Interview mit John Boecklin von DevilDriver

Im Rahmen der Promotion-Tour mit Zwischenstopp in Köln konnte uns Schlagzeuger John Boecklin von DEVILDRIVER einige Fragen zum neuen Album „The Last Kind Words“ beantworten. Wer wissen will, weshalb Jason S. so seltsam drauf ist, sollte sich das durchlesen!

Hallo John. Wie geht es dir?
Hallo. Es geht mir wirklich, wirklich gut. Wir machen gerade eine kleine europäische Presse-Tour und im Moment bin ich in Köln. Und so wie es aussieht, kommt unser neues Album hier gut an.

Bist du alleine in Deutschland oder ist die ganze Band auf Promo-Tour?
Nein, Dez und ich sind hier in Deutschland.

Wie läuft die Promotion für das kommende Album „The Last Kind Words“?
Bis jetzt läuft es wunderbar. Wir waren schon in Italien und Holland, und wirklich jedem gefällt das neue Material. Also was sie bisher gehört haben hat richtig eingeschlagen. Aber das waren ja erst die Rough-Mixes.

Was sind da genau deine Aufgaben? Klar, Interviews wie jetzt gerade, aber was noch?
Bezüglich der Promotion? Das ist mehr die Aufgabe des Labels. Wir touren halt so viel wir können, im Mai mit Unearth und Kataklysm, anschließend spielen wir hier Rock am Ring bzw. Rock im Park, das ist ja in Deutschland, oder?

Ja, das stimmt.
Ja, so sieht das Programm bis jetzt aus, danach geht es wieder rüber in die Staaten und dort spielen wir dann im September eine Headliner Tour.

Hört sich gut an!
Sollte es auch, wir haben da ein paar tolle Bands zusammen gebracht die dann auf Tour gehen werden.

Ein paar Fragen zu eurer Entstehung, um den Leuten da draußen etwas auf die Sprünge zu helfen. Gegründet wurde die Band 2003. Dann ging alles sehr schnell und bereits im gleichen Jahr kam euer Debüt „Devildriver“ heraus. Wie ging es dann weiter, was waren die Reaktionen?
Als wir begonnen haben, war sich niemand so recht im Klaren darüber, was zu erwarten wäre. Dez war ja schon in einer Band, die so gar nicht zu unserer Zielgruppe passt. Als dann das erste Album draußen war, war uns aber sofort klar, dass wir was Besseres produzieren können. Unser zweites Album „The Fury Of Our Maker’s Hand“ war meiner Meinung nach auch ein großer Schritt, und darauf sind wir nach wie vor richtig stolz. Soviel Erfolg wir damit auch hatten, wir gaben uns damit nicht zufrieden und das kommende Album wird das zeigen. Wir gingen „The Last Kind Words“ mit dem Ziel an, so hart wie möglich zu sein – ich denke wir haben unsere Sache richtig gut gemacht!

Musikalisch betrachtet ist DEVILDRIVER mehr auf der Thrash-Linie zu kategorisieren, das aber durchaus mit einigen, modernen Einflüssen. Sehe ich das richtig?
Definitiv.

Welche Einflüsse wirken sich hauptsächlich auf eure Musik aus? Gibt es da bestimmte Bands oder Spielrichtungen?
Eher weniger Bands, um ehrlich zu sein. Ich meine, jeder hat seine Lieblings-Bands, aber wie gesagt haben wir nur versucht, so heavy wie möglich zu klingen, und dabei ein Mindestmaß an Groove zu behalten. Du kannst uns nicht als reinen Thrash Metal kategorisieren, wir haben Einflüsse aus fast jeder erdenklichen Spielrichtung. Wir versuchen nur, unsere Ideen und uns selbst mit unserer Musik zu verwirklichen.

Kann ich also sagen, dass ihr versucht einen komplett neuen Stil zu spielen?
Ähm… (überlegt), nein, keinen komplett neuen Stil. Du weißt schon, es gibt immer wieder Bands die dich in irgendeiner Art und Weise beeinflussen. Bei mir ist das zum Beispiel das Album „The Gathering“ von Testament. Solche Alben sind einfach eingängig und haben Groove, obwohl sie auf der anderen Seite wirklich verdammt schnell und hart sind, das mag ich wirklich. Aber es gibt auch so manche neue Band die mich beeinflusst. Hattest du schon die Möglichkeit in das neue Album reinzuhören?

