Interview mit Schmier von Destruction

Was machst Du, was machen Destruction im Moment?
Wir machen gerade das übliche Festival-Programm. Also diese typischen Wochenend-Open-Air-Festivals. In nächster Zeit dann auch europaweit. Slowenien, Türkei, Italien, Slowakei und dann auch Wacken, und das Earthshaker in Deutschland. Danach müssen wir uns bald um einen neuen Plattenvertrag kümmern, um neue Songs. Deswegen habe ich auch meinen Laden verkauft, weil es einfach nicht mehr geht. Ist leider too much.

Neuer Plattenvertrag? Schon weiter bei Nuclear Blast zu anderen Konditionen oder wie ist das gemeint?

Mal schauen, natürlich wäre es kein Fehler bei Blast zu bleiben, aber es wäre auch eine neue Firma interessant. „Neue Firma, neue Motivation“… Bei Blast haben wir halt einen Haufen Freunde für uns gefunden. Ein Haufen guter Leute, die ich kennen gelernt habe im Laufe der Jahre. Die machen für uns einen super Job. Im Ausland gibt es bei Blast leider ein paar Probleme, die ich selber ziemlich schade finde, wo sie aber selber auch dran arbeiten. Müssen wir mal gucken, für uns ist halt wichtig, dass die Firma international Power hat. Deutschland machen für uns nur etwa 10 % aus, der Rest geht im Ausland ab. Da nützt uns ein Label nichts, dass international nichts zu melden hat. Von daher ist Nuclear Blast schon richtig genial. Aber muss man abwarten. Ich würde gerne bleiben, aber wenn uns ein anderes Label ein super Angebot macht, wo wir nicht „Nein“ sagen können, dann wären wir blöd, wenn wir nichts ausprobieren würden. Aber sogesehen war es schon sehr okay bei Blast, die haben viel für uns gemacht. Es gab in den letzten zwei Jahren ein paar mal Probleme mit dem Packaging. Aber das ist halt das Problem, wenn die Firma zu schnell zu groß wird und zu wenig Leute da sind um so viele Jobs zu machen. Aber das ist das real Business.

Hättest du Vorlieben? Ich könnte mir vorstellen, dass Metal Blade sicherlich für euch perfekt wären.

Metal Blade wäre super, um dort für die USA gesignt zu sein. Aber in Europa gibt es nicht viele Firmen, die so einen guten Job machen wie Blast. Metal Blade gehört schon auch dazu. Century Media käme noch in Frage, zwei, drei andere, aber dann ist auch Schluss. So viele gibt es nicht und daher ist es etwas schwierig etwas zu finden. Es gibt immer Fans, die sagen „Geht zu einem kleineren Label, da werdet ihr besser behandelt“, aber diese Leute kennen halt die Hintergründe nicht. Nuclear Blast hat mittlerweile Bands wie Nightwish und Sachen die richtig groß sind. Und Bands die auf allen Metal-Genres abräumen. Da ist aber dann das Wort „Ausverkauf“ dann gerne groß geschrieben.Eure Kollegen von Kreator und Sodom entern dieser Tage die Studios um neue Alben einzuspielen.
Wird auch Zeit! (lacht)Gibt es schon Vorstellungen für den „Metal Discharge“-Nachfolger?
Ja, wir haben schon angefangen, ein bisschen zu schreiben und die Vorgaben sind klar: Ein bisschen progressiver vielleicht, ein bisschen brutaler. Die Variablität müssen wir beibehalten ohne dass wir irgendwie zu angefahren werden. „Metal Discharge“ war halt ein sehr spontanes Album, wo wir diese „Back to the Basics“-Schiene fahren wollten, was auch sehr geil war. Bei der nächsten Scheibe müssen wir mal gucken, da werden wir wohl ein bisschen einen Kompromiss fahren. Auch von der Produktion her. Nicht nur analog, sondern auch mit Pro-Tools. Da kommt man einfach nicht mehr dran vorbei heute. Vielleicht ein bisschen mehr Aggression hier und da noch. Die Abwechselung muss dennoch bleiben. Wir sind immerhin eine Highspeed-Band, also ich mag die schnellen Stücke auch. Die waren vielleicht auf der letzten Scheibe nicht so im Überfluss da. Kann man immer schwer sagen. Es gibt immer Vorgaben und dann schreibt man die Stücke und was da rauskommt ist ganz was anderes. Aber wir wollen uns auch ein bisschen mehr Zeit lassen. Wir haben in den letzten vier Jahren glaube ich drei Scheiben und eine DVD gemacht. Irgendwann brennt der Arsch einfach, da muss man dann aufpassen, dass man sich nicht zu sehr verausgabt und irgendwelche Scheiße produziert. Wenn wir gemächlich ans Songwriting wird, glaube ich schon, dass das nächste Album ein Hammer wird.

