Interview mit Vespasian und Horaz von Imperium Dekadenz

Nachdem bereits die Vorgängeralben „Dämmerung der Szenarien“ und „Procella Vadens“ mit Lob überschüttet worden waren, gaben IMPERIUM DEKADENZ mit ihrem aktuellen Album „Meadows Of Nostalgia“ die Antwort, auf die die Black-Metal-Welt gewartet zu haben scheint.Für alle von euch, die sich von der Band darüber hinaus auch nicht-musikalische Antworten wünschen, haben wir Deutschlands derzeit wohl angesagtestes Black-Metal-Duo mit Fragen zu Albumkonzept, Songs und der Entstehung des Werkes gelöchert. Doch lest selbst…


Hallo Vespasian, hallo Horaz… wie geht’s wie steht’s?
Vespasian: Gut geht’s! Wir kommen gerade vom Inferno Festival in Lausanne. Eine tolle Veranstaltung!

Was ich bislang so mitbekommen habe, überschlagen sich die Kritiker ja fast mit dem Lob für euer neues Album, „Meadows Of Nostalgia“. Habt ihr solche Reaktionen erwartet, oder überrascht euch das jetzt doch ein bisschen?
Vespasian: In der Tat sind die Reaktionen bislang fantastisch! Die Leute bemerken, dass wir einen großen Schritt nach vorne gemacht haben. Vor allem nehmen sie Notiz von der Leidenschaft, die wir in dieses Album gesteckt haben. Das freut uns wirklich sehr!
Wirklich überrascht bin ich aber nicht, da ich wirklich sehr von der Qualität unseres aktuellen Schaffens überzeugt bin. Wir haben uns wirklich den Arsch aufgerissen…das merken die Leute offenkundig! Wir sind in jedem Falle ob der Reaktionen hoch erfreut.

Was an dem Album direkt ins Ohr springt, ist der wirklich großartige Sound. Was habt ihr da dieses Mal anders gemacht? Schließlich habt ihr ja im gleichen Studio aufgenommen wie beim letzten Mal…
Vespasian: Nein, das letzte Mal haben wir die Aufnahmen in den Iguana Studios lediglich mixen und mastern lassen. Aufgenommen wir alles selbst.
Schon damals war klar, dass wir für das nächste Album den Christoph Brandes engagieren werden, da er uns mit seinen Arbeiten absolut überzeugt hat. So haben wir die Drums in den Iguana Studios aufgenommen. Gitarren, Bass und Synth haben wir in unserem Studio recorded. Zum Mixen und Mastern sind wir dann wieder zum Christoph gegangen. Er hat das Material perfekt in Szene gesetzt.

Wo seht ihr sonst Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten zwischen dem neuen Album und dem Vorgänger, „Procella Vadens“?
Horaz: Energie: MoN hat wesentlich mehr Energie, dunkle und rauhe Energie. Der Sound und die Performance spielen hier eine wichtige Rolle, aber sicher auch der Fakt, dass dieses Mal die großen Unglücke ausblieben und wir wesentlich akribischer gearbeitet haben. Die freigesetzten Ressourcen haben wir dann in das Songwriting stecken können. Das Ganze kommt dann wesentlich zielstrebiger und kraftvoller rüber als das „Procella Vadens“-Album.

Während Bands wie Todtgelichter dem klassischen Black Metal mittlerweile komplett abgeschworen haben, seid ihr eine der wenigen Bands, die diese Masche konsequent weiterführen. Ist gerade dieser geradlinige Black Metal der alten Schule mittlerweile eine Nische geworden, in der man sich zwischen all den (pseudo)progressiven Bands dieser Tage hervortun kann?
Horaz: Die Musik steck ja in uns, wir betreiben keine Suche in welcher Nische man sich platzieren könnte. Wir machen das was wir geil finden und ich vermute, IMPERIUM DEKADENZ wird immer einen Oldschool-Faktor haben, auch wenn zukünftige Alben etwas experimenteller werden könnten. Ich denke allerdings, dass gerade jetzt wo es so viele neue Einflüsse gibt, sich viele Leute nach dem alten Spirit sehnen. Vielleicht haben wir das mit MoN geschafft, aber da würden wir vielleicht lieber in 3-5 Jahren noch mal gefragt werden, wenn wir mehr Abstand bekommen hat.

