Interview mit Schmier von Destruction (Teil 2/2)

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Mit „Diabolical“ veröffentlichen die deutschen Thrash-Urgesteine DESTRUCTION im April ihr 15. Studioalbum im 40. Jahr ihres Bandbestehens. Mit dem Album selbst haben wir uns bereits im Rahmen unseres Listening-Session-Reports ausführlich auseinandergesetzt. Im Interview mit Bandkopf Schmier soll es deswegen eher um das große Ganze gehen: In TEIL 1 des Interviews sprachen wir mit Schmier über hässliche Maskottchen, Politik und die Thrash-Metal-Familie im Allgemeinen. TEIL 2 dreht sich um Corona und mögliche Wege aus der Pandemie, die Veränderungen im Lineup von DESTRUCTION und die Frage, wie man als Thrash-Metal-Band in Würde altert.

Wir haben bereits über Politik geredet, jetzt müssen wir auch noch über Corona reden: Als Musiker leidet man ganz konkret unter der Situation, da keine Konzerte stattfinden können. Wie stehst du zur Impfpflicht oder 2G+ bei Konzerten?
Meine Meinung ist natürlich, dass wir alle eine Bürgerpflicht haben. Und wenn eine Pandemie da ist, hätte unsere Regierung eigentlich schon längst eine Impfpflicht einführen sollen. Der einzige Weg, die Masse zu schützen, ist die Impfung – das ist belegt. Natürlich ist der Impfstoff sehr schnell entwickelt worden, aber die mRNA-Technologie ist ja schon längst im Einsatz und seit vielen Jahren erprobt. Deswegen ist dieses Theater alles ein großer Witz. Da wird die Unzufriedenheit der Gesellschaft über Impfunwilligkeit ausgedrückt. Ich frag mich, warum keiner auf die Straßen geht, wenn es um die Rente geht: Wir werden alle keine Renten haben und verarmen, wenn wir alt sind. Wir zahlen 50% Steuern und das Steuergeld wird verschwendet. Da geht keiner auf die Straße! Aber wegen einer Impfung, die unsere Pandemie beenden sollte – und es auch könnte! – da gehen die Leute auf die Straße. Das verstehe ich nicht. Darum habe ich leider auch kein Mitgefühl für Leute, die ungeimpft sind und sich dagegen stellen. Das sind für mich einfach Egoisten.

„Wer keine Lobby hat, hat verloren“

Und wie ist die Situation aktuell für Berufsmusiker in Deutschland?
Wir sind im Moment absolut gefickt! Der Staat hat sich mit seiner Soforthilfe gebrüstet. Wir haben Anfang 2020 eine Soforthilfe in Anspruch genommen, die damals noch als „Soforthilfe“ und „unbürokratisch“ bezeichnet wurde, und jetzt nichts anderes ist als ein Darlehen, das wir alle zurückzahlen müssen. Das ist richtig kacke: Wenn wir gewusst hätten, dass das nur ein Darlehen ist, hätte das keiner in Anspruch genommen, weil alle wissen: Wir können das nicht zurückzahlen. Wir haben alle keine Einnahmen, wir haben keine Konzerte, dürfen immer noch nicht arbeiten – aber der Staat will jetzt ab März die ganzen Soforthilfen analysieren und wenn du irgendwelche Einnahmen hattest, musst du das Geld zurückzahlen. Das wird Millionen Menschen in Deutschland das Genick brechen.

Josefstadt by Brutal Assault 2021 Destruction
Schmier mit DESTRUCTION live auf dem Josefstadt 2021; © Afra Gethöffer-Grütz / Metal1.info

Ich weiß nicht, wer sich sowas ausdenkt – vor allem noch mitten in der Pandemie! Wenn die Pandemie jetzt vorbei wäre und wir könnten alle wieder normal arbeiten, würde ich sagen: OK, da kann man drüber reden. Aber jetzt, mittendrin … solche Sachen sind es, die mich nerven. Mich nervt nicht die Impfung, das macht komplett Sinn, das ist wissenschaftlich erwiesen und ich glaube an die Wissenschaft. Aber viele andere Sachen in Deutschland stören mich. Und als Metalhead muss ich sagen: da gibt es nur ein Wort für, unser liebstes in Deutschland: Lobbyismus. Wer keine Lobby hat, hat verloren. Und wir sind eigentlich Systemfeinde und keine Systemfreunde. Das sieht man ja auch daran, dass Heavy-Metal-Bands im Kulturaustausch nie beachtet werden. Da wird dann der DJ eingeladen in die Deutsche Botschaft nach Dubai.

