Interview mit Ryanne van Dorst und Nick Polak von Dool

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Die niederländischen Dark-Rocker DOOL haben mit „Here Now, There Then“ ein vielseitiges und doch stringentes Debüt vorgelegt, mit dem sie sich als vielversprechende Newcomer präsentieren. Sängerin Ryanne van Dorst und Gitarrist Nick Polak geben im folgenden Interview Aufschluss darüber, inwiefern sie sich als Wanderer betrachten, wie es zum Vertrag mit Prophecy Productions kam und was „Oweynagat“ ist.

DOOL ist Niederländisch und bedeutet so viel wie „wandert“, also das Verb „wandern“ im Imperativ. Was steckt hinter dieser Aufforderung?
N: Sowohl als Band als auch als Individuen fühlen wir uns musikalisch und persönlich wie Wanderer. Musikalisch, weil wir von so vielen verschiedenen Stilrichtungen angezogen werden und weil wir unseren eigenen Platz in all dem zu finden versuchen. Als Individuum kann ich nur für mich sprechen, diesbezüglich hat wohl jeder aus der Band einen anderen Blickwinkel. Ich jedenfalls fühle mich von bestimmten Normen dieser sinnlosen Gesellschaft nicht angesprochen, die nur nach ökonomischem Wachstum zu streben scheint. Ich versuche, durch Musik einen Sinn zu finden.

Ihr spielt überwiegend Dark Rock, baut aber auch manchmal Elemente anderer Genres ein. Wie würdest du denn eure Musik beschreiben?
N: Wie du bereits gesagt hast, inspirieren uns die verschiedensten Genres und Bands, deshalb finde ich es schwer, unsere Musik zu kategorisieren, was ich für etwas Gutes halte. Jeder Song des Albums ist unterschiedlich und spricht für sich selbst, ist aber auch Teil eines großen Ganzen. Es ist sehr dynamisch, sowohl von der Intention her als auch bezüglich der Atmosphäre. Außerdem denke ich, dass das jeder selbst rausfinden sollte.

Ihr alle habt schon in anderen Bands gespielt oder spielt immer noch in anderen Bands. Was brachte euch dazu, DOOL zu gründen? Was war eure Vision für die Band?
N: DOOL hat sich eigentlich aus aus Ryannes Soloprojekt Elle Bandita entwickelt. Reinier [Vermeulen; Gitarre] und Micha [Haring; Schlagzeug] spielten mit ihr schon seit 2008. Als sich Ryanne später dazu entschied, eine Pause einzulegen, fing Micha bei The Devil’s Blood an. Als wiederum The Devil’s Blood auf Eis gelegt wurde, tat sich Micha wieder mit Ryanne zusammen und brachte Job [van de Zande; Bass] mit. Zu der Zeit änderte sich dann die ganze Energie und es fühlte sich mehr nach einer Band an. Zu dieser Zeit kam dann auch ich dazu, ich war schon zuvor viel mit von der Partie gewesen und wir hatten schon öfters zusammen Musik gemacht, also fühlte sich das ganz natürlich an. Wir hatten nicht wirklich eine Vision für DOOL. Ryanne brachte die Songstrukturen mit in den Proberaum und wir fanden gewissermaßen unseren Sound, als wir die Parts und Riffs übten.

Zu euren Einflüssen zählen The Sisters Of Mercy und Sonic Youth. Was genau fasziniert dich an diesen beiden Bands und gibt es noch andere, die dich musikalisch geprägt haben?
R: Abgesehen von der allgemeinen Atmosphäre haben The Sisters Of Mercy einfach so fantastische Gesangs-Hooks, die sofort im Kopf hängen bleiben und dich nicht mehr loslassen. Andere Bands, die uns inspirieren und die bei uns quasi der gemeinsame Nenner sind, wären zum Beispiel Type O Negative, David Bowie und Black Sabbath.

Auf eurem Debüt „Here Now, There Then“ fühlt man sich zum Teil an Secrets Of The Moons „Sun“ erinnert, das über ein Sublabel von Prophecy Productions erschien. Kennst du diese Platte und falls ja, was hältst du davon?
N: Nein, ich kenne die Platte nicht, also kann ich nicht wirklich sagen, ob ich die Ähnlichkeiten heraushören könnte. Ich hab allerdings die Show von Secrets Of The Moon am Prophecy Fest letztes Jahr gesehen und ich fand, das war eine der denkwürdigsten Auftritte auf dem Festival. In Verbindung mit dem Visuellen und dem Schauplatz war ihre Show richtig magisch.

Wie fielen die Reaktionen auf euer Debüt aus?
N: Bis jetzt waren sie unglaublich positiv. Wir waren schon stolz auf die Platte, ohne die Meinungen anderer gelesen zu haben, aber es ist schon ein tolles Gefühl, ein Album in die Welt zu setzen und festzustellen, dass andere es auch mögen.

Welcher Song auf „Here Now, There Then“ ist dir der wichtigste und wieso?
N: Wie ich schon gesagt habe, ist jeder Song ein Puzzleteil von „Here Now, There Then“. Ich denke, jeder Song hat seinen Charme, also ist das nicht leicht zu beantworten. Wenn ich mich wirklich für einen entscheiden müsste, wäre es vielleicht „The Alpha“, weil der Song eine längere Vorgeschichte hat. Aber jeder Track ist auf seine Weise wichtig.

