Destruction_Diabolical_Cover

Review Destruction – Diabolical

  • Label: Napalm
  • Veröffentlicht: 2022
  • Spielart: Thrash Metal

Nach nunmehr 40 Jahren Bandbestehen, 14 Studioalben und zwei neu eingespielten Best-of-Alben weiß wohl jeder Thrasher auf der Welt, wie DESTRUCTION klingen. Dennoch dürfte so mancher Fan dem neuen Album der Band mit einer Mischung aus Spannung und Skepsis entgegenblicken. Immerhin ist es das erste DESTRUCTION-Full-Length überhaupt, an dem Mike Sifringer nicht beteiligt ist. Und der war nicht nur vier Dekaden lang Gitarrist der deutschen Thrasher, sondern seit der Neuformierung der Band im Jahr 1999 über 20 Jahre hinweg auch ihr einziger.

Wie DESTRUCTION mit Schmier und zwei Gitarren klingen, konnte man nach „Release From Agony“ (1987) erstmalig wieder auf „Born To Perish“ (2019) hören. Wie DESTRUCTION ohne Mike klingen, zeigt sich nun mit „Diabolical“. Um diese drängendste aller Fragen gleich vorneweg zu beantworten: gar nicht so anders, wie man das vielleicht erwartet hätte. Und doch nicht genauso.

Im Großen und Ganzen spielen DESTRUCTION auch mit dem Gitarristen-Duo Damir und Martin Furia Thrash Metal im unverwechselbaren Stil der Band: Das Riffing, für das nach wie vor Bassist Schmier verantwortlich zeichnet, ist schneidig wie eh und je, und auch die charakteristischen Triolen und eingestreuten Flageoletttöne sind DESTRUCTION nicht verloren gegangen. In Kombination mit Schmiers unverkennbarer Stimme ergibt das schon mal per se genug DESTRUCTION-Flair, um jeden Fan zufriedenzustellen – zumal die Songs zum einen verdammt energiegeladen, zum anderen aber auch erfreulich „old school“ klingen.

Letzteres hat nicht nur mit dem Songwriting, sondern auch der Produktion zu tun: Der Sound ist angenehm „natürlich“, und insbesondere beim Schlagzeug wurde darauf geachtet, dass es nach einer menschlichen Performance klingt: Statt auf Perfektionismus setzen die Routiniers also auf die Ästhetik des Unperfekten und sparen sich exzessives Drum-Editing wie Quantisierung. Bei einem Drummer der Klasse eines Randy Black kann man sich das aber auch guten Gewissens trauen.

Auf dieser Basis, also einem ganz klassischen DESTRUCTION-Album, erlaubt sich die neue Formation dann aber doch ein paar Stil-Anpassungen: Die zentrale und auffälligste ist die neue Präsenz der Leadgitarre. Fans der eher geradlinigen Alben könnte es bisweilen sogar zu viel des Guten werden, Old-School-Fans wird die Solo-Lastigkeit von „Diabolical“ im besten Sinne an „Release From Agony“-Zeiten erinnern: Wann immer Schmier verstummt, übernehmen Damir und Martin und duellieren sich – oft in einem furiosen Wechselspiel – als Solisten. Während Damir, wie vom Vorgänger bekannt, die eher frickeligen Parts übernimmt, verlegt sich Martin auf etwas getragenere, melodischere Soli. Gemeinsam jedenfalls heben beide das Gitarrenspiel von DESTRUCTION auf ein neues Level. Songs wie „Servant Of The Beast“ zeigen das eindrücklich.

Auch in den Grundkompositionen erlauben sich DESTRUCTION etwas mehr Variabilität, als man das auf manchem anderen Album gehört hat. Balladen oder Midtempo-Nummern gibt es von DESTRUCTION zwar auch 2022 nicht zu hören – und das wird sich auch nicht ändern, wie Schmier in unserem Interview bekräftigt: „Wir werden immer Vollgas geben. […] Für mich ist Thrash Metal und DESTRUCTION einfach etwas, wo das Gaspedal gedrückt wird.“ Das hindert DESTRUCTION aber nicht daran, auf „Diabolical“ etwas mit den Tempi zu spielen: So finden sich tatsächlich auch Songs auf dem Album, die im Vergleich tatsächlich eher als bedrohliches Midtempo einzustufen wären („Whorification“, „Tormented Soul“). Gerade im Wechsel mit rasanten Uptempo-Tracks wie „Ghost From The Past“ ist das wahrlich keine Schande, sondern eine gelungene Bereicherung.