Wie stehst du zu der Ungerechtigkeit, dass Konzerte in Deutschland nach wie vor nicht möglich sind, aber im Restaurant sitzen die Leute ohne Maske?
Ja, aber auch die Restaurants sind gebeutelt ohne Ende. Mein Lieblingsrestaurant hat mittlerweile zu, die haben ein Schild rausgehängt: „Wir gönnen uns eine kreative Pause bis März“. Das heißt, die sind fertig mit der Welt. Die haben alle Angestellte, die sie bezahlen müssen, und müssen jeden Tag essen wegschmeißen, weil keiner kommt. Es kommt keiner! Wenn ich zu meinem Lieblingsgriechen gehe, ist der Laden leer – da war es früher immer voll. Die Restaurants kacken alle ab gerade. Die werden alle schwer ums Überleben kämpfen, wenn es wieder weitergeht. Wenn sie überhaupt weitermachen. Ich hab ja selbst Restaurant-Business gemacht. Das ist einfach hart viel Arbeit und so viel Geld verdienst du da auch nicht. Millionär wirst du davon nicht. Da werden viele zu machen, und das wird uns alle angehen dann. Das ist schon brutal.

„Es ist ja nicht so, dass die ganze Platte durchdudelt“

Destruction_Diabolical_CoverLass uns nun doch noch ein wenig über euer neues Album sprechen. Das Cover haben wir vorher ja schon kurz angeschnitten – aber jetzt nochmal konkret: Zombies sind ein recht typisches Thrash-Thema – bist du selbst Zombie-Fan, oder hat das einfach zum Album gepasst?
Ich denke, Zombies sind einfach faszinierend. Horrorfilme allgemein, aber Zombies auch im Speziellen. Es gab ja auch im letzten Jahr wieder einige gute Zombie-Filme. Wir hatten noch nie einen Zombie auf dem Cover, und als wir dann die Idee von diesem DESTRUCTION-Zombie hatten, waren wir von der ersten Umsetzung auch gleich begeistert. Wir wollten einfach ein Old-School-Cover, das back to the roots geht. Früher hat man Platten nach dem Cover gekauft – und wenn ich das Cover von dem Album sehen würde, würde ich mir die Platte auf jeden Fall anhören. Danach haben wir das dann auch beurteilt.

Das hat definitiv gut geklappt, man bekommt auf dem Album tatsächlich genau das, was man sich auf Basis des Covers erwartet – im besten Sinn. Musikalisch fällt sofort auf, dass die Songs durch die zwei Gitarristen deutlich stärker von den Soli geprägt sind als früher. Was begeistert dich als Bassisten so am Prinzip des Gitarrensolos? Ich hätte dich eher als den Riff-Typ eingeschätzt …
Das ist beides geil! Natürlich bin ich als Bassist Gitarrenfan. Heavy Metal? It’s all about guitars! Die Riffs sind bei Thrash Metal natürlich am wichtigsten, ganz klar, aber geile Soli sind eben auch wichtig. Und jetzt haben wir eben mal eine Platte mit vielen geilen Soli. Nachdem wir jetzt zwei gute Gitarristen haben, die beide solieren können und auch super harmonieren, habe ich die Jungs extrem gepusht, dass wir die Leadgitarren noch etwas herausheben. Du zeigst ja, was du hast und was du kannst. Und in der Beziehung haben wir jetzt einfach einen Schritt nach vorne gemacht. Es ist ja nicht so, dass die ganze Platte durchdudelt: Wir haben Soloparts, die sind kurz und knackig, aber die Soli sind auch einfach ein bisschen geiler als früher, stechen mehr raus und sind deswegen in den Songs besser gefeaturt. In der Beziehung denke ich schon, dass wir einen Punkt gutgemacht haben, und dass für Gitarrenfans einiges abgeht auf der Platte.