Auch wenn ihr dieses Mal durchaus ein paar neue Sachen ausprobiert habt, ist „Meadows Of Nostalgia“ im Grunde ein sehr typisches IMPERIUM-DEKADENZ-Album: Wenn man euch ein bisschen kennt, hört man sofort, dass das ihr seid. Das kann man jetzt natürlich positiv als „eigenen Stil“ auslegen, aber auch negativ als eine Art „festfahren“. Wie stehst du dazu und siehst du das Risiko, ihr könntet euch über Kurz oder Lang wiederholen?
Horaz: Solche Gedanken macht man sich natürlich. Das Wichtigste ist, dass das Herz aus den Songs spricht und eben nicht solche Gedanken. Man kann die Klampfe in die Hand nehmen und bewusst und gesteuert auf etwas hinarbeiten, aber am besten und ehrlichsten wird Kunst wenn man der Sache einfach freien Lauf lässt. Ich denke, wenn man versucht sich stets um neue Inspirationsquellen zu kümmern und Experimente zulässt, wird man auch keinen Album-Klon schaffen. Songs wir „Der Unweg“ oder „Striga“ hatte wir noch nie und alle Stücke auf den Alben haben ja meinst immer einen ganz eigenen Charakter, daher sehe ich das relativ unproblematisch bei uns. Selbstkritisch sollten wir bei dem Punkt aber auf jeden Fall bleiben.

Welcher Song von „Meadows Of Nostalgia“ ist eurer Meinung nach der repräsentativste für das Album und warum? Habt ihr einen Lieblingssong?
Horaz: Im Grunde gibt es da keinen. „Aue der Nostalgie“ (der Titel-Song) trifft das Thema aus lyrischer Sicht aber recht gut und umfassend. Wir beide haben Lieblingssongs, dieser ändert sich aber wöchentlich. Momentan ist meiner „Tränen des Bacchus“.
Vespasian: Mein momentaner Favorit ist „Brigobannis“. Aber ich höre das Album eigentlich gerne am Stück, da die Songs wirklich gut ineinander übergreifen und ich wirklich jede einzelne Nummer ins Herz geschlossen habe.


Mir imponiert zugegebener Maßen am meisten der Chor in „Ave Danuvi“ – lange nichts von solch ausladender Epik gehört.
Wer hat das eingesungen, und wie plant ihr, das live umzusetzen? Ich könnte mir vorstellen, dass ein Chor-Sampel an dieser Stelle, ob der zentralen Bedeutung dieses Parts, das Risiko birgt, den Song kaputt zu machen…
Vespasian: Bei dem Chor war uns unser Freund Stefan Dittrich behilflich. Er hat ein Projektstudio, welche vor allem auf Filmmusik spezialisiert ist. Wir gaben im die lateinischen Lyrics und auch die Melodie vor. Mit Hilfe einer hundsteuren Chorlibrary konnte er mit enormen Aufwand den Chor realisieren. Das gute Stück ist also kein fertiges Sample gewesen.

Wie steht ihr generell zum Sampeln von Geräuschen und Effekten bei Live-Auftritten? Auf dem Album verwendet ihr ja diverse Geräusche von Band. Lasst ihr da live dann komplette Athmo-Sample-Tracks mitlaufen?
Vespasian: Hierzu muss ich sagen, dass nahezu alle Natursamples auf dem Album von Horaz im Schwarzwald selber aufgenommen wurden. Er ist immer wieder mit seinem ebenfalls hundsteuren Mikrofonset losgezogen und hat die Geräuschkulissen an den für uns wichtigen Orten eingefangen. Das Wasserrauschen bei „Ave Danuvi“ ist direkt am Ursprung der Donau mitgeschnitten worden. Die Schritte, das Atmen und das Vogelzwitschern im Intro „Durch das Tor“…du hörst wie Horaz durch den Schwarzwald wandert!
Aber zu deiner Frage: Wir planen in naher Zukunft einige Samples von der Bühne abzufeuern. Das bereiten wir gerade vor. „Ave Danuvi“ wäre ohne den Chor ja beispielsweise nur halb so schön, nicht wahr?