Ihr hattet zuletzt als Bonus-Tracks auch was von Maiden, Metallica und Exploited dabei. Wird es sowas auch weiterhin geben?
Ja, „Cherry Lady“ war immer ein heißer Kandidat, Modern Talking halt, die wir immer mal covern wollten.

Nicht im ernst.
Ne, quatsch. (lacht)
Naja, Cover-Versionen sind immer so Sachen, die wir nicht unbedingt veröffentlichen wollen, aber die Plattenfiorma sagt dann „Ach komm, ist doch gut geworden, bringt das doch raus“. Und man sagt dann selber als Musiker „Ach ja, eigentlich ist es schade, weil es irgendwie ganz geil ist“. Und naja die Compilations die wir gemacht haben, dieser Maiden-Tribute halt, war alles eher Zufall. Das heißt, Cover-Versionen wird es immer mal wieder geben, weil wir einfach auch Spaß dran haben. Im Moment covern wir auch wieder ein paar Songs im Proberaum. Das ist dann meistens sehr spontan als Jam-Session. Wir haben zum Beispiel auch Saxon im Repertoire zurzeit. „Princess of the Night“ könnte ich mir auch mal als Bonustrack vorstellen, aber es muss nicht unbedingt sein. Ich finde es ganz geil, wenn man ab und zu mal covert, aber man sollte sich dann nicht als Coverband versteifen.

Wie hat es dir beim Rock Hard Festival gefallen? Es ist ja doch eine ganz eigene Geschichte mit wunderschönem Ambiente. Ich kann mir vorstellen, dass man als Musiker diesem Festival auch etwas anders entgegen geht, als Dinger wie Wacken oder das Bang Your Head.
Es war sehr relaxt. Ich steh da drauf. Beim Wacken kann ich nicht großartig ins Publikum gehen, da ist viel los und die Leute sind zu crazy. Da wird man zerfleischt. Auf dem Rock Hard ist es schön chilly, da sind halt 5000, 6000 Leute und dieses Ambiete ist total relaxt und dadurch sind die Leute auch entspannt. Ich hab mir draußen gerne ein paar Bands angeguckt und dass kann man eben nicht immer. War sehr gut organisiert. Es besteht halt das Problem, dass es in den nächsten Jahren wachsen wird, weil es einfach zu gut ist. Da müssen die aufpassen, dass sie nicht den Fehler machen wie Wacken und zu viele Leute reinlassen. Aber ich finds sehr geil. Gerade im Ruhrgebiet, was ja das Kapitol des deutschen Metals ist. Da hat sowas schon gefehlt. Es war echt vorbildlich. Für uns war es das geilste Festival in Europa bis jetzt muss ich sagen. Kommen noch ein paar geile Sachen. Zum beispiel das Metal-Camp. Da bin ich mal gespannt, dass soll auch total nett werden. Aber vom Ambiente her war das super geil. Die Leute waren total nett. Als ich draußen war, waren alle wirklich sehr nett und so muss es sein.

Beim relativ unbekannten Earthshaker Fest werdet ihr auch dabei sein.
Da müssen wir abwarten. Die haben auch ziemlich schnell ein sehr gutes Billing aus dem Boden gestampft und die Location soll auch super sein.