In einigen Songs habt ihr ein paar stimmige Details eingefügt, so zum Beispiel die Kinderklavier-Melodie zu Beginn von „In Her Darkest Hour“. Sie erinnert mich etwas an die Filme von Tim Burton. Würdest du mir da zustimmen und worum geht es in dem Song?
R: Das Kinderklavier ist eigentlich eine Celesta. Intro und Outro des Songs wurden in einer Kirche aufgenommen, mit großen Pauken und einer echten Orgel. Ich dachte mir, wir brauchen einen dramatischen Auftakt für „Darkest Hour“, wegen seiner melancholischen Lyrics. Der Protagonist des Songs ist in den Tod verliebt und wünscht sich nichts sehnlicher, als mit ihm zusammen zu sein.

Die Geigen in „Oweynagat“ klingen hingegen nach My Dying Bride, finde ich. Was hat der Titel zu bedeuten und warum habt ihr euch dafür entschieden, Geigen einzubauen?
R: „Oweynagat“ ist inspiriert von einer Höhle in Irland, die diesen Namen trägt. Es ist ein weitverbreiteter, antiker Glaube, dass diese Höhle als eine Art Portal zur Unterwelt dient, welches sich am 31. Oktober öffnet und dabei allen möglichen Geistern, Dämonen und Seelen der Verstorbenen einen Weg in diese Welt ermöglicht.

Obwohl es gerade mal euer erstes Album ist, habt ihr schon jetzt einen Vertrag mit dem in der Szene hoch angesehenen Label Prophecy. Wie kam es dazu?
N: Sie haben uns kontaktiert! Ich glaube, das war zu der Zeit, als wir das Video zu „Oweynagat“ veröffentlicht hatten. Sie schickten uns eine Mail, in der sie schrieben, dass sie sehr enthusiastisch waren und in der sie uns fragten, ob wir an einer Zusammenarbeit interessiert wären. Wir hatten noch Kontakt zu anderen Labels, aber schließlich entschieden wir uns für Prophecy, weil wir das Gefühl hatten, dass sie sehr aufrichtig und ehrlich waren.

Wie sind eure Erfahrungen mit dem Label? Fühlt ihr euch womöglich sogar etwas unter Druck gesetzt, den Ansprüchen des Labels und der Hörer gerecht zu werden?
N: Sie sind wirklich authentische Menschen, die in der Musikindustrie arbeiten, weil ihr Herz für Musik schlägt. Das war schon offensichtlich, als wir zum ersten Mal miteinander Kontakt hatten. Wir haben uns nie unter Druck gesetzt gefühlt, denn wie gesagt, sie haben ja uns kontaktiert. Sie mochten unsere Musik wirklich sehr und wollten deshalb mit uns arbeiten. Des Weiteren denke ich, dass man generell niemals die Erwartungen anderer der eigenen künstlerischer Freiheit im Weg stehen lassen sollte.

Der Albumtitel „Here Now, There Then“ wirkt sehr auf die Zukunft ausgerichtet. Worum geht es denn textlich auf dem Album?
R: Der Titel ist offen für Interpretationen. Jedes Bandmitglied stellt sich darunter etwas anderes vor. Man kann die vier genannten Worte nicht definieren. Wo ist hier? Wo ist dann? Für mich selbst hat es etwas mit Träumen und, tatsächlich, dem Erreichen von Zielen zu tun.

Die Texte und die Musik in „The Alpha“ versprühen eine okkulte Stimmung. Wie stehst du denn zu Okkultismus?
R: Ich möchte DOOL nicht als okkulte Band definieren, wie du es hier gerade versuchst, denn die meisten unserer Songs behandeln Emotionen und Selbstreflektion. Somit ist „The Alpha“ auch nicht einfach nur an okkulte Themen angelehnt. Es ist eigentlich ein sehr persönlicher Song. Allerdings ist alles, was in dieser Welt eine andere Wahrheit offenbart, für mich von Interesse.

Auf dem Cover sieht man ein weißes Pferd vor schwarzem Grund. Inwiefern steht das Artwork mit den Texten in Verbindung und was kannst du uns sonst darüber erzählen?
R: Wir sind zufällig auf dieses Pferd gestoßen, als wir eigentlich gerade dabei waren, ein anderes Bild zu kreieren, zusammen mit unserem Fotograf Pim Top. Ein Pferd war in dieser Nacht gestorben, nahe der Location, wo wir gerade Fotos machten. Wir gingen hin und sahen es uns an, dabei hatten wir so ein seltsames Gefühl… nun… Ich weiß nicht, wie ich es benennen soll. Das Pferd sah so lebendig und so ruhig aus, als wäre es noch am Leben. Wir wussten, dass wir unseren ursprünglichen Plan fallen lassen mussten, und machten daraufhin Fotos von dem verstorbenen Pferd. Letztlich wurde es sehr schön und es passt auch viel besser zu unserer Musik und dem Albumtitel.

Wie wird es mit DOOL als nächstes weitergehen?
N: Momentan sind wir ganz damit beschäftigt, Shows zu spielen und weitere zu planen, die meisten werden demnächst angekündigt.

So, dann kommen wir langsam zum Ende dieses Interviews. Als Abschluss würde ich mit dir gerne noch unser traditionelles Metal1.info-Brainstorming machen. Bitte sag uns, was dir zu den folgenden Begriffen einfällt:
Gothic: R: Edgar Allan Poe
Niederlande: N: Da wir extensiv durch Europa touren, neue Leute kennenlernen und andere Orte und Gesichter sehen, hoffentlich ein Ort, wo ich nicht für immer bleiben muss. Ich habe es jedenfalls nicht vor, außer für DOOL. Also hoffentlich: ein Ort, von dem ich eines Tages wegziehen werde.
DOOL in fünf Jahren: N: Schwer zu sagen, wir versuchen, einen Schritt nach dem anderen zu machen.
Beste Band bei Prophecy: N: Alcest
Liebe: R: Unterbewertet
Winter: R: Teil eines Kreislaufs

Wunderbar, dann nochmals vielen Dank für dieses Interview.

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