Typisch für IMPERIUM DEKADENZ ist ja nicht nur die Art der Riffs, sondern auch die Gitarrenstimmung. Auf was habt ihr eure Sechssaiter gestimmt? Glaubst du, viele Bands unterschätzen das Potential, das in einer anderen Gitarrenstimmung liegt? Die meisten Bands spielen ja doch in klassischer E-Stimmung oder allenfalls etwas tiefer gestimmt oder mit Drop-D oder dergleichen…
Vespasian: Meist sind unsere Klampfen in Drop-D gestimmt. Dann gibt es da noch eine Spezialstimmung für manche Gitarrenspuren. Diese werde ich aber an dieser Stelle nicht verraten. Die Arbeit mit zwei Gitarrenstimmungen und die Kombination der sehr unterschiedlichen Gitarrenstile von Horaz und mir…das ergibt summa summarum den eigenständigen Imperium-Gitarrenstyle.
Ich finde es enorm langweilig wenn Bands ausschließlich mit gewöhnlichen Powerchords arbeiten. Es gibt soviel mehr, was man mit Gitarren realisieren kann. Jeder sollte für sich einen individuellen Weg abseits aller Lehrvideos und Tabulaturen anderer Bands etc. finden.

Leider wurde bei der Online-Bemusterung versäumt, die Texte mitzuliefern – insofern bin ich leider, was das angeht, gänzlich ohne Kenntnis. Könntest du uns kurz das generelle Konzept des Albums sowie den Album-Titel erläutern?
Vespasian: Die Album Idee beziehungsweise das Konzept entstand durch die Erkenntnis, dass viele unserer Diskussionen um spezielle, gleichartige Themen kreisen und zumeist in der Ergründung des persönlichen Werdeganges liegen. Diese Themen haben zu meist einen nostalgischen Charakter, doch der Mehrwert ergibt sich aus der Feststellung wie sich damalige Entscheidungen, Gedankengänge, Emotionen und Schicksalsschläge auf den Status Quo unsers Lebens auswirkten.
Wir haben versucht die Eckpfeiler dieser Themen und Gedankengänge heraus zu kristallisieren und diese musikalisch und Lyrisch umzusetzen. Es ist aber auch eine Ergründung dessen, wie und warum wir mental zu der Kunstrichtung Black Metal gekommen sind, wie wir sie leben und interpretieren. Die einzelnen Stücke stehen beispielhaft für die 3 wichtigsten Themen:
– Romantisiert-geschichtliche, aber auch nostalgische Gedankengänge zu eigenen Lebenserfahrungen und der Leidenschaft zu antiker Geschichte.
– Naturverehrung im Hinblick auf ihre dunkle, mystische, geheimnisvolle und erhabene Seite des Schwarzwaldes.
– Eigene Träume, Vorstellungen, Ideen und Sehnsüchte, die unseren Lebensweg formten (und formen) und oft entfernt vom Verständnis unserer allgemeinen Gesellschaft liegen.
Ein Beispiel: „Ave Danuvi“ ist eine Ehrerbietung an die Donau, welche in Donaueschingen entspringt. „Brigach und Breg bringen die Donau zu Weg“! Die Brigach fließt in der Nähe meines Elternhauses entlang, die Breg direkt vor dem Elternhaus von Horaz. Dies kann man nun auf IMPERIUM DEKADENZ übertragen. Zusammen lassen wir etwas Kraftvolle entstehen, so wie die kleinen Flüße Brigach und Breg die kraftvolle und stolze Donau entstehen lassen.
Man darf dieses Album gerne als unser „Schwarzwaldalbum“ ansehen.

Ihr schreibt eure Texte auf Deutsch – auch das ist eher ungewöhnlich, wenn es mittlerweile auch deutlich mehr Bands gibt als früher, die sich beim Texten ihrer Muttersprache bedienen. Warum habt ihr euch für Deutsch als Lyric-Sprache entschieden, und wie steht ihr als Band, die auf das lyrische Konzept Wert legt, zu dem Problem, dass nicht-deutschsprachige Fans eure Texte deshalb nicht verstehen?
Vespasian: Horaz textet am liebsten auf Deutsch, ich lieber auf Englisch. Wir lassen uns da nicht limitieren. Im übrigen haben wir kürzlich die englischen Übersetzungen der deutschen Texte online gestellt. Kann man sich auf unserer HP (www.imperium-dekadenz) downloaden! Eine bewusste Entscheidung für eine Sprache gibt es nicht. Jede Sprache wirkt tonal anders und kann somit als gewinnbringendes Element für einen Song eingesetzt werden.

