CD-Review: DevilDriver - Trust No One

Besetzung

Dez Fafara - Gesang
Neal Tiemann - Gitarre
Mike Spreitzer - Gitarre
Chris Towning - Bass
Austin D'Amond - Schlagzeug

Tracklist

01. Testimony Of Truth
02. Bad Deeds
03. My Night Sky
04. This Deception
05. Above It All
06. Daybreak
07. Trust No One
08. Feeling Ungodly
09. Retribution
10. For What It's Worth


Nachdem 2014 die Gründungsmitglieder Jeff Kendrick und John Boecklin DEVILDRIVER verlassen hatten, schien es zunächst unklar, inwiefern sich der Sound der Band verändern würde, war doch das geradezu mathematisch abgestimmte Zusammenspiel von Gitarre und Schlagzeug immer eine große Stärke der Band. Mit Neal Tiemann und Austin D’Amond wurde schnell Ersatz gefunden und unter der neuen Besetzung das siebte Album mit dem Namen „Trust No One“ eingespielt. Die brennende Frage ist nun, was dieser Wechsel für den Sound von DEVILDRIVER bedeutet.

Es fällt sofort auf, dass die Musik dieses Mal deutlich düsterer ausgefallen ist. Versuchten sich DEVILDRIVER zwar schon auf dem enorm gelungenen und unterschätzten Vorgänger „Winter Kills“ an für ihre Musik sonst eher unüblichen Harmonien und Melodien, erinnerten diese dort eher an die für Melodic Death Metal typischen Grundstimmungen. Zwar gibt es jene Elemente auch dieses Mal, so beispielsweise im fetzigen Titeltrack, dem gelungensten Song des Albums, im unspektakulären, aber trotzdem ganz gefälligen Opener oder im als erster Vorabsong veröffentlichten, aber tendenziell eher schwächeren „Daybreak“. Daneben finden sich jedoch einige Songs, bei denen DEVILDRIVER sich üblicher Akkordfolgen und Stimmungselementen aus dem Black und Doom Metal bedienen. „Bad Deeds“ etwa verwendet für seinen Refrain einen dissonanten Melodielauf, „My Night Sky“, „Retribution“ und  „Above It All“ muten von Anfang an bedrohlich an und auch „This Deception“ mischt seine melodischen Klänge im Verseteil mit einer düsteren Lead-Gitarrenmelodie. Dabei werden auch immer wieder Clean-Gitarren verwendet, um die mystische Stimmung zu unterstützen.
Wer jetzt befürchtet, dass das alles nicht mehr das ist, was man als Fan an DEVILDRIVER zu schätzen gelernt hatte (#NichtMeineDEVILDRIVER), der kann dennoch beruhigt aufatmen. Obgleich die Kalifornier hier viel mit einem neuen Grundsound experimentieren, bleiben ihre Markenzeichen dennoch als Leitmotive erhalten. Auch „Trust No One“ bietet zahlreiche groovige Rhythmen, die nach wie vor ganz bandtypisch mit abgestimmten Gitarren-Bassdrum-Patterns präsentiert werden. Das haben DEVILDRIVER auch anno 2016 drauf wie kaum eine andere Band. Der erfrischend schwarzmetallische Einschlag ist da eher ein willkommenes Zeichen der Bereitschaft zur Weiterentwicklung. Insofern: alles richtig gemacht!
Fast… Denn so schön und gut das alles auch sein mag, ist DEVILDRIVER dieses Mal tatsächlich etwas nicht gelungen, was sie sonst problemlos beherrschen, nämlich das Erschaffen von wirklichen Hits. Egal, welches Album aus ihrer Diskographie man sich vornimmt, es gibt auf jedem genug Kracher, die sofort in die Bandgeschichte eingingen. Selbst das zu Unrecht von einigen Fans und Presse wegen seiner vielen melodischen Elemente abgestrafte Vorgängerwerk „Winter Kills“ hatte einige davon parat. „Trust No One“ dagegen fokussiert sich zu sehr auf das Ausleben des neuen Sounds und verirrt sich dabei gelegentlich in strukturell holprige Passagen und unglückliches Songwriting. Kein Stück auf „Trust No One“ kann es mit dem Hitfaktor eines „Desperate Times“, „The Appetite“, „I Could Care Less“ oder „Clouds Over California“ aufnehmen. Zwar bietet die Musik von DEVILDRIVER gerade auf der neuen Platte mehr als genug interessante Elemente, um trotzdem wunderbar zu funktionieren, doch zu den beliebtesten Werken der Band wird dieses Album definitiv nie zählen – das lässt sich nach der Kritik am weitaus gelungeneren Vorgänger schon jetzt mit Sicherheit abschätzen.

DEVILDRIVER haben mit „Trust No One“ ein kreatives, handwerklich tadelloses, aber dennoch nicht gänzlich problembefreites neues Album vorgelegt. „Trust No One“ punktet mit einer Atmosphäre, die in der Bandgeschichte nie zuvor ernster und düsterer war. Die sonst so hohe Hitdichte bleibt dabei aber, vielleicht zwangsläufig, etwas auf der Strecke. Ob das Album jemals zu den Fan-Favoriten zählen wird, ist daher fraglich. Was DEVILDRIVER aber dennoch eindrucksvoll erneut bestätigen: In ihrem Metier sind sie noch immer eine der führenden, wegweisenden Gruppen – und das völlig zu Recht!

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Bewertung: 7.5 / 10

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