Dieses Jahr wird es ja ganz anders sein, als im letzten jahr, wie ich mitbekommen habe. Das Zelt fällt weg und es kommt eine große Bühne und eben pures Open Air Feeling. Was hast du für Erwartungen?
Ich denke mal, dass da maximal 5000 Leute kommen. Eher weniger. Die Sache ist halt, dass die Ecke im Frankenland eigentlich sehr geil ist für Metal, nur da geht keiner hin. Es war irgendwie ausgestorben, von daher sehr geil, dass es da wieder etwas gibt. Ich kann mich an die kleinen Konzerte sehr gut erinnern in der Ecke da, das war immer geil und ich hab mich immer gewundert, warum es da nicht mehr Konzerte gibt. Ich glaube schon, dass da das Einzugsgebiet sehr groß sein wird und ein paar Leute kommen werden. Ich erwarte sehr viel. Auch von den bands her ist eine gute Mischung, da ist alles dabei. Man hat ja gesehen, dass auch solche kleinen Festivals, die gut organisiert sind, sehr schnell Kult-Status haben, wie zum Beispiel auch beim Summer-Breeze. Ich finde es eh angenehmer bis 10.000. Alles darüber ist irgendwie Stress pur. Für das Festival selber ist es auch besser, wenn alles überschaubar bleibt. Daher würde ich zu sowas wie Rock am Ring nie hingehen, da kannst du mich jagen mit so einem Scheiß.

Naja, aus Metal-Sicht war ja so manch guter Act dabei.
Ja, aber warum denn? Weil Metal wieder verkauft wird. Weil sie sich die Charts angeguckt haben, die scheiß Arschlöcher, und gesehen haben, dass Metal wieder verkauft. Die ganzen Promoter, die Metal seit zehn jahren totgeschrieben haben, sehen halt, dass Metal ständig oben in den Charts ist und meinten dann eben, dass wir diese Bands holen müssen. Das ist traurig aber wahr. Sogar einige Blast-Bands haben dieses Jahr da gespielt. Ektomorf und so. Es ist halt so, sobald was trendy wird kommen die großen Promoter und machen die Festivals so auf, wie es gerade angesagt ist. Metal ist nun mal wieder angesagt, die Festivals laufen wie Sau und da kann der Mainstream absahnen.

Generell spielt ihr dieses Jahr recht ausgiebig auf Festivals. Ist euch sowas lieber, als Einzelkonzerte oder eher Pflichtprogramm?
Ich spiele am liebsten Tour. Am besten ohne Pause. Wenn du mal drauf bist, ist das wie eine Droge. Du wirst jeden Abend besser. Diese Wochenend-Geschichten finde ich jetzt nicht so toll, weil du einfach etwas aus dem Rhythmus kommst. Aber an sich ist es schon geil, wenn man dieses Rhythmus, immer am Wochenende zu spielen, erst mal hat. Für die Bands ist es schon geil, wie viele Fans immer kommen. Aber ich spiele halt lieber auf Tour, wo man seine feste Crew hat. Bei den Festivals kann man sich immer nie so ganz sicher sein, es ist wie ein Sprung ins kalte Wasser. Es gibt keinen Soundcheck und du gehst raus, spielst und hoffst, dass es irgendwie einigermaßen klappt.

Bist du auf der Bühne in gewisser Form ein anderer Mensch? Du forderst die Metaller oft zum Zusammenhalt in der Szene oder lauthals zu einem gehörigen Moshpit auf. Persönlich habe ich dich aber eher als ruhigen, coolen Typen kennengelernt.
Ja, ich meine ich bin schon eher crazy und immer mal kurz vorm Durchdrehen. Aber gerne mal ein bisschen chilly und habe Spaß auf Partys. Es ist schon ein großes Stück von mir selber. Ich bin schon ein bisschen cholerisch verlangt… Ich bin auch sehr umgänglich würde ich sagen. Auch allen Gerüchten zu trotz. (lacht)
Ich kann aber auch extrem abgepisst werden, wenn mir Leute ans Bein pissen wollen.

Was kannst du resümierend von der Veröffentlichung und dem Erfolg eurer DVD „Live Discharge“ sagen?
Ach sehr gut bis jetzt. Das Label sagte am Anfang, dass verkauft sich nicht so gut, weil das erst im Kommen ist, aber die erste Auflage in Deutschland und Europa war in zwei Wochen weg und hat die Verkaufserwartung schon um das dreifache überschritten bis jetzt. Das ist schon okay so, da bin ich sehr zufrieden. Vorallem lief das ganze ohne jegliche Promotion. Im Rock Hard zum Beispiel gab es noch keinen richtigen Artikel, im hammer war gerade eben erst was drin. Das zeigt doch, dass diese ganze Werbemaschinerie bei gewissen Veröffentlichungen gar nicht mal soo wichtig ist. Das ist schon ein großer Erfolg gewesen. Die DVd wurde mittlerweile weltweit vertickert. Der asiatische Markt hatte extra eine Veröffentlichung, in Amerika extra veröffentlicht. Das ist schon cool für eine DVD einer deutschen band. Wir haben ehrlich gesagt von der DVD mehr verkauft, als von der letzten LP. Oder auf jeden Fall ziemlich gleichwertig.

