planet-treibeisWas war die ursprüngliche Intention dahinter, noch jemanden in die Band zu holen?
Arne: Das ging von mir aus. Ich bin damals bei den „Treibeis“-Aufnahmen mit dem Fahrrad nach Hause gefahren und hatte die Rough-Mixes auf den Ohren. Das war dann schon alles tight und gut am Platz. Ich weiß nicht mehr welcher Song das war, den fand ich schon geil, aber hab mir daran überlegt, wie ich das live gleichzeitig spielen soll. Da hätte ich richtig viel Zeit investieren müssen, die ich einfach nicht hatte. Es ist bei uns immer die Frage, wieviel Zeit man hat, die man neben dem Alltag in die Band investieren kann. CAPTAIN PLANET ist für uns alle ein Hobby, das muss man ganz klar sagen. Der Gesang und das Instrumentale sind damals unabhängig voneinander entstanden, daher hatten wir das auch nicht zusammen eingeübt. Dann meinte ich, dass es halt geil wäre, einen Gitarristen zu haben, der mal einen Part spielt und ich singe und spiel Overdubgitarre. Da hatte ich dann direkt Basti im Kopf und es war auch klar, dass Basti das macht, oder alles bleibt wie es ist. Basti meinte dann, dass er das macht, und das war vor vier Jahren.
Basti: Ich glaub, der Mucke hat das schon gut getan, auch den Konzerten. Ich weiß das nur aus Backgroundsachen, aber es ist halt auch schwer als Sänger gleichzeitig Gitarre zu spielen und geil zu singen. Insofern: Klar ist das eine Verbesserung.

Letztes Mal habt ihr im recht kleinen Kafe Marat gespielt, davor im größeren Café Muffathalle, ihr wart mal im sehr überschaubaren Sunny Red – das sind ja alles sehr unterschiedliche Größen. Spielt ihr bewusst in unterschiedlichen Clubs?
Benni: Wir spielen ja eine bunte Mischung aus Läden, vom AZ oder Club bis zu kleineren Hallen. Gerade das Maratkonzert in München fand ich großartig, weil das so direkt und schwitzig war, Muffathalle war dann so steril, da kam keine Atmosphäre auf – insofern muss man immer mal kucken, wie das zusammenpasst. Das liegt bei uns auch an den Städten. In Köln und Berlin kommen 500 Leute, dann gibt’s Städte, da kommen 150. Das bedingt dann eben auch die Läden. Gleichzeitig muss es sich aber auch gut anfühlen. Clubs zu spielen, wenn man zu den Veranstaltern keinen Draht hat, das braucht eigentlich keine Sau.

Merkt ihr auch bei den Shows, dass ihr mit den letzten Alben erfolgreicher wart und mehr Aufmerksamkeit bekommt?
Benni: Das ist das Geile bei uns, finde ich. Wir haben am Anfang die 7“ rausgebracht und es war dann so, dass mit jedem Konzert wieder ne Handvoll mehr Leute gekommen sind, und das ist immer noch so. Und ich glaube, wir sind alle saudankbar dafür, dass das so ist. Ich glaube, es würde sich auch komisch anfühlen, wenn da nur noch 30 Leute kommen, aber das kennen wir ja auch. Das haben wir über Jahre gemacht und das würde nichts daran ändern, dass wir das weitermachen. Da sind aber keine Sprünge drin, sondern das ist über die Jahre so entstanden. Auf dieser Tour waren alle Läden ziemlich voll, auch unter der Woche.
Marco: Auch heute in München, das war erst eher schleppend, aber die letzten zwei Tage hat der Vorverkauf dann echt gut angezogen.

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Fotocredit: Christian Bendel / http://www.christianbendel.com/

Wie ist es jetzt mit der Setlist für die Shows, nachdem ihr noch ein Album mehr habt? Fokussiert ihr euch stärker auf neue Lieder und gibt es alte Nummern, die ihr einfach nicht mehr hören könnt und nicht mehr spielen wollt?
Benni: Es ist eher so, dass wir manche Sachen einfach nicht mehr spielen können. (lacht) Ich finde das bei Konzerten total geil, von allen Platten Sachen zu spielen. Man hat ja auch Songs, die einem am Herzen liegen, daher wird es mit jeder Platte schwieriger zu sagen, welche Nummer man rauslassen soll. Wir spielen daher immer nur ne Handvoll neuer Songs und mischen das durch.
Marco: Wirklich von jedem Tonträger.