Aber wir haben mit der „Mad Butcher“-EP, „Release From Agony“  und „Cracked Brain“ ja auch schon Platten gemacht, auf denen die Soli mehr im Mittelpunkt standen. Und lustigerweise gibt es immer noch viele Fans, die genau diesen Zeiten immer hinterher geheult haben und das seit Jahren von gefordert haben. Als wir ein Trio waren, konnten wir das einfach nicht umsetzen, weil wir nur eine Gitarre hatten und Mike auch nicht so der Sologitarrist war. Aber jetzt legen wir eben wieder mehr Fokus auf die Gitarren. Natürlich wird das nicht jedem gefallen, aber am Ende des Tages ist es ja auch unsere Entscheidung, was wir machen.

„Mir geht es um die Grundideen und- harmonien“

Wie schreibst du eigentlich Songs – auf dem Bass, oder spielst du auch Gitarre?
Ich spiele zwar auch ein bisschen Gitarre, aber nicht gut genug. Das will ich meinen Gitarristen nicht zumuten. (lacht) Ne, ich schreib alles auf dem Bass und nehme Bass und Schlagzeugcomputer als Grundidee auf. Dann treffe ich mich mit den Gitarristen, vor allem mit Damir, zeige ihm meine Ideen und er schreibt das dann auf die Gitarre um. Als Gitarrist bringt er da dann natürlich hier und da noch eine Triole oder einen Anschlag rein, irgendeinen kleinen Twist, den ich als Bassist so nicht machen würde, aber genau deswegen verlasse ich mich da auch auf seine Kreativität. In der Beziehung bin ich auch sehr offen: Mir geht es, wenn ich die Songs schreibe, um die Grundideen und- harmonien, um die Strukturierung des Songs, und meistens habe ich schon im Kopf, wie ich darauf dann singen will. Ansonsten hat der Gitarrist auch immer freie Hand, seine Ideen einzubringen. Diese philosophy von DESTRUCTION haben meine Klampfer auch verinnerlicht.

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Damir 2021; © Hexphotography/Edit: Gyula Havancsák

Mich hat tatsächlich beeindruckt, dass man vom Grundtenor der Platte her nicht hört, dass Mike nicht mehr dabei ist …
Als Mille von Kreator die neuen Songs zum ersten Mal gehört hat, hat er auch gesagt: „Wahnsinn, ich vermisse Mike überhaupt nicht! Die Riffs und der Style – das klingt ja voll nach DESTRUCTION!“ Ich denke, darum geht es ja auch: Dass man einfach das weiter macht, was man kann. Das gilt für mich auch fürs Songwriting.

Aber wie fühlt sich das an, du bist so lange dabei und hast in den letzten zwei, drei Jahren die gesamte Band um dich herum gruppiert. Fühlt sich das noch nach den eigentlichen DESTRUCTION an, oder eher wie eine neue Band?
Naja, am Ende des Tages sind alle schon lange involviert: Randy Black kenne ich seit über zehn Jahren. Er hat bei uns vor fünf oder sechs Jahren auf einer Amerikatour mitgespielt und auch immer mal ausgeholfen, zum Beispiel als Vaaver damals Vater wurde. Dadurch ist Randy schon länger Bestandteil des Ganzen. Martin Furia war fünf oder sechs Jahre lang unser Soundmann, ehe er jetzt als Gitarrist eingestiegen ist. Und mit Damir arbeite ich auch schon lange zusammen: Nachdem er mit Romana von Burning Witches verheiratet ist, habe ich viel mit ihm im Studio gearbeitet, bevor er zu DESTRUCTION kam. Er war auch schon mit uns auf Tour, als seine Band im Vorprogramm von DESTRUCTION gespielt hat.

