Interview mit Takaakira „Taka“ Goto von Mono

Wenige Bands haben ein Genre so perfektioniert und mitbestimmt wie MONO den Post Rock. In unserem Gespräch auf ihrer Tour mit Sólstafir und The Ocean erklärt uns Songwriter Taka, warum sie das Label „Post Rock“ selbst für sich ablehnen, spricht über die aktuelle Split mit The Ocean, die letzten beiden MONO-Alben sowie über die nächstes Jahr anstehende Veröffentlichtung, und erläutert seine Liebe zu klassischer Musik.

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Ihr seid jetzt ungefährt an der Hälfte eurer gemeinsamen Tour mit Sólstafir und The Ocean angelangt. Wie läuft es denn bisher?
Es ist echt gut. Es ist schon ein bisschen seltsam, jeden Abend vor einem so unterschiedlichen Publikum im Vergleich zu sonst zu spielen, da es echt eine lange Zeit her ist, dass wir nicht Headliner waren, aber es ist wirklich toll! Ich bin wirklich dankbar, diese Möglichkeit zu haben, auch weil die anderen beiden Bands mit Gesang spielen und wir als instrumentale Band dazwischen auftreten, das ist ziemlich cool.

Würdest du sagen, dass es jeden Abend ein bisschen unterschiedlich ist, wegen welcher Band das Publikum da ist? Es ist ja doch ein sehr gleichwertig besetztes Tourpackage.
In manchen Städten ist es schon so, dass wir uns einen großen Teil des Publikums teilen, in anderen Städten ist es manchmal schwierig, da uns dort viele das erste Mal sehen. Aber ich hoffe, dass wir einige davon überzeugen können.

Kanntet ihr denn Sólstafir und The Ocean schon vor dieser Tour?
Sólstafir haben wir uns vorher auf jeden Fall angehört, aber kannten sie nicht persönlich. The Ocean kennen wir schon länger, da einer der Jungs ja auch der Chef unseres Labels in Europa ist.

[In diesem Moment betritt Aðalbjörn Tryggvason von Sólstafir den Raum, blickt kurz irritiert umher und entschuldigt sich für die Störung, worauf Taka ihn lachend dazu einlädt, sich dazu zu setzen. Aðalbjörn schnappt sich allerdings nur kurz sein Handy, verbeugt sich mehrere Male zur Entschuldigung und schließt die Tür hinter sich.]

Mono

Wie würdest du denn generell die Atmosphäre auf dieser Tour im Vergleich zu euren Soloshows beschreiben?
Es ist wirklich vollkommen unterschiedlich. Ich musste bei den letzten Konzerten oft an unsere erste Tour in den USA denken, als uns noch niemand kannte und wir dann auch härter gespielt haben. Wir müssen uns da echt ganz auf uns selbst konzentrieren, aber dann läuft es wirklich immer gut.

Spielt ihr denn wirklich härter als bei euren Headlinershows?
Ja, ein bisschen schon, wir spielen eben mit zwei Bands zusammen, die wirklich richtigen Metal spielen. Wir haben ja auch den Plan, nächstes Jahr ein neues Album zu veröffentlichen, das vermutlich in Teilen deutlich härter klingen wird als bisher. Wir werden auch, neben „Death In Reverse“ von unserer Split mit The Ocean, einen weiteren neuen Song spielen.

Zumindest in München spielt ihr ja eine deutlich größere Halle als gewöhnlich, ich nehme an, dass das auch bei den anderen Konzerten dieser Tour so ist. Wie fühlt es sich an, auf einer größeren Bühne zu stehen?
Ja, es ist überall so. Das Ding ist, uns interessiert es nicht wirklich, wie groß die Bühne ist auf der wir spielen. Klar, wenn ich im Publikum wäre, fände ich es cooler, uns in einem kleinen Club zu sehen. Weil es intensiver ist. Aber auf der Bühne ist es eigentlich das gleiche Gefühl.