Ihr habt ja auch schon ein paar 7“-Singles gemacht, auch mit anderen Bands zusammen. Gibt es denn noch Bands, mit denen ihr in Zukunft sowas machen wollt?
Benni: (als gerade der Gitarrist der Supportband Salamanda vorbeikommt, die als Support mit auf Tour waren) Mit Salamanda wäre doch geil, am besten Songs gegenseitig covern. (alle lachen) Klar, es gibt saucoole Bands. Mit Matula haben wir halt super viel zusammen gemacht, wir haben auch eine 7“ mit duesenjaeger. Aber wir sind ja nie als Support durch die Gegend gedüst, sondern haben das immer alleine gemacht, daher ist jetzt nicht die Ansage, dass es eine Band gibt, die uns da total viel bringen würde. Aber klar, dass wir super viel geile Bands kennen und kennenlernen, und vielleicht machen wir mal wieder was.
Marco: Wenn mal wieder jemand Bock hat.

Könntet ihr euch denn auch Supportshows vorstellen?
Marco: Es gibt bestimmt Bands, mit denen man gerne zusammenspielen würde. Aber das ist halt nicht die Frage danach, wie sinnvoll das ist, sondern halt eher eine persönliche Sache. Wenn Samiam fragen würde, dann wäre ich sofort dabei. (lacht) Wir hatten schon relativ viele Anfragen, und wir haben wirklich alles abgelehnt
Benni: Es macht glaub ich Sinn, wenn man versteht, dass wir das alles deswegen machen, weil uns das allen total viel Spaß machen soll. Und deshalb ist das so, dass die Läden immer andere sind, dass man auch mal große Festivals mitnimmt und sich das anschaut, und dann spielt halt mal als Support irgendwo und schaut sich das an. Eher so: „Oh, mit dem hätte ich Lust, mal nen Abend zu verbringen.“
Marco: Also das ist überhaupt nicht dieser strategische Gedanken, von wegen Fanbase ausbauen oder sowas, sondern echt eher, dass man mal gemeinsam ein Bier trinken will. Oder dass man eh auf das Konzert wollte. (alle lachen)

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Fotocredit: Christian Bendel / http://www.christianbendel.com/

Ich habe mit vielen Bands aus dem Punkbereich geredet, und glaube, dass es derzeit mehr Aufmerksamkeit für deutschsprachige Rockmusik gibt und mehr Leute zu den Shows kommen als noch vor ein paar Jahren. Seht ihr das auch so?
Benni: Ja, ich glaube schon. Wer hätte denn vor zehn Jahren gedacht, dass zu klugem deutschen Punkrock wie Turbostaat auf einmal mehr als tausend Leute kommen? Das verändert sich. Aber gleichzeitig hab ich das Gefühl, dass da viel in einen Topf geworfen wird. Gitarrenmusik mit deutschen Texten ist ja nicht immer gleich. Aber du hast vollkommen recht: Das spricht derzeit mehr Leute an. Aber wir verweigern uns auch seit Jahren bei so Förderungsgeschichten für deutschsprachige Musiken, das ist totaler Quatsch. Es scheint einfach zugänglicher geworden zu sein. Wir haben das ja auch nicht angefangen. Dazu kommt halt, dass es jetzt auch professioneller geworden ist. Das wirkt auch nicht nur so, sondern das ist auch so. Manche Bands reizen das schon ganz schön aus, wieviel Stadionrock da jetzt drin sein muss. Es geht da auch gar nicht um spezielle Bands, aber es ist schon auffällig. Manche Shows könnten mehr authentisches Leben vertragen und weniger Rockstarposen und weniger dicke Produktion.
Marco: Was zum Beispiel zugenommen hat ist, dass jede Pupskapelle ein unglaublich großes Backdrop hat. Mitte der 90er war das mal hip, dann ist das zum Glück wieder abgesackt, aber jetzt ist es noch größer. Wir haben auch zum Spaß versucht, einen Banner zu entwerfen, aber das sah so scheiße aus, dass wir das dann gelassen haben. (lacht)
Benni
: Wir haben mal eins gemalt für ein Festival, so ein DIN-A3-Blatt. Aber NoFX machen das ja auch seit Ewigkeiten, das ist ja auch nix Neues.
Marco: Wir waren auf einem kleinen Punkrockfestival und waren wirklich die einzige Band, die kein Backdrop hatte.