Josefstadt by Brutal Assault 2021 Destruction
Martin mit DESTRUCTION live auf dem Josefstadt 2021; © Afra Gethöffer-Grütz / Metal1.info

Das sind also alles Leute, die schon viele Jahre im Bandumfeld waren. Dadurch fühlt sich das ganz normal und homogen an. Schlussendlich geht es bei einer Band wie in einer Beziehung vor allem um das gute Gefühl miteinander. Wenn gewisse Leute das nicht mehr wollen oder können oder eben etwas anderes im Leben machen wollen, muss man das akzeptieren. Man muss auch verstehen, dass gerade jetzt in der Pandemie viele Leute aufgeben, und keinen Bock mehr auf diese ganze Unsicherheit in der Musikszene haben. Man weiß nicht, ob man morgen Geld hat, ob man Konzerte hat, wie es weitergeht. Ich verstehe, dass Leute da aufhören. In der Beziehung bin ich froh, dass ich Leute gefunden habe, die aus dem Umfeld kommen und mit mir weitermachen und die Band so respektvoll weiterführen wie es die Fans verdient haben. Und man auf einer DESTRUCTION-Platte auch das bekommt, was man erwartet.

„Die Stimmung in der Band ist das Wichtigste“

Zumindest Martin und Damir sind ja doch deutlich jünger als du – um nicht zu sagen: eine andere Generation …
… ach, so viel ist das gar nicht! Martin ist 43, das sind zwölf Jahre Unterschied, der könnte mein kleiner Bruder sein. Und Damir wird auch schon 41, der hat nur so ein Babyface. (lacht) So viel jünger sind die also gar nicht. Ich denke, das haben wir uns ganz gut ausgesucht. Wir hatten auch den einen oder anderen Gitarristen auf der Liste für die Audition, der jünger war. Da hat man genau das Problem, auf das du abzielst: Wenn man zu weit auseinander ist, gibt es einfach eine gewisse Erfahrungs- und Erklärungsnot. Es gibt Sachen, die man einfach noch nicht wissen kann, wenn man jung ist. Als junger Mensch hat man viel Drive, aber wenig Erfahrung, und dann geht es eben manchmal in die Hose. Das habe ich leider schon ein paar Mal erlebt, dass man dann einen Generationenkonflikt hat. Da war mir wichtiger, dass ich erfahrene Leute habe, die lange dabei sind und wissen wie es läuft, die keinen Höhenflug kriegen, wenn sie jetzt plötzlich im Mittelpunkt stehen und einfach gechillt sind. Die Stimmung in der Band ist das Wichtigste. Wenn du auf Tour bist, und der Kühlschrank ist leer, der Bus brennt und heute Abend kommen keine Leute auf die Show, weil der Veranstalter verstorben ist, dann musst du ein paar Jungs um dich rum haben, die gut drauf sind. Darum geht es am Ende.

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Martin Furia 2021; © Hexphotography/Edit: Gyula Havancsák

Du musst also auf Tour keine Vaterrolle einnehmen und aufpassen, dass alle brav bleiben?
Ne, das ist wirklich ganz cool. Wir wissen alle, wie man feiert und haben das im Griff. Außerdem ist ja Randy bei uns derjenige, der am meisten Erfahrung hat. Ich bin ja nicht der Älteste. Natürlich halte ich die Sache zusammen, aber am Ende des Tages sind das alles erwachsene Männer, die wissen, wie es läuft. Darum geht es ja auch: Dass man nicht jeden nochmal ermahnen muss, „sei pünktlich“, „üb dein Zeug“, „sauf nicht so viel“ … diesen Kindergarten haben wir hinter uns.