Ich denke, es ist einfach ganz was anderes. Es ist ja zum einen viel Aktuelles dabei, wenn die DVD quasi den Album-Titel hat. Da ist es ja doch was anderes, wenn man dann noch den visuellen Effekt hat.
Auf jeden Fall, aber die DVDs werden immer noch ein bisschen stiefmütterlich behandelt. Auch von den Heften und Plattenfirmen. Die haben halt erst mal einen viel höheren Aufwand, ein viel höheres Budget. Da sind noch viele vorsichtig. Aber ich sehe jetzt die Stückzahlen und da muss man einfach mal abwarten, was man am Ende des Jahres verkauft hat. Ich glaube aber schon, dass dieses Ding jetzt im Kommen ist. Ich bin sehr zufrieden damit und wir haben uns halt viel Mühe gegeben mit dem, was budget-mäßig drin war. Wir sind Iron Maiden, aber wir haben versucht, was wir an Geld hatten auch rein zu stecken. Hat sich auch gelohnt, glaube ich. Die Leute kriegen was für ihr Geld.

Welche drei deutschen Thrashbands könnten irgendwann das nächste große Thrash-Dreieck bilden?
Hm, so einfach ist das nicht. Der Nachwuchs ist zwar, aber er wird einfach nicht gefördert von den Plattenfirmen. Dew Scented sind für mich im Moment eigentlich die geilsten in dem Bereich. An denen führt kein Weg mehr dran vorbei und die haben es halt geschafft, dieses „Graue-Maus-Gewand“ abgestreift und sind mittlerweile in aller Munde und das ist auch gut so. Aber ich sehe es halt, dass die Plattenfirmen nur das signen, was gerade trendy ist. Beispielsweise Power Metal oder schwedischer Melodic Death. Das ist einfach schade und ich glaube, dass ’ne Thrash-band es einfach schwer hat bei den Plattenfirmen gesignt zu werden.
Ich habe auch Probleme damit, irgendwelche Namen zu finden, von denen man sagen könnte, „Die sind das nächste große Ding“. Ich meine Desaster sind ganz cool, aber die sind halt mehr oder weniger „von Fans für Fans“, die nehmen das alles nicht so ernst. Da weiß man nicht, ob die in zehn Jahren noch da sind. Was siehst du als tolle neue Thrash-Bands an?
– Ja, wie gesagt, ich denke auch an Dew Scented und danach geht es los, sich am großen, durchaus vorhandenem Pott zu bedienen und irgendwas raus zu ziehen.
– Es ist einfach schwierig. Ich sehe oft irgendwelche junge Bands, die richtig geil sind. Aber die sagen dann auch „Tja, keine Plattenfirma…“ Da frage ich dann schon mal nach einer Demo und gebe das weiter. Aber die Plattenfirma sagt dann halt „Oh, wir haben zu viele Bands und können nichts mehr signen“. Und wir haben auch schon viele. Ich meine bei unserer Plattenfirma haben wir ja auch viele. Da heißt es dann „Wir haben schon so viele: Death Angel, Exodus, Destruction und Dew Scented, mehr kann man nicht haben“.

Was hältst du von dieser doch sehr modernen, fast überproduzierten Thrash Schiene mit Bands wie Mnemic, Re:Aktor oder Raunchy?
Geht so. Es passiert mir zu wenig. Für mich ist Thrash wie ein Wutausbruch und der muss einfach schnell sein und abgehen. Da sind mir diese Bands zu durchdacht. Da sind die Gitarrenriffs zu sehr strukturiert, dass ist mir zu spontan. Das haben andere vorher schon besser gemacht. Aber Mnemic finde ich schon sehr interessant, die sind auch sehr technisch sehr gut und sehr tight, aber ich brauche ein bisschen mehr Aggressionspotenzial. Da finde ich Machine Head als moderne Thrash Band schon geiler.