Mit „Diabolical“ ist DESTRUCTION zum runden Geburtstag ein absolut rundes Album gelungen. Die gefühlte Omnipräsenz von Lead- und Sologitarren mag dabei zunächst ungewohnt sein, sorgt jedoch dank der Talente zweier versierter Gitarristen für große Dynamik und trägt entscheidend zur Vielseitigkeit des Albums bei: Dass DESTRUCTION-Songs einen gewissen repetetiven Charakter aufweisen, ist freilich weder neu noch auf „Diabolical“ grundlegend anders. Dennoch gelingt es Schmier und seinen Mitstreitern, im vergleichsweise engen Stilkorridor der Thrash-Instanz neue Akzente zu setzen. Sollte irgendwer gedacht haben, dass DESTRUCTION mit dem Ausstieg von Mike am Ende sind, so sei ihm gesagt: Totgesagte leben länger … und das gilt hier nicht nur für den sympathischen Herren auf dem Cover.

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Wertung: 8.5 / 10

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5 Kommentare zu “Destruction – Diabolical

  1. Da bekommt man die CD samt einen Schwung weiterer Alben, denkt sich, die neue DESRUCTION hebt man sich bis zum Schluss auf und dann befindet sich die CD in einem DigiSleeve. Da ha man bereits keine Lust das Album aus der Verpackung zu nehmen, da man Kratzer befürchtet. Erstes großes Minus! Und nein, es kann nicht um Nachhaltigkeit gehen um zum Beispiel Plastik zu vermeiden – wenn man sich eine defekte CD irgendwann erneut kaufen muss.
    Ich selbst fand die im Vorfeld veröffentlichen Stücke bereits sehr gut. Kann DESTRUCTION ohne Mike gut sein? O ja! Ich finde die Stücke etwas komplexer aber dennoch eingängig, die Leads fantastisch, selbst an der Produktion gibt es nichts zu kritisieren.
    Die CD muss mehrmals gehört werden…wäre da nicht diese Selbstzerstörungsaufmachung.

    1. tja … was soll ich sagen … bin da ganz bei dir. ich hab mich schon nur schwer an digipaks gewöhnen können, weil ich immer angst hatte (mit recht!) dass die nippel abbrechen oder ausleiern und das ganze ding dann fürn müll ist, statt dass man den innenteil austauscht wie bei nem jewelcase … aber diese reinen pappdinger, aus denen man die CDs teilweise kaum rausbekommt, mitunter, weil sie sogar im produktionsprozess versehentlich MIT EINGEKLEBT wurden (alles schon erlebt) sind wirklich der letzte mist. dass das dann teilweise (nicht so hier) auch noch in puristischster form daherkommt und am ende für viel geld kaum mehr ist als ne cardsleeve-promo früher war, ist schon echt ein witz.

      1. Ich finde DigiPacs optisch besser als ein Jewelcase…und es sind meistens Bonustracks mit drauf. Wobei ich mit so einer Veröffentlichungspolitik auch nicht einverstanden bin. Ich habe es früher immer gehasst, dass die Japanischen Pressungen oft ein paar Studio Tracks mehr beinhaltet als die europäische Version.
        Ich hatte bei versiegelten Digis auch schon mehrfach den Fall, dass der Nippel abgebrochen war – Umtausch ausgeschlossen, da nicht mehr versiegelt oder ein Digi ist eine Hülle, gehört somit zur Verpackung und ist dadurch nicht reklamierbar.
        Zurück zu den Sleeves: Ich kann CDs noch so pfleglich behandeln – nach kurzer Zeit zerkratzen sie. Dann braucht man sich nicht wundern, dass der Verkauf von physischen Tonträgern zurückgeht.
        Ich weiß bis heute nicht wozu O-Cards (Pappkondom) nützlich sein sollen. Oder Digis, die man nach allen Seiten aufklappen kann und dann eine Bauzeichnung benötigt (Beispiel: letzte SLAYER). :D

        Zurück zu DESTRUCTION. Ich würde einen halben Punkt mehr geben. Die Frischzellenkur tat der Band offensichtlich gut. Das hörte man bereits auf der „Born To Perish“. Und das war nach der (für DESTRUCTION Verhältnisse) eher mittelmäßigen „Under Attack“ auch nötig. Das hier ist wirklich ein Thrash-Feuerwerk allererster Güte. Und das schlimme an der Sache: Es klingt zu 100% nach DESTRUCTION.

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