Das Albumcover reiht sich sehr schön an das von „Procella Vadens“, finde ich. Ist das Zufall, oder habt ihr darauf geachtet, dass die Cover zusammenpassen? Wer hat das Bild gemalt, und ist es extra für das Album entstanden, oder handelt es sich um ein Werk, das ihr für das Album lediglich „adaptiert“ habt?
Horaz: Das Original Bild ist ein Foto vom Anfang des letzten Jahrhunderts und zeigt einen reisenden Händler. Da das Bild eine sehr schlechte Qualität hat, wurde von Simon Bossert dem Ganzen mehr Tiefe verliehen. Er hat das gesamte Artwork für uns gemacht und wir sind sehr sehr zufrieden damit. Zwischen dem „Procella Vadens“-Cover und diesem gibt es keine Verbindung, doch wir achten stets darauf, dass ein Cover auch eine Geschichte zu erzählen hat, so wie es die Songs auch tun. Zudem sollte es eine gewisse Tiefe im Sinne von Raum besitzen.

Was verbindet ihr mit dem Bild?
Vespasian: Nostalgie, Heimat, Leid, Stolz und Durchhaltevermögen.

Ihr habt einige Konzerte für dieses Jahr bereits bestätigt – wird es darüber hinaus auch eine echte Tour geben, oder bleibt es bei Einzelshows?
Vespasian: Wir sind frisch bei ICS Booking unter Vertrag genommen worden und sind sehr zuversichtlich, dass die Zusammenarbeit schon bald erste Früchte tragen wird. Eine Tour wird es in jedem Fall geben. Genaues kann ich aber noch nicht sagen.

Gibt es einen Auftritt, auf den du dich jetzt schon besonders freust?
Vespasian: Ich habe mich sehr auf das Inferno Festival in Lausanne gefreut und wurde nicht enttäuscht. Prinizpiell freue ich mich auf alle Konzerte, egal ob Festival oder Clubshow.

Neben IMPERIUM DEKADAENZ betreibst du ja noch das Projekt Saiwala – gibt es diesbezüglich neues, was einen Albumrelease angeht?
Wir sind weiterhin fleißig am Musikschreiben und erst kürzlich war Karin wieder bei mir, um neue Demoaufnahmen einzusingen. Es geht voran: Klar ist aber auch, das Saiwala aufgrund der IMPERIUM-DEKADENZ-Produktion erstmal hinten anstehen musste. Dass passte aber ganz gut, da Karin ohnehin Prüfungen zu absolvieren hatte. Wir wollen eine ausgereifte, mitreißende CD veröffentlichen, deshalb machen wir uns keinen allzu großen Druck.

Eure Live-Musiker sind ja geschlossen als Vargsheim aktiv. Hast du deren neues Album, „Erleuchtung“, schon gehört, und wie findest du die CD?
Ha, die Jungs haben mir erst gestern beim Proben das fertige Album mitgegeben. Jetzt kann ich mich mit dem kompletten Album befassen. Was ich bislang gehört habe, gefällt mir sehr gut. Wenn ich sehe, mit wie viel Herzblut die Burschen am Werk sind, macht mich das sehr zuversichtlich, dass Vargsheim einen guten Weg gehen wird!


Ok, das war es dann von meiner Seite auch schon wieder – wenn du noch etwas los werden willst, hast du dazu jetzt noch die Gelegenheit:

Vespasian: Im Namen von IMPERIUM DEKADENZ möchte ich mich bei allen Leuten da draußen bedanken, die unseren Alben lauschen und unsere Konzerte besuchen!
Bei dir, Mo, bedanke ich mich herzlich für dieses Interview!

Ich habe für eure Zeit und Antworten zu danken!
Beenden wir das Interview an dieser Stelle doch mit dem Metal1.info-Brainstorming. Was fällt dir zu diesen Begriffen als erstes ein:
Facebook:

Vespasian: Ein enorm wichtiges Medium für Bands um die Fans aus aller Welt zu erreichen. Ansonsten ein Tummelplatz für Leute mit Profilneurosen und ähnlichen Problemen.
Horaz: Ich HASSE Facefuck!
Frei.Wild:
Vespasian: Völlig uninteressant für geistreiche Menschen.
Horaz: Interessiert mich überhaupt nicht.
Italien:
Vespasian: Ave Pompeij!
Horaz: Nächstes Jahr wieder hin und weitere Monumente bereisen.
Metal1.info:
Vespasian: schaue ich fast täglich rein!
Horaz: Ich bin prinzipiell ganz selten auf Online Magazinen unterwegs.
Fußball:
Vespasian: Bayern = Meister, Freibier am Marienplatz
Horaz: Eine persönliche Bindung zum SC Freiburg, aber sonst wenig Interesse.