Mono - Pilgrimage Of The Soul Cover

Review Mono – Pilgrimage Of The Soul

MONO sind schon so etwas wie die Meister des Crecendos im Post-Rock: Kaum eine Band zelebriert die Dynamik der Musik, den Kontrast zwischen laut und leise, derartig exzessiv, was zwar einerseits einen durchaus hohen Wiedererkennungswert zur Folge hat, andererseits jedoch von Kritikern als ständige uninspirierte Wiederholung ein und desselben Strickmusters wahrgenommen wird. „Pilgrimage Of The Soul“ ist das elfte Studioalbum der Japaner in 22 Jahren Bandgeschichte – die Frage, inwieweit es hier etwas Frisches oder gar Neues auf die Ohren geben kann, ist also durchaus berechtigt.

Nun sind MONO nicht unbedingt für extreme Stilbrüche bekannt, geschweige denn dass jemand wirklich erwartet, dass die Band sich in irgendeiner Form neu erfindet – aber es bei dieser Aussage zu belassen, wird dem Gesamtwerk der Musiker um Takaakira Goto einfach nicht gerecht. Gerade in den letzten Jahren hat es so etwas wie eine Weiterentwicklung gegeben, wenn auch subtil: So endete schon auf dem letzten Album „Nowhere Now Here“ nicht jeder Song im MONO-typischen Crescendo-Noise-Geballer, elektronische und klassische Elemente rückten mehr in den Fokus und auf einer Nummer gab es sogar Gesang zu hören – ein völliges Novum im MONO-Universum.

„Pilgrimage Of The Soul“ setzt diese Entwicklung ohne Frage fort, klingt dabei aber in Sachen Produktion etwas schroffer als der Vorgänger. In den lauten Passagen ist das Klangbild extrem dicht und subjektiv laut (unabhängig von der tatsächlichen Abhörlautstärke) – dies war auch schon auf dem diesjährigen LIve-Album „Beyond The Past“ hörbar und spaltet die Fangemeinde. Konzeptionell macht diese Produktion vielleicht aber auch Sinn: Die letzten MONO-Longplayer klingen alle ziemlich live und auf der Bühne ist das Quartett für seine unfassbare Lautstärke und Intensität berühmt-berüchtigt und vielleicht sind es genau diese Qualitäten, die Steve Albini im Studio einzufangen versucht hat.

Während Songs wie die Vorab-Single „Riptide“ (mit seinen Stakkato-Drums durchaus ein Ohrwurm) oder der „The Auguries“ eher dem klassischen MONO-Leise-Laut-Schema folgen, überraschen andere Songs wie „Imperfect Things“ mit seiner elektronisch geprägten erste Hälfte oder die neo-klassischen, streichergetragenen Stücke „Heaven In A Wild Flower“ und „And Eternity In An Hour“ durchaus positiv und machen „Pilgrimage Of The Soul“ zu einem der abwechlungsreicheren Longplayer in der 22-jährigen Bandgeschichte.

So ist es MONO unterm Strich ein weiteres Mal gelungen, einerseits bereits bekannte Qualitäten zu bewahren, andererseits jedoch durchaus Kleinigkeiten zu verändern – sei es im Songaufbau oder in der Instrumentalisierung. Das steht der Band gut zu Gesicht und erinnert in manchen Momenten auch an Genre-Kollegen wie Sigur Rós oder Mogwai, ohne dass die Japaner dabei plump abkupfern. Der geneigte Post-Rock-Fan sollte und wird in jedem Fall reinhören und sich vermutlich auch nicht an der rauen und dadurch ungewohnt ehrlichen Produktion stören – ist ja auch eine tolle Platte.

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Wertung: 8 / 10

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Ein Kommentar zu “Mono – Pilgrimage Of The Soul

  1. Können wir wenigstens kurz über dieses spektakulär hässliche Cover sprechen? Wie kitschig und zugleich trashig geht es denn bitte?! :D

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