Mike live mit DESTRUCTION 2016; © Afra Gethöffer-Grütz / Metal1.info

Jetzt sind wir schon bei der Besetzung, da muss natürlich auch noch eine Frage zu Mike kommen. Habt ihr noch Kontakt? Weißt du, wie es ihm geht? Viele Fans haben sich ja schon Sorgen um ihn gemacht, als er noch in der Band war, weil er nicht gerade fit aussah …
Wir haben nicht viel Kontakt, aber wir schreiben ab und an. Es gibt ja auch immer wieder mal Business-Sachen zu klären, wir haben schließlich einen großen gemeinsamen Backkatalog. Er hat sich etwas zurückgezogen, aber er war ja immer schon jemand, der sich nicht so in die Öffentlichkeit getraut hat. In der Pandemie hat er sich jetzt noch weiter zurückgezogen. Aber erst gestern haben wir gemailt. Er hat gesagt, es geht ihm gut, er ist geimpft, es sind natürlich schwierige Zeiten gerade, aber alles ist OK. Er hat sich eben dazu entschieden, das so zu machen. Warum, weshalb, dieses aufklärende Gespräch gab es nie. Aber ich glaube, dass er mit dem Ganzen einfach nicht mehr so glücklich war: mit der Musikrichtung, mit dem Stress … man muss ja viel Touren. Er ist einfach jemand, der auch sehr gerne zu Hause sitzt, so ein typischer Eremit.

„Ab und zu haben Leute auch
einfach die Schnauze voll“

Also war sein Ausstieg keine rein gesundheitliche Entscheidung, die er bedauert?
Nein. Ich weiß natürlich nicht, wie er das irgendwann mal sieht. Als er aussteigen wollte, habe ich ihm ein paarmal gesagt: Überleg dir das nochmal genau und schreib mir nochmal, wenn du nachgedacht hast. Du kannst doch nicht die Tür zuschlagen, das ist doch Quatsch. Aber wenn er das eben so wollte, muss man das auch so respektieren – er ist alt genug. Am Ende des Tages, wenn es ihn nicht mehr happy macht, muss er sich eben so entscheiden. Ich hab ihm immer gesagt: „Lass uns nur bitte nicht im Streit auseinandergehen … wer weiß, was in ein paar Jahren ist. Vielleicht hast du dann ja Bock, mal wieder zu uns auf die Bühne zu springen.“ Wir haben dieses Jahr 40 Jahre DESTRUCTION – ich würde ihn sofort einladen, dass er mit uns auf irgendeinem Festival ’nen Song spielt, wenn er Bock hat. Das wird sich zeigen, ob er dazu irgendwann wieder bereit ist. Ab und zu haben Leute auch einfach die Schnauze voll, das muss man akzeptieren.

Mike live mit DESTRUCTION 2019; © Afra Gethöffer-Grütz / Metal1.info

Wenn man so lange zusammen ist, gibt es eben auch mal Differenzen, das ist normal. Dann hat jeder eine andere Entscheidung im Kopf, man fühlt sich nicht mehr wohl … und was wir vorher angesprochen haben, dass man älter wird und sich verändert, das ist bei ihm eben auch eingetreten: Diese Art von Musik zu spielen, ein Leben lang auch diese physische Anstrengung zu haben, das kann auch nicht jeder. Da gibt es dann eben Leute, die spielen im Alter lieber Classic Rock – lieber Lynyrd Skynyrd als Thrash Metal. Das kann ich auch gut verstehen – aber ich bin halt nicht so. (lacht) Deswegen gibt es ja auch eine unglaublich große variety an Musikern, auch Metal-Musikern, die, wenn sie alt werden, Blues spielen. Da gibt es viele Beispiele, angefangen bei Gary Moore, der früher Hard Rock gemacht hat und irgendwann im Blues geendet ist. Die Tendenz, dass man mit zunehmendem Alter etwas Tempo rausnimmt, ist schon da.

Aber du spürst da noch nichts von?
Ne, bei mir gilt: Je oller, desto doller! (lacht) Mich hält die Musik und der drive ja auch jung. Gerade die Musikrichtung ist für mich auch eine Art Sport, eine Art Herausforderung, mitzuhalten und Gas zu geben. Für mich ist Thrash Metal und DESTRUCTION einfach etwas, wo das Gaspedal gedrückt wird. Wir werden nie eine Band sein, die Balladen oder Midtempo-Nummern schreibt. Wir werden immer Vollgas geben. Wenn wir das nicht mehr gewährleisten können, dann war es das auch.