Wie war es denn generell auf den Festivals?
Benni: Ich fand das geil. Da sind die Shows ja oft undankbar, gerade wenn es noch hell ist, wenn man auf größeren Bühnen steht und sich alles verteilt… Ich fühl mich am wohlsten, wenn das klein und gedrungen ist. Also groß und gedrungen geht auch, aber… (alle lachen) Das Wichtige ist, dass eine Beziehung hergestellt wird, dass Gefühl, dass man das zusammen macht, dann funktionieren wir am besten. Aber es ist schon auch geil, dass man sich nachmittags Lagwagon anschaut und abends dann spielt. Da freut man sich als Skatepunker schon ziemlich.

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Fotocredit: Christian Bendel / http://www.christianbendel.com/

Ihr habt ja schon gesagt, dass ihr die Band nur als Hobby macht, Benni und Arne, ihr seid Lehrer – wie kommt CAPTAIN PLANET denn in euren Jobs an?
Benni: Ach, die Schüler bekommen das ja immer irgendwie mit, das ist ja alles im Internet, das ist nicht schwer zu finden. Aber die finden das glaub ich ganz lässig. Es gab mal ein Video, in dem Arne und ich einen Song unplugged spielen. Da hat dann ein Schüler drunter geschrieben: „Jeder darf mal cool sein.“ Die denken sich, dass das schon ok ist, da sind auch mal Schüler von mir in die Rote Flora gekommen, die feiern das dann ab, und am nächsten Tag ist das dann auch in Ordnung. Ich hatte da viel mehr Bedenken.
Marco: Ich bin freiberuflicher Grafiker.
Sebastian: Ich bin angestellter Softwarentwickler. Meine Kollegen wissen, dass ich Musik mache, aber das ist nie ein großes Thema. Vor ein paar Jahren in Hannover waren sie auf einer Show, aber das war es dann auch wieder. Ich glaube aber, dass sie das schon gut finden, sie haben sich zumindest T-Shirts gekauft. Aber ich find es besser, wenn niemand da ist, den ich kenne, dann bin ich nicht so nervös.

Eine letzte Frage zu euren Videos zu „Vom Ende an“ und „Irgendwas“, die ja eine durchgehende Geschichte zusammen mit „Pyro“ von eurem letzten Album erzählen: War es schon zu damals geplant, dass ihr hier wieder ansetzen wollt?
Benni: Ne, das hat sich eher mit der Zeit ergeben. Wir haben uns überlegt, zu welchem Song wir was machen wollen, und wo wir eigentlich ansetzen. Die Antwort war dann klar, wir setzen eben am Ende an. Und dann haben wir geschaut, wo wir letztes Mal waren.
Marco: Die beiden Videos, also „Pyro“ und „Vom Ende an“ sind sich vom Stil ja auch sehr ähnlich, sehr gehetzt und unruhig. Daher haben wir uns dann für den dritten Teil, für „Irgendwas“, dafür entschieden, dass wir das genaue Gegenteil machen: Es passiert nix, in Zeitlupe.
Benni: Dieser Gedanke war, einmal die kaputte verzweifelte Nacht zu zeigen, die zu nichts führt. Das kennen glaube ich echt viele Leute. Dann wollten wir einen Tag zeigen, an dem man versucht, alles normal zu machen, dann ist die Party auch scheiße und man ist trotzdem alleine. Man versucht, irgendwas zu machen und vor sich wegzulaufen, und schließlich kommt dann an: „Das bin ich.“ Viele Leute haben auch nicht überrissen, dass die drei Sachen zusammengehören. Man muss schon genau hingucken.