Me And That Man w/ Dool

  • München, Backstage (Halle)
  • 05. April 2017

Mit seiner Band Behemoth steht deren Fronter Nergal in Festival-Billings weit oben und füllt auf Tour große Hallen. Der Personenkult um den Polen reicht allein jedoch scheinbar nicht aus, seinem neuen Bluesrock-/Country-Projekt ME AND THAT MAN auch gleich zu übermäßiger Popularität zu verhelfen: Während nebenan im Backstage Werk das Metal-Gespann aus Arch Enemy, Lacuna Coil und The Haunted vor ausverkauftem Haus aufspielen, ist die Backstage Halle sogar vorsorglich auf zwei Drittel der Hallengröße abgehängt, damit der Zuschauerraum nicht gar so leer aussieht.

Tatsachlich sind es vielleicht 80 Leute, die um 20:00 Uhr vor der Bühne stehen – und das, obwohl die Vorband DOOL als heißer Newcomer der Doom-Szene gefeiert wird und sich aus Musikern niederländischer Dark-Rock-Instanzen wie Elle Bandita, The Devil’s Blood und Gold zusammensetzt. Mit drei Gitarren plus Bass-Gitarre sind DOOL auch in Punkto Besetzung überaus gut dafür ausgerüstet, ihre lauten, schweren Riffs abzufeuern. Gepaart mit Ryanne van Dorsts tiefer, klarer Stimme ergibt sich ein durchaus süffiges Gebräu – dennoch dauert es etwas, bis sich Band und Publikum eingegroovt haben. Trotz einiger cooler Momente können DOOL in 45 Minuten nicht vollends überzeugen: Mit der einen oder anderen Riffwiederholung weniger, vielleicht sogar mit nur zwei statt drei Gitarren, wäre die Musik der Niederländer vermutlich dynamischer – so jedoch wirkt das Ganze bisweilen etwas uninspiriert und langatmig.

Als um kurz nach 21:00 schließlich Nergal, John Porter und ihre beiden Mitmusiker bei ME AND THAT MAN die Bühne betreten, ist die Stimmung gleich eine andere: Zum einen ist die Zuhörerzahl mittlerweile auf rund 200 angewachsen, zum anderen vermag die Spielfreude der Truppe sogleich mitzureißen: Obwohl der Bluesrock mit Country-Einschlag von ME AND THAT MAN musikalisch nicht minder düster ist als der Doom der Niederländer, hat die Show ein ganz anderes Flair: Nergal wie auch Porter machen sich gar nicht erst die Mühe, sich ein breites Grinsen zu verkneifen – und wirken dadurch in ihrem Tun lässiger und souveräner als mit krampfhaft aufrechterhaltener Ernsthaftigkeit.

Wer das Debüt „Songs Of Love And Death“ zu schätzen weiß, kommt während der folgenden 80 Minuten voll auf seine Kosten: Vom Stück „Lies“ abgesehen, geben ME AND THAT MAN ihr komplettes Album zum Besten. Höhepunkt der Show ist dabei definitiv das Akustik-Set, bestehend aus „Of Sirens, Vampires And Lovers“, „Cross My Heart And Hope To Die“ und dem Album-Rausschmeißer „Submission“. Weil das begeisterte Publikum nach dem Ende des regulären Sets mit „Love & Death“ natürlich noch lange niemand genug von den sympathischen Herren und ihrer simplen, und doch so stimmigen Musik hat, gibt es mit einem Cover von John Porters „Refill“ sowie dem Post-Punk-/New-Wave-Klassiker „Psycho Killer“ von den Talking Heads schließlich nochmal Nachschlag. Gerade bei letzterem ist es vor allem der Spaß, den Nergal und Porter gemeinsam auf der Bühne haben, der den Reiz der Interpretation ausmacht.

Setlist ME AND THAT MAN

  1. My Church Is Black
  2. Nightride
  3. Magdalene
  4. Voodoo Queen
  5. Ain't Much Loving
  6. Get Outta This Place
  7. One Day
  8. Better The Devil I Know
  9. On The Road
  10. Shaman Blues
  11. Of Sirens, Vampires And Lovers (akustisch)
  12. Cross My Heart And Hope To Die (akustisch)
  13. Submission (akustisch)
  14. Love & Death
  15. ---
  16. Refill (Porter-Band-Cover)
  17. Psycho Killer (Talking-Heads-Cover)


Dass ME AND THAT MAN – zugegeben mit harter Metal-Konkurrenz im Werk nebenan – heute kaum 200 Leute ziehen, ist bei Nergals Popularität und der Qualität des Debüt-Albums überraschend. Für die, die gekommen sind, schmälert das das Konzerterlebnis freilich nicht: In der intimen Atmosphäre der abgehängten Backstage Halle spielen ME AND THAT MAN eine mitreißende Show, die nur hoffen lässt, dass das erste Album „Songs Of Love And Death“ nicht zugleich auch das letzte dieser spannenden Kollaboration zwischen Behemoth-Fronter Nergal und Blues-Rocker John Porter bleiben wird.

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