Habt ihr ein spezielles Verhältnis zu Deutschland? Ich habe das Gefühl, dass ihr ziemlich oft hier auftretet.
Um ehrlich zu sein, war das mit uns und Deutschland eine schwierige Geburt. Es hat echt lange gedauert. Ich glaube, wir waren jetzt schon zehn Mal in Deutschland und die ersten fünf Male waren es pro Abend dann maximal 50 Leute, die zu unseren Konzerten gekommen sind. Nach 2007 hat das dann immer mehr zugenommen, die letzte Tour war dann schließlich absolut großartig was das betrifft und diese Tour… wir werden sehen! (lacht) Es ist einfach komplett anders. Aber das wollen wir ja auch!

Mono-TheOcean-Transcendental-coverLass uns doch ein bisschen über eure letzten Veröffentlichungen sprechen: Ihr habt mit „Transcendental“ gerade eine Split mit The Ocean veröffentlicht. Wie kam die Idee zustande, mal wieder eine Split zu machen und warum mit The Ocean?
Wie ich vorher schon sagte ist Robin von The Ocean ja der Chef unseres Labels. Er hatte die Idee ein Splitalbum mit allen drei Bands dieser Tour zu machen, also auch mit Sólstafir. Leider waren sie dann zu beschäftigt, sodass das nicht geklappt hat und nur wir und The Ocean übrig geblieben sind, was dann auch leichter war, da wir auf dem gleichen Label sind. Gleichzeitig planen wir auch beide, nächstes Jahr neue Alben zu veröffentlichen, und fanden die Idee gut, auf diese Art so etwas wie einen Teaser für das neue Album zu zeigen.

Death In Reverse“ wird demnach auch auf dem neuen Album zu hören sein?
Ja, aber wir werden den Song dafür neu aufnehmen.

Wie weit ist denn das Songwriting schon fortgeschritten?
Wir haben alle Songs fertig geschrieben, aber aufgenommen ist bisher noch nichts. Ich denke, wir werden nächsten Frühling ins Studio gehen.

Wenn ich eure bisherigen Alben höre, habe ich immer eine Geschichte im Kopf dazu. Gibt es auch eine Geschichte hinter „Death In Reverse“? Wie wird das ins neue Album passen?
Es wird auf jeden Fall auch eine Geschichte auf dem neuen Album geben. Den Song zu erklären ist schwer, ohne zu viel zu verraten. Aber es geht grob darum, dass der Protagonist der Geschichte sich dazu entschieden hat, zu sterben, aber dann etwas gesehen hat und sich wünscht, dass es anders wäre… Den Rest würde ich gerne noch geheim halten. (lacht) Ich kann vielleicht noch so viel dazu sagen, dass wenn deine Seele stirbt auch dein Körper stirbt. Den Rest kann man dann nächstes Jahr erfahren.

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Weißt du zufällig, ob The Ocean thematisch ähnliches planen?
Ja, das ist aber wirklich ein totaler Zufall. Als sie uns das erzählt haben, waren wir wirklich baff. (lacht)

Daher dann auch der Name der Platte, oder?
Genau so ist es.

Habt ihr denn eine Interpretation des Covers von „Transcendental“?
Ich glaube, das ist jedem selbst überlassen, aber die Entstehung war ganz witzig. Als wir den ersten Entwurf gesehen haben, Robin und ich, dachten wir beide, dass das einfach viel zu viel nach Metal aussieht. (lacht) Es gab dann vier verschiedene Entwürfe und einen Tag vor der Deadline hat er uns dann das jetzige Cover gezeigt.

Habt ihr auch Pläne, in der Zukunft eine Split oder Kollaboration mit einer anderen Band zu machen?
Es gibt noch keine spezifischen Pläne dafür, aber ich fände es super, wenn wir etwas gemeinsam mit Sólstafir machen könnten, ich hab mich wirklich in die Band verliebt. Auf dem letzten Album hatten wir ja einen Song mit der japanischen Hardcoreband Envy aufgenommen, das hat wirklich Spaß gemacht, weil wir auch befreundet sind und es sehr familiär war. Wenn wir das wieder tun könnten, würden wir das sicher machen. Nachdem Tetsuya [Fukagawa, der Sänger von Envy, Anm. d. R.] bei „The Hand That Holds The Truth“ geschrien hat, fände ich es aber spannend, das nächstes Mal mit jemandem zusammen zu arbeiten der singt.

