CD-Review: Imperium Dekadenz - Dis Manibvs

August 2016

Besetzung

Horaz - Gesang, Gitarre, Synthesizer
Vespasian - Schlagzeug, Gitarre, Bass, Synthesizer

Tracklist

01. In Todesbanden
02. Only Fragments Of Light
03. Still I Rise
04. Dis Manibvs
05. Pantheon Spells
06. Vae Victis
07. Volcano
08. Somnia
09. Pure Nocturnal Rome
10. Seikilos


Nach den zwei erfolgreichen Alben „Procella Vadens“ und „Meadows Of Nostalgia“ kehren IMPERIUM DEKADENZ aus dem Schwarzwald mit fünften Studioalbum „Dis Manibvs“ (deutsch: Zum Gedenken) zurück. Bisher lebte der musikalische Output des Duos von majestätischen Melodien, nordischer Black-Metal-Attitüde und fragilen, akustischen Einschüben. Diesen Merkmalen wurde laut beiliegendem Promotext im Jahr 2016 eine progressivere Note hinzugefügt, die dem Werdegang von Horaz und Vespasian zum nächsten Schritt verhelfen soll.

Das stimmungsvolle Artwork von Francesco De Luca erinnert zuerst an einen Blick Richtung nächtlichen Himmel, der sich aus Wolken, Sternen und dem Mond zusammensetzt. Beim zweiten Hinsehen entdeckt man die Form eines Ungetüms, das sich aus diesem vermeintlich harmonischen Gebilde zusammensetzt. Musikalisch bieten die beiden Musiker zwar ein massives und nicht immer leicht greifbares Konstrukt, das sich aber glücklicherweise nicht als monströses Untier himmlischen Ursprungs entpuppt. Verzerrte Stimmen im Intro lassen dieses zwar kurrzeitig verbal zu Wort kommen, was im anschließenden „Only Fragments Of Light“ aber keine weitere Rolle mehr spielt. Abwechslungsreiche Drums liefern die Grundlagen für gleichermaßen wuchtige und doch melodiöse Gitarrenarbeit, während der Gesang keifende Akzente setzt. Bereits hier ist der typische Sound der Baden-Württemberger leicht zu erkennen, den man vor allem auf dem Vorgänger stellenweise vermisste. Neben weit ausholenden Instrumentalpassagen, die oftmals das Tempo drosseln und sich so (fast) dem Doom-Bereich zuordnen lassen bestechen die Gesangsspielereien im besonderen Maß.

Wo bei den bisherigen Releases Black-Metal-Screams und gesprochene Momente dominierten, kommen jetzt ebenfalls Klargesang und Männerchöre (z.B. „Volcano“) zum Einsatz. Während aufgrund ihrer Überlange innerhalb der einzelnen Songs viel Abwechslung angeboten wird, entfaltet sich der wahre Zauber der Kompositionen durch langgezogene Einheiten, die nur von minimalen Variationen unterbrochen werden. Die Produktion tut ihr übriges, um diesen mystisch-düsteren Charakter gekonnt zu unterstreichen. Dabei gelingt sie klar und doch nicht steril, was die nordisch-unterkühlte Stimmung deutlich unterstützt und so die gewisse Portion Räudigkeit mit sich bringt. Die proklamierte progressive Ausrichtung allerdings manifestiert sich nur in kleinen Merkmalen wie dem einsetzenden Donnergrollen in „Volcano“ und bleibt somit eine Randnotiz.

IMPERIUM DEKADENZ haben mit „Dis Manibvs“ ein stimmungsvolles Gesamtwerk erschaffen, das eben als solches verstanden werden will. Dabei sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Titeln meist nur marginaler Natur, tragen aber deutlich zur Auflockerung bei. Die Band hat ihren Stil gefunden und trägt den Weg der Vorgänger gekonnt weiter. Leichte Kost wird der nordisch geprägte Schwarzmetall von Horaz und Vespasian sicher nie werden, er lebt aber auch vielmehr von seiner geballten atmosphärischen Kraft und diesbezüglich hat „Dis Manibvs“ einiges zu bieten.

Bewertung: 8 / 10

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