Denkst du es wird noch viel Neues im Metal geben? Into Eternity stechen derzeit ziemlich raus.
Die sind auf jeden Fall sehr geil. Eine coole Band, die versuchen mal was Neues zu machen. Wollen wir abwarten. Ich meine, es ist immer die Frage, hat sich der Blues neu erfunden? Oder der Jazz? Die Leute wollen vom Metal immer was Neues haben. Wieso muss der Metal sich neu erfinden? Der Rock’n’roll hat sich auch nie neu erfunden. Heutzutage werden Bands hochgelobt, die klingen wie aus den 70ern und werden schnell als neuer Trend abgehandelt. Ich finde es wichtiger, dass die Bands gute Songs schreiben, dass die Qualität da ist und der Spaß dabei ist. Natürlich ist es gut, wenn neue Trends entstehen, wie dieser aggressive Thrash Metal, wie ihn The Haunted oder Dew Scented spielen. Das ist schon geil. Es gibt auch viele gute neue Death-Bands mit diesen melodischen Geschichten. Da stehe ich auch drauf. Oder gute Black Metal Bands, die Potenzial haben und auch mittlerweile andere Einflüsse einstreuen lassen. Für mich muss der Metal nicht neu erfunden werden.

Aber die Innovation sollte nicht auf der Strecke bleiben.
Ja, die tausendste Kopie von irgendwas ist schnell langweilig. Ich kann dieses ganze Tralala-Power-Metal-Zeug nicht mehr hören. Das habe ich in den 80ern alles schon besser gehört. Da gibt es heute einfach wenige Bands, die das richtig geil bringen können. Es ist wieder das Problem, dass die Labels immer nur das signen, was gerade trendy ist. Und dadurch haben die Fans bald die absolute Überdosis, aber das war schon immer so.

Jüngst wurde euer Drummer Marc in Italien wegen eures Bühnen-Outfits kurz festgenommen. Gibt es sonst aus der jungen Vergangenheit lustige Anekdoten zu berichten?
Ach, sowas passiert ständig eigentlich. Aber es zeigt auch die Inkompetenz der italienischen Zöllner. Es gibt immer mal Ärger wegen den Patronen, aber das ist normal. In Kolumbien haben die uns auch erstmal mit dem Maschinengewehr abgeführt und als wir dann ausgepackt haben, haben die alle erst mal bei uns abgeschnorrt und meinten „Yeah geil, Metal“ und so weiter und haben uns dann ihre Patronen von ihren Gürteln gezeigt. War schon ganz cool irgendwie. Komischerweise haben wir immer nur in Europa größere Probleme gehabt, wobei man schon sagen muss, dass der deutsche Bundesgrenzschutz schon sehr kompetent ist. Die gucken sich unsere Patronen an und lachen erst mal los, weil es eben keine Sprengkapseln sind. Dann ist die Sache gegessen. Aber es ist schon beängstigend, wenn man da fliegt und richtige Patronen nicht von Dummies unterschieden werden können. Das ist schon das schlimmere daran.
Als das dann bei Blabbermouth geschrieben wurde, meinten dann auch einige „Jawoll, das Fliegen muss sicherer werden und die finden sowas immerhin“. Sicher finden die sowas, aber die müssten es auch raffen, dass es einfach Bühnen-Assessoires sind. Aber naja, was soll man machen. Wenn man lange Haare hat und so aussieht, hat man einfach ein paar Probleme mehr.

Am vergangenen Wochenende sorgten Dave Lombardo und vor allem Slipknots Joey Jordison für Furore, als sie für Lars Ulrich bei einem Metallica-Konzert einsprangen. Auf Destruction asoziiert, welchen Drummer und Gitarristen würdest du gerne mal dabei haben, wenn von euch kurzfristig einer ausfällt?
Hm, dass ist schwierig. Ja, es gibt immer irgendwelche Faves, die man hat. Als Schlagzeuger ist natürlich Dave Lombardo immer eine interessante Geschichte, ganz klar. Ich würde aber eigentlich am liebsten mal mit Neil Peart von Rush einen Destruction spielen, das wäre schon sehr interessant. Und als Gitarristen wären Tipton und Downing von Priest, dass wäre bestimmt sehr interessant.