Ja, ich hörte bereits die Rough-Mixes. Das neue Album klingt sehr erwachsen und fortgeschritten. Viele Details sprechen mich erst an, wenn ich wirklich genau hinhöre. Gab es da konkrete Ideen für das Album und wenn ja, wie habt ihr sie umgesetzt?
Ganz einfach: Wir haben unsere vorherigen Alben angesehen, genauer gesagt haben wir die Art und Weise des Schreibens der Musik analysiert. Wir haben dann die Dinge gesucht, bei denen wir uns noch verbesseren können. Wir wollten als Musiker einfach einen weiteren Schritt vorwärts machen. Und ich selbst bin der Meinung, dass wir das geschafft haben.

Ich bin ebenfalls dieser Meinung. DEVILDRIVER scheint mit jedem Album zu wachsen.
Absolut! Viele Bands bringen ihr bestes Album als erstes raus. Bei uns war das sicher nicht so, dafür gewinnen wir mit jedem Album jetzt an Erfahrung.

Soviel ich bis jetzt von „The Last Kind Words“ gehört habe, ist es für mich klar das beste Album von euch.
Danke, freut mich zu hören!

Welche Themen werden im kommendem Album eigentlich behandelt? Oder spielen darin Dez‘ Vergangenheit oder Erlebnisse eine Rolle?
Wie du richtig andeutest, ist das mehr eine Frage für Dez. Aber generell schreibt er seine Texte über persönliche Dinge die ihm widerfahren sind und oft klingt er sehr wütend.

Wie kam es zum Titel des Albums?
Es war der Arbeitstitel eines Songs auf dem Album. Ich mochte diesen Titel wirklich sehr, wir mochten ihn alle, er gefiel uns einfach. Wir haben dann einfach alle möglichen Leute gefragt ob ihnen dieser Albumtitel gefallen würde, und alle meinten nur „Gefällt mir gut, nennt das Album so!“.

Und hier kommt die nächste Frage zu einem Namen, genauer dem Bandnamen. Ich weiß, dass der Ausdruck „devil driver“ etwas mit Hexen und bösen Mächten zu tun hat. Wie kam es dazu, dass ihr die Band danach benannt habt und in welcher Assoziation steht der Name zu euch?
„Devil driver“ bedeutet ganz einfach erklärt, das Böse zu vertreiben. Unsere Band steht also nicht für Hexerei und solchen Kram. Dez‘ Frau brachte uns ursprünglich auf diesen Namen und jedem gefiel er so gut, dass wir ihn prompt verwendeten. Dazu ist eben diese Bedeutung echt cool, aber wie gesagt, wir wollen damit nicht sagen, dass wir an Hexen glauben oder dergleichen für gut heißen. Es heißt das Böse zu vertreiben, nicht böse zu sein.

Ihr habt für das kommende Album mit Jason Suecoff gearbeitet. Welcher Typ ist er, und wie hat seine Arbeit Einfluss auf das Album genommen? Wieso wolltet ihr ausgerechnet mit Jason arbeiten?
Wir wollten unbedingt mit Jason arbeiten, nachdem wir seine Arbeit auf einem Album von Bury Your Dead gehört hatten. Wir hatten es gehört und es ging Staunen durch die Reihen. Wir wollten, dass das Album nach etwas Bestimmten klingt, und es war genau das, was wir da hörten, einfach eines der herausragendsten Alben die ich jemals gehört habe. Zudem kommt, dass er bereits mit Bands wie Trivium oder Chimaira gearbeitet hat, speziell Chimaira ist uns ähnlich und so wussten wir, dass wir gut mit ihm auskommen würden. Mit ihm zu arbeiten war dann auch wirklich großartig, ich meine, er ist schon ein etwas merkwürdiger Typ, als wäre er ständig auf Crack, aber es kann einen auch wirklich positiv beeinflussen, wir haben die Songs wirklich schnell im Kasten gehabt – dank ihm!