Mono - The Last DawnEs ist jetzt ein gutes Jahr her, dass eure letzten beiden Alben respektive euer Doppelalbum „The Last Dawn“ und „Rays Of Darkness“ erschienen sind. Bist du im Rückblick zufrieden, wie die Alben klingen?
Als Künstler bin ich sehr zufrieden. Die Sache war, dass wir uns nach „For My Parents“ ganz auf einen neuen Sound fokussiert und uns von diesem Symphonie-Klangbild ganz bewusst abgewendet haben, da uns das zu langweilen begonnen und nicht mehr zufrieden gestellt hat. Wir hatten ja auch Shows gemeinsam mit einem Orchester in New York, London, Tokyo und in Australien, und seitdem habe ich angefangen, einen Weg zu finden, unseren Sound ohne das Symphonische zu variieren. Die beiden Alben haben das auf unterschiedliche Art und Weise ausgelotet und auf dem nächsten Album wird es wieder ganz anders klingen. Ich sehe das Doppelalbum daher als Prozess. Die meisten Post-Rock-Bands klingen einfach so ähnlich und ich möchte wirklich anders klingen, insofern müssen wir schauen, wie wir das am besten schaffen und uns weiterentwickeln.

Ihr habt eure letzten beiden Alben gleichzeitig, aber einzeln veröffentlicht. Siehst du die beiden Alben dennoch als ein Ganzes an?
Ich hatte zunächst überhaupt nicht die Idee, ein Doppelalbum zu veröffentlichen. Aber dann hatte ich zehn Songs geschrieben und die Versuche, das ganze als ein Album zu kombinieren haben einfach nicht funktioniert. Dann habe ich entschieden, dass es ein „schwarzes“ und ein „weißes“ Album sein sollte, ein bisschen wie eine Münze.

Wie entstehen eure Songs denn generell, nachdem du jetzt schon häufige davon gesprochen hast, dass du die Songs schreibst?
Im Normalfall mache ich die Demos komplett alleine fertig. Ich gehe da so heran wie ein Komponist bei klassischer Musik, es sind dann alle Instrumente bereits vollständig komponiert. Danach üben wir dann gemeinsam und wenn es Probleme gibt, dann reden wir darüber und lösen sie. So funktioniert das bei uns.

Mono - Rays Of DarknessWurden die Songs für „Rays Of Darkness“ denn nach den Songs für „The Last Dawn“ geschrieben? Ich frage, da die Stimmung der einzelnen Stücke immer düsterer wird.
Ja, das war wirklich so. Ich war ein bisschen vorsichtig, als ich die Stücke geschrieben hab. Ich weiß nicht, wie ich das am besten beschreiben soll, aber ich war wirklich in kompletter Dunkelheit zu der Zeit. Und dann habe ich mich gefragt: „Taka, was machst du jetzt?“ und mein Verstand meinte dann einfach nur „Du musst das nicht mit dir herumtragen, lass das ganze Chaos raus!“ Und das habe ich mit „Rays Of Darkness“ versucht.

Ihr habt ja oft Konzepte für eure Alben, besonders bei „Hymn To The Immortal Wind“ und „Walking Cloud And Deep Red Sky, Flag Fluttered And The Sun Shined“ war das ja sehr massiv, und du meintest ja auch schon, dass ihr für das neue Album wieder etwas geplant habt. Zumindest bei von mir genannten Alben hat es auf mich so gewirkt, als hätte euch die japanische Kultur sehr beeinflusst, aber vielleicht ist das auch nur eine westliche, europäische Perspektive?
Lustig, dass du das sagst, ich empfinde das gar nicht so. Aber gleichzeitig ist es auch total super, da es in gewisser Weise auch mein Ziel ist, unseren Hörern den Japanischen Himmel zu zeigen. Bei mir war das so bei meinem Lieblingskomponisten, der russische Komponist Rachmaninoff. Immer wenn ich seine Stücke gehört habe, habe ich diesen dunklen russischen Himmel vor meinem inneren Auge gesehen. Insofern, wow, großartig dass ich das erreicht habe!