Am Montag verstarb Quorthon im Alter von 39 Jahren an Herzversagen.
Das war keine Ente anscheinend, schon unglaublich.

Wie hast du diese Nachricht aufgefasst? Er war ja künstlerisch schon einer der Größeren aus der Szene.
Er war aber auch ein ziemliches Arschloch ehrlich gesagt.

Hehe, deswegen habe ich bewusst „künstlerisch“ gesagt…
Also ich hab ihn leider nie getroffen. Ich fand Bathory in den ersten Jahren sehr geil und hab dann immer nur lesen müssen, dass er uns in irgendwelchen Magazinen runtergemacht hat und „Die Konkurrenz wäre ja scheiße, und Destruction wären ja auch voll scheiße und er wäre das einzig wahre“. Ich fand das immer etwas komisch. Ich hab nichts gegen ihn, und es ist immer traurig, wenn jemand so früh verstirbt. Aber was will man machen? Rock’n’roll ist schon ein komisches Business. Die einen verbrennen zu schnell und gehen dann vor die Hunde.
Ich kann auch meine Band nicht ziehen, wenn ich nicht live spiele. Die Liveshows sind die Früchte, die du trägst wenn du Platten machst. Ich würde zu Grunde gehen, wenn ich keine Liveshows machen würde. Ich brauche den Kontakt zu den Menschen, ich will raus und die Welt sehen. Ich finde es sehr schade, dass Bathory nie live gespielt haben. Da hat er echt was verpasst. Ich finde es wirklich schade, er war ein absolut einflussreicher Mann. Und ich weiß ja wie es ist, man darf gar nicht zu nett sein. Die Leute, die extravagant durch die Szene ziehen – wie Gene Simmons – und sich selber als Asshole bezeichnen, die sind gefragt. Also Rest in Peace! Ich glaube, da wo er jetzt ist, hat er eh mehr Spaß.

Was waren die letzten Alben, die du gekauft hast und die dich so richtig entzückt haben?
Ich bin ja der Old-Schooler mit Blick nach vorne. Die letzten Sachen, die mich wirklich weggeblasen haben, waren tatsächlich die Old-School-Produkte. Die neue Death Angel finde ich total genial, die letzte Exodus ist super, die letzte Hypocrisy fand ich auch sehr sehr gut. Die neue In Flames geht so. Wie immer halt, sehr hoher Standard halt, aber nichts Neues.
Was höre ich noch im Auto? Das Auto ist immer ein sehr gutes Referenz-Ding. Was ich da höre, ist eigentlich das, was ich am besten finde. Und dass wechselt momentan eben zwischen Death Angel, Exodus und Hypocrisy.

Ich bin dann mit meinen Fragen soweit durch. Gibt es noch irgendwas, was du den Lesern von metal1.info mit auf den Weg geben möchtest?
Naja, was soll ich sagen? Ich wünsche mir, dass die Metal-Szene, so wie sie ist noch ein paar Jahre erhalten bleibt und dazu gehört für uns alle etwas mehr Toleranz. Das sage ich auch auf den Konzerten und das kann man nicht oft genug sagen. Ich sehe das, wenn ich auf irgendwelche Boards gehe und die Leute Bands runtermachen, die sie nicht mögen und so weiter. Das finde ich total kindisch. Aber wenn das jetzt wieder sage, heißt es wieder „Schmier predigt wieder“ und „Schmier macht auf dicke Hose“. Ich finde, diese ganze Sache hat nur dann Zukunft, wenn der Underground und der „Mainstream“, der nur das I-Tüpfelchen darstellt, einfach zusammenhalten.

Wo du das Internet ansprichst, nutzt du es viel?
Ich bin voll der Junky, klar. Ich bin natürlich durch die Musik da drangekommen. Die Band muss das ja selber irgendwie featuren. Man hat die Webseite und man hat die Interviews. Zuletzt, was ich sehr schade fand, verstarb auf einem Fan-Board in Schweden ein langjähriger Fan von uns. Sowas ist natürlich bitter. Über das Internet findet man einfach alle Leute wieder. Es gibt viele Menschen, die ich wieder gefunden habe, oder die mich durch Destruction wieder gefunden haben.

Ich bedanke mich für das Interview!

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