Du sagst es, auf YouTube habe ich ein paar Videos von euch bei Arbeiten mit Jason gesehen. Er ist in der Tat ein sehr merkwürdiger Typ.
Ja, und so ist er die ganze Zeit drauf! Mit Jason zu arbeiten muss man sich genau so vorstellen wie in diesen Videos. Er nimmt dir den Druck unter dem du stehst, aber er vergisst dabei nie, was zu machen ist. Es wahr wirklich fantastisch mit ihm!

Jason zeigte ja schon oft was er drauf hat.
Richtig, und dazu kommt, dass Andy Sneap das Final-Mixing macht. Es wird großartig klingen! Hast du diesen Stream von Roadrunner gehört?

Ja, das war dieser Stream des Rough-Mixes.
Den meine ich, ja. Ich habe vorhin eben das gehört, was Andy bis heute gemacht hat – es ist unglaublich. Es klingt wirklich unterschiedlich zu dem was du gehört hast. Bei den Rough-Mixes ist das Schlagzeug viel zu laut und einige andere Dinge sind noch nicht so wie sie sein sollten.

Dass das Schlagzeug zu laut ist dachte ich mir schon, ich machte mir aber keine Sorgen da überall stand, dass dieser Mix nicht dem Endprodukt entspricht.
Im Internet habe ich von 30 geschriebenen Songs für „The Fury…“ gelesen, wie war die Situation diesmal?
Für dieses Album hatten wir viel mehr Zeit es zu schreiben und es auszuarbeiten. Wir konnten also mehr Zeit auf einen einzelnen Song richten. Die Folge davon war, dass wir nur drei Songs mehr hatten, als jetzt erscheinen werden. Wir gingen in das Studio und wussten dort welche Songs aufgenommen werden.

Im Sommer werdet ihr in Europa spielen. Was erwartest du dir von dieser Tour?
Das einzige was ich mir wirklich erwarte ist, dass ich eine gute Zeit habe. Es war jedesmal großartig und das wird es auch dieses Jahr wieder sein. Wenn du ernsthafte Erwartungen meinst, ja, das sind sie, ich will hier viel Spaß haben! Wir kommen nach Europa und spielen, egal ob da jetzt 10 oder 1000 Leute sind, ich bin mit jedem einzelnen der zu unserer Show kommt glücklich.

Wenn du zwischen Club-Gigs und Festivals wählen könntest, was würdest du bevorzugen?
Die Atmosphäre bei Club-Shows ist natürlich einzigartig und intensiv, weil du direkt vor den Leuten spielst. Dafür ist es auf Festivals einfach herrlich, vor so vielen Leuten zu spielen, da herrscht ein ganz spezieller Vibe. Und natürlich spielst du auf Festivals oft mit Bands, wo du es nie für möglich gehalten hättest, mit ihnen zu spielen. Metallica usw., du weißt schon.

Ihr genießt hier in Europa einen sehr angesehenen Status, einer der Gründe dafür ist auch das Internet, man lernt euch und eure Musik über diese riesige Plattform kennen. Was sagst du zu diesem leidigen Thema mp3s?
Ich will nicht voreingenommen sein und behaupten, dass es schlecht ist, denn das muss man klar aus verschiedenen Sichtweisen sehen. Für eine kleine Band hilft dieses Medium enorm, du erreichst einfach sehr viele Leute. Bist du aber eine Band die Millionen-Scheiben verkauft, kann das Internet einen großen (finanziellen) Unterschied ausmachen. Für Bands wie DEVILDRIVER ist es ein wenig von beidem, es ist Werbung für uns, aber auch schlecht für die Verkaufszahlen.

Kannst du mir noch kurz was zu euren Plänen und Aussichten sagen?
Wir sind uns da noch nicht so ganz im Klaren. Fest steht, dass wir die Tour in Nordamerika und Europa machen. Dann die angesprochene Tour im September, was danach geschieht, steht noch nicht fest.

Gut John, das war dann auch schon meine letzte Frage. Ich möchte mich bei dir bedanken, dass du für das Deutsche Metal-Online-Magazin www.metal1.info ein paar Fragen beantwortet hast.
Es war mir eine Freude!

Ich wünsche euch das Beste und ein weiteres, erfolgreiches Jahr! Die letzten Worte gehören wie immer dir!
Nochmal vielen Dank und ich weiß deine Worte zu schätzen! Danke!

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