Konzertbericht: Destruction w/ Flotsam & Jetsam, Enforcer, Nervosa

16.09.2016 München, Backstage (Halle)

DEstruction Tour

Wenn man sich im Metal auf eines verlassen kann, dann ist es die Treue der Thrash-Fans zu ihren Helden. So ist es kein Wunder, dass sich die deutschen Szene-Veteranen DESTRUCTION auf ihrer „Europe Under Attack“-Tour 2016 beim Tour-Stop im Münchener Backstage über eine nahezu ausverkaufte Halle freuen dürfen.

Nervosa-01Dass diese jedoch bereits um 19:15 gesteckt voll ist, als NERVOSA den Abend mit ihrem geradlinigen Thrash Metal eröffnen, überrascht dann doch. Unverdient ist diese Aufmerksamkeit definitiv nicht – machen die drei Frauen doch mächtig Stimmung und sorgen mit knackigen Riffs für die ersten geschüttelten Haare. Gerade Fronterin Fernanda Lira weiß durch ihre kräftige Stimme sowie ihr sympathisches Auftreten zu überzeugen. Dass nach der 30-minütigen Show sogar lautstark Zugabe-Forderung vorgetragen werden, lässt erahnen, dass der erste München-Gig von NERVOSA für viele Fans bereits ein Highlight des Abends gewesen sein dürfte.

Enforcer-01Dass das für ENFORCER, die als nächste an der Reihe sind, so nicht unbedingt gilt, lässt sich kaum verheimlichen: Auch nach Rückkehr der Raucher bleibt es in der bereits jetzt tropisch-schwül temperierten Halle merklich leerer als zuvor bei Nervosa. Der Stimmung unter den ENFORCER-Jüngern tut das keinen Abbruch: So werden die vier Schweden im Spinal-Tap-Gedächtnis-Outfit für ihre energiegeladene Show gebührend gefeiert – und das zu Recht. Denn nicht nur musikalisch wissen ENFORCER definitiv, was sie tun. Auch die Show der vier Skandinavier hat großen Unterhaltungswert, so dass die Band sich heute gewiss den einen oder anderen neuen Fan erspielt.

FlotsamJetsam-01Wie schon zuvor Enforcer zählen wohl auch FLOTSAM & JETSAM zu den Bands, die die Szene in zwei Lager spalten: Im Gegensatz zu den griffigen Riffs der Amerikaner, die das Herz eines jeden Thrashers höher schlagen lassen dürften, sind die Heavy-Metal-inspirierten Soli sowie der Gesang von Eric A.K. definitiv nicht jedermanns Sache. Während so einige Konzertgänger für die nächste Stunde eine Pause einlegen, feiert der Rest der Fans in der überhitzten Halle eine schweißtreibende Metal-Party, deren Setlist vom selbstbetitelten 2016er-Werk „Flotam And Jetsam“ bis zum Debüt-Album „Doomsday For The Deceiver“ aus dem Jahr 1996 führt, ansonsten jedoch lediglich „Drift“ und das 2014 wiederveröffentlichte Album „No Place For Disgrace“ berücksichtigt.

  1. Seventh Seal
  2. Empty Air
  3. Dreams Of Death
  4. Hammerhead
  5. Monkey Wrench
  6. Desecrator
  7. Me
  8. Life Is A Mess
  9. Hard On You
  10. No Place For Disgrace

Destruction-01Um 22:20 ist es schließlich so weit: Zum Intro des aktuellen Albums „Under Attack“ entern DESTRUCTION die Bühne, um diese gleich mit dem Titeltrack in Schutt und Asche zu legen. Als wäre der letzte Auftritt der Band in München 20 und nicht zwei Jahre her, starten die Fans sogleich einen Moshpit, der sich gewaschen hat. Dass Fronter Marcel „Schmier“ Schirmer zunächst noch seinen Bass im Bühnensound vermisst? Eine Trivialität, die DESTRUCTION zunächst mit einem Schlagzeugsolo gekonnt kaschieren, anschließend einfach weglächeln: Drauf geschissen und drauflos geprügelt heißt die Devise. Obwohl mit nur einer Gitarre besetzt, ist der Sound verglichen mit dem bei den vorangegangenen Bands nicht optimal. So verlieren die schneidigen Riffs im undifferenzierten Klangbild leider etwas Kontur. Was dem Gig hier fehlt, machen DESTRUCTION mit vollem Einsatz wett: Satte 80 Minuten stehen schließlich zu Buche, als die drei Arbeitstiere aus Südbaden ihren Gig mit dem Klassiker „Bestial Invasion“ beenden und sich sichtlich zufrieden von ihren nicht minder ausgepowerten Fans verabschieden.Destruction-02

  1. Under Attack
  2. Curse The Gods
  3. Pathogenic
  4. Nailed To The Cross
  5. Mad Butcher
  6. Dethroned
  7. Life Without Sense
  8. Total Desaster
  9. Thrash Attack
  10. Black Death / Invicible Force (Medley)
  11. Second To None
  12. The Butcher Strikes Back
  13. Thrash Till Death
  14. Eternal Ban
  15. Bestial Invasion

Thrash Metal mag nicht die innovativste oder vielseitigste Spielart des Metal sein – in der Live-Umsetzung zeigt sich dennoch immer wieder schnell, warum das Genre zu den Grundpfeilern der Metal-Szene gehört: Hier wird auf der Bühne noch ehrlich und hart gearbeitet, um den Fans für ihr Geld eine energiegeladene Show zu bieten. Diesem Anspruch der Fans an die Bands werden heute nicht nur DESTRUCTION vollends gerecht – auch FLOTSAM & JETSAM und ENFORCER, vor allem aber NERVOSA als die Gewinner des Abends, bieten dem Fan heute viel für sein Geld.

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