CD-Review: Omnium Gatherum - Origin

Besetzung

Jukka Pelkonen - Gesang
Markus Vanhala – Gitarre, Klargesang
Mikko Kivistö – Bass, Klargesang
Aapo Koivisto - Keyboards
Atte Pesonen – Schlagzeug

Tracklist

01. Emergence
02. Prime
03. Paragon
04. Reckoning
05. Fortitude
06. Friction
07. Tempest
08. Unity
09. Solemn
10. In Front Of Me


Omnium Gatherzm - Origin (2021)

Geht es um die Speerspitze des finnischen Melodic Death Metal, fallen wohl vor allem immer drei Namen: Amorphis – auch wenn diese dem Genre inzwischen entwachsen sind -, Insomnium und OMNIUM GATHERUM. 25 Jahre sind seit Gründung Letztgenannter vergangen und dennoch stehen sie immer noch im Schatten der beiden größeren Namen, bei Insomnium ist Markus Vanhala allerdings ebenfalls als Gitarrist aktiv. Seit „The Burning Cold“ von 2018 die Hälfte der Musiker die Band verlassen hat, scheint die neue Besetzung nur noch mehr motiviert zu sein, ihren Sound weiterzuentwickeln und um neue Elemente zu bereichern.

Der instrumentale Opener „Emergence“ überrascht direkt mit einer interessanten Mischung aus Synthesizern, klassischen Heavy-Metal-Riffs und 80er-Jahre-Hard-Rock-Attