Interview mit Jukka Pelkonen von Omnium Gatherum

OMNIUM GATHERUM gehören schon lange zur Speerspitze modernen Melodic Death Metals. Auch wenn ihr neuestes Album „Grey Heavens“ sich ein wenig Kritik gefallen lassen muss, ist es doch ein (vor allem qualitativ) beachtliches Album geworden. Genaueres über Texte und Musik der Platte, wie die Band zu Insomnium steht sowie die Selbstbezeichnung „Adult Orientated Death Metal“ erfahrt ihr in folgendem Interview mit Frontmann Jukka Pelkonen.

omnium gatherum1Im Februar erschien euer neues Album „Grey Heavens“, auf dem ihr euren charakteristischen Stil weiter fortführt. Wo siehst du denn die Unterschiede zu den bisherigen OMNIUM-GATHERUM-Alben?
Grundsätzlich wollten wir dieses Mal dort weitermachen, wo wir auf „Beyond“ aufgehört hatten, allerdings auf eine etwas schnellere und düsterere Weise (damit beziehe ich mich auf das Musikalische, die Texte sind eine andere Geschichte und setzen dort an, wo „Beyond“ aufhörte). „Grey Heavens“ ist der natürliche Nachfolger unserer letzten zwei Alben. Das ist im Grunde unsere Art, Musik zu machen. Wir nehmen das Beste aus unseren älterer Alben, verfeinern es und fügen etwas Neues hinzu. Somit entsteht neue Musik, die aber immer noch die Trademarks von OMNIUM GATHERUM beinhaltet. Dies ist ein natürlicher Prozess, denn wir wollen unsere Musik weiterbringen, sie bleibt aber, wie gesagt, dem Hörer vertraut.

Gibt es auf „Grey Heavens“ ein durchgehendes Text-Konzept?
Ja, das gibt es. Wie schon die Musik sind auch die Texte der Alben miteinander verbunden und natürlich die Songs innerhalb eines Albums. So schreibe ich die Texte schon seit Jahren. Das ist für mich die natürlichste Art, Lyrics zu schreiben und es ist omnium gatherum2toll, dass Leute, die sich dafür interessieren, zwischen den Alben Verbindungen ziehen können. Aber nun zu den Texten auf „Grey Heavens“. Sie behandeln im Grunde die sich ewig wiederholende Unruhe des Daseins und das Gleichgewicht, das man trotz der Stürme finden kann. Alle Existenz ist dadurch verknüpft, dass alles seinen Weg gehen muss, trotz Veränderungen von Gefühlen und Situationen. Dennoch ist kein Pfad oder ein Ziel, sondern eher eine kreisförmige Lernkurve. Dieser größere Gedanke wird auf dem jeweiligen Song von einem bestimmten Blickwinkel betrachtet.

Diesmal habt ihr mit „Majesty And Silence“ nur einen längeren Track auf der Platte. Wonach entscheidet sich das, wie lang eure Tracks werden?
Das passiert sehr natürlich und grundsätzlich ist da nichts geplant. Es passiert einfach, dass ein längerer Song seinen Weg auf das Album findet. Wir haben mal gescherzt, dass es uns unser Unterbewusstsein befiehlt und vielleicht ist das sogar so, vielleicht aber auch nicht, wen kümmert’s? Meiner Meinung nach ist ein langer Song pro Album genau die richtige Menge, besonders auf diesem Album. Es ist schnell und ein längerer Song in der Mitte ist perfekt, um eine neue Atmosphäre zu schaffen und das Ganze etwas aufzulockern. Es hätte keinen Sinn gemacht, noch mehr lange Songs einzubauen.

Mein persönlicher Favorit ist „Frontiers“, die Strophen sind wirklich kraftvoll und der Refrain drückt ein Gefühl der Freiheit aus. Welcher ist denn dein Lieblingstrack auomnium gatherum5f „Grey Heavens“ und warum?
Danke sehr. Ich würde mich für zwei Songs entscheiden: „The Great Liberation“ und „Majesty And Silence“. Zwischen den beiden kann ich mich wirklich nicht entscheiden. „The Great Liberation“ ist schnell und catchy und ich liebe einfach die Strophen dieses Songs, also ist er definitiv einer meiner Favoriten. Aber „Majesty And Silence“ gefällt mir auch immer gut, wenn ich daran denke, vor allem der mittlere Part, wo ein bisschen Black Metal dazukommt. Ich mag auch den Refrain sehr gerne, er ist super-eingängig mit meiner Meinung nach wirklich guten Clean-Vocals.

Warum habt ihr euch gerade für „Skyline“ als Vorab-Single entschieden?
Dafür gab es keinen bestimmten Grund, wir dachten einfach, dass er sich gut dazu eignete, als Erstes veröffentlicht zu werden. Es war einer der ersten Songs, die fertig waren, was uns die Wahl auch etwas leichter machte. (lacht)
Wir dachten auch, dass es spannend wäre, ihn zu veröffentlichen, da er so anders war als die übrigen Tracks auf dem Album. Wir wollten, dass die Leute das Unerwartete erwarteten. „Skyline“ ist ein guter Midtempo-Track und außerdem ziemlich simpel. Das war auch einer der Gründe, ihn als ersten Song zu veröffentlichen.

Der Track erschien auch auf einer Split-EP, die ihr mit Insomnium veröffentlicht habt. Wie kamt ihr auf die Idee, diese Split-EP herauszubringen?
Ich denke, das war die Idee des Labels. Sie wurde zu der Zeit veröffentlicht, als wir mit Insomnium in Nord Amerika auf Tour waren. Es war also so eine Promotion-Sache. Wir fanden, es war eine coole Idee, so auch die Jungs von Insomnium. Die Leute scheinen sie auch zu mögen. Es wurden nur 500 davon angefertigt, ist also eine echte Rarität.

Ihr werdet generell oft mit Insomnium verglichen. Würdest du diesen Vergleich befürworten? Und was unterscheidet eure Musik denn von der von Insomnium?
Ja, der Vergleich zu Insomnium wird oft gezogen. Zum Teil stimme ich da zu, denn wir spielen beide Melodic Death Metal und haben eine ähnliche Grundstimmung in unserer Musik, aber ich denke, es gibt ein paar Unterschiede. OMNIUM GATHERUM sind in gewisser Weise komplexer als Insomnium. Wir beide haben eingängige Melodien, aber OMNIUM GATHERUM gehen generell etwas weiter. Natürlich will ich Insomnium damit nicht herabwürdigen. Beide Bands sind auf ihre Art toll. In OMNIUM GATHERUM wenden wir uns sowohl der hellen als auch der dunklen Seite der Existenz zu. Unsere Kumpel in Insomnium sind da eher auf der melancholischen Schiene. Natürlich bietet sich der Vergleich insofern an, als Markus (Vanhala, Gitarre) in beiden Bands spielt.omnium gatherum3

Clean-Vocals setzt ihr nur relativ spärlich ein. Nach welchen Kriterien geht ihr da vor, wann und warum kommen sie zum Einsatz?
Wir setzen nur eher wenig Clean-Vocals ein, da wir immer noch Death Metal bleiben wollen. Wir haben ohnehin schon einen einzigartigen Sound, also ist es gut, die Growls beizubehalten. Wenn wir Clean-Vocals einsetzen, dann, damit der jeweilige Song davon profitiert. Wir wollen sie nicht einfach hierhin und dorthin schmeißen, das würde keinen Sinn machen. Wenn wir sie einsetzen, dann immer aus gutem Grund. Das ist immer eine Sache der Stimmung und des Gefühls. Wenn wir die Songs produzieren, diskutieren wir immer sehr überlegt, wo wir Cleans einsetzen und wo nicht. Manchmal sind wir uns nicht einig, deshalb gibt es zwischen uns einen natürlichen Dialog, so wie es sein sollte, denn wir diskutieren natürlich auch andere Dinge. Ein Track funktioniert am Besten, wenn es einen offenen Dialog gibt und man von dort aus weitermacht.

Ihr bezeichnet eure Musik als „Adult Orientated Death Metal“. Warum?
Das fing eigentlich damit an, dass wir herumgealbert und uns überlegt haben, was für Musik wir abgesehen von Melodic Death Metal machen. Es beschreibt unsere Musik ganz gut, aber es schwingt noch etwas Humor mit. Aber man muss bezüglich des Genres nicht genauer ins Detail gehen. Es ist Melodic Death Metal, so einfach ist das.

Gibt es auch andere Bands, die ihr so kategorisieren würdet?
Würde ich nicht sagen. (lacht)

Was sind eure Pläne für die nächste Zeit bezüglich Live-Auftritten?
Nach dem Album-Release im Februar gehen wir in Finnland und dann in Europa auf Tour. Danach sind wir auf ein paar Sommer-Festivals hauptsächlich in Europa. Wir haben für dieses Jahr sogar noch mehr Tour-Pläne, aber die werden erst zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben.

Was ist für euch von größerer Bedeutung: Gigs spielen oder neue Musik schreiben?
Das ist eine schwere Frage. Einerseits ist es wirklich aufregend, neue Songs zu kreieren, denn mit jedem einzelnen Track ist es eine einmalige Sache, also etwas ganz Besonderes. Andererseits gibt es kaum etwas Spannenderes, als live zu spielen. Beide Dinge geben einem so viel und unterscheiden sich stark voneinander. Deshalb ist es schwer, diese beiden Dinge miteinander zu vergleichen, sodass ich mich wirklich nicht entscheiden kann.omnium gatherum4

Besten Dank für das Interview. Zum Abschluss ein kurzes Brainstorming:
AOR: drei Buchstaben
„Shadows Of The Dying Sun“: gutes Album
Sonnenschein: Leben
Lieblingsalbum: Hab ich keines.
Blast-Beats: manchmal notwendig
Finnland vs. Schweden vs. Norwegen: Vergangenheit

Die letzten Wort gehören dir:
Danke euch und bleibt Metal!

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