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Randy Black 2021; © Hexphotography/Edit: Gyula Havancsák

„Nach dem Sex denkt man ja
auch nicht gleich wieder an Sex“

Das neue Album ist schon lange fertig, Konzerte sind aktuell nicht möglich … schreibt ihr schon neue Musik, hast du schon Pläne für nach dem Release?
Jetzt wollen wir uns erst einmal mit Konzerten belohnen, das ist das Wichtigste. Irgendwann werden wir auch wieder komponieren, aber ich brauche dafür nicht lang. Wenn ich einen guten Vibe habe, mich in einem guten Umfeld befinde, kann ich in sehr kurzer Zeit sehr kreativ sein. Da muss der Zeitpunkt stimmen. Aber jetzt gilt es erst einmal, diese Songs als Band zu lernen und live gut umzusetzen. Zumindest unsere Tour in den USA und Kanada im April und Mai wird wohl stattfinden, da sind wir guter Dinge, und dann hoffentlich auch die Festivals im Sommer, gefolgt von der Europatour im Oktober, Südamerika im September und, wenn alles gut läuft, Ende des Jahres auch noch Asien. Aber da muss man jetzt Schritt für Schritt schauen. An eine neue Platte denke ich da jetzt noch nicht … nach dem Sex denkt man ja auch nicht gleich wieder an Sex. (lacht)

Schmier mit DESTRUCTION live in München 2019; © Afra Gethöffer-Grütz / Metal1.info

Ein schöner Vergleich zum Schluss. Ich bin mit meinen Fragen fast am Ende – nur das traditionelle Metal1.info-Brainstorming gilt es noch zu bestreiten:
Wahrscheinlichkeit einer Slayer-Reunion: 100%. Das wird passieren, da bin ich mir ganz sicher.
Unsere Chancen auf Festivals 2022: Sehr gut, 90% vielleicht. Ich denke, es wird umsetzbar sein. Viele werden geimpft sein, wir werden mit der Pandemie voranschreiten und es wird einige Lockerungen geben, sodass Konzerte im größeren Stil wieder möglich sind. Es muss passieren, die Amis haben ja vorgemacht, wie es gehen kann.
Black Metal: Gibt es in gut und in schlecht. Black Metal mit Keyboards ist nicht so mein Fall – wenn, dann stehe ich schon eher auf das Rumpligere … Immortal und so Sachen finde ich ganz geil.
Der wichtigste Punkt auf deinem Tour-Rider: Essen und Wasser. Ohne das geht nichts. Den Alkohol haben wir in den letzten Jahren ziemlich reduziert, damit wir uns mehr auf die Arbeit konzentrieren.
Welches Essen darf es Backstage definitiv nicht sein? Für den Tourbus würde ich sagen: nicht so viel Knoblauch. Sonst wird man in der Nacht vergast.
DESTRUCTION in zehn Jahren: Da bin ich ja eigentlich schon fast ein Opa. Insofern … schwer vorstellbar. Für uns ist die experience gerade: Wie kann man als Thrash-Metal-Band alt werden? Es gibt ja noch keine Generation Thrash-Bands vor uns, die älter sind und alt geworden sind. Slayer haben sich aufgelöst … insofern wird das ganz interessant. Wenn man in den Heavy-Bereich schaut: Judas Priest sind alle 70, da kann man noch Metal machen. Die Rolling Stones sind alle 80, rocken kann man also auch noch, wenn man alt ist. Dann hoffen wir doch mal, dass man mit 65 auch noch thrashen kann!

Das will ich als Fan doch auch mal hoffen! Dann vielen Dank für deine Zeit, viel Erfolg mit dem Album und auf dass die Touren allesamt stattfinden können!
Ich bedanke mich, schönen Tag noch!

Schmier mit DESTRUCTION live auf dem Brutal Assault Open Air 2019; © Afra Gethöffer-Grütz / Metal1.info

Dieses Interview wurde per Telefon geführt.

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