Was würdest du denn selbst als größten Einfluss auf eure Geschichten und Konzepte nennen?
Es ist zu einem sehr großen Grad mit meinem Leben verknüpft. Ich bin wirklich unsicher und wirklich extrem sensibel. Darüber hinaus ist es glaube ich der Schnee, der mir eine große Inspirationsquelle ist. Ich liebe Schnee. Schau dir unsere Songtitel an, „Lost Snow“, „Pure As Snow“, „Ashes In The Snow“ –  mensch, wir haben echt ganz schön viel Schnee auf unseren Alben. (lacht)

Wird es dann auch einen Schnee-Song auf dem neuen Album geben?
(grinst und nickt)

Wirklich?
(lacht) Ich weiß es noch nicht.

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Du hast ja vorhin schon darüber gesprochen, dass ihr euch von anderen Post-Rock-Bands abgrenzen wollt, gleichzeitig bekommt ihr dieses Label ja auch oft verpasst. Würdest du MONO als Post-Rock-Band beschreiben?
Nein, würde ich nicht. Als wir angefangen haben, gab es diesen Begriff noch gar nicht. Erst nach 2002 hat sich das so entwickelt, dass Leute das gesagt haben. Jetzt gibt es ja wirklich Millionen von Bands, die so klingen und die sich so bezeichnen und ich weiß nicht… ich will mich da wirklich aktiv abgrenzen.

Hörst du überhaupt aktiv viel Post Rock?
Nein, überhaupt nicht. Ich höre unglaublich viel Beethoven, schau, sogar das Tattoo hier auf meiner Hand ist ein Zitat von Beethoven.

Wenn wir gerade von klassischer Musik sprechen: Du hast ja dieses Jahr mit „Classical Punk & Echoes Under The Beauty“ dein erstes Soloalbum veröffentlicht, das aus Songs besteht, die du vor mehr als zehn Jahren geschrieben hast. Wieso hast du sie erst nach so langer Zeit veröffentlicht?
Ich habe die Songs damals einfach nur für mich geschrieben und habe sie dann irgendwann gemeinsam mit einem guten Freund wieder angehört, der dann meinte: „Hey, warum veröffentlichst du das denn nicht?“ Daraufhin habe ich die Songs meinen Labels auf den verschiedenen Kontinenten geschickt und alle meinten, dass ich das wirklich veröffentlichen sollte. Es gibt aber auch einen weiteren Grund, warum ich das veröffentlicht habe: Wie ich gerade gesagt habe, bin ich wirklich ein großer Verehrer von Beethoven und habe wirklich alle Stücke gehört, die er komponiert hat. Gleichzeitig würde ich so gerne noch mehr von ihm hören. Jetzt denke ich mir, vielleicht 200 Jahre von jetzt, wird es Leute geben, die sich denken werden: „Mensch, ich würde echt noch gerne mehr von Taka von MONO hören.“ (lacht) Weißt du, das Leben ist so kurz, ich möchte wirklich etwas zurücklassen.

Takaakira 'Taka' Goto - Classical Punk And Echoes Under The BeautyHast du die Songs denn in erster Linie für dich geschrieben oder geplant, diese auch mit MONO zu spielen?
Hm, ich weiß es gar nicht, ich werde mal meine Bandkollegen fragen. Wir sind ja wie eine Familie. (lacht)

Planst du dann auch, mehr als Solokünstler zu veröffentlichen?
Ja, ich denke schon. Ich liebe die Kunst einfach.

Ein schönes Schlußwort. Vielen Dank für deine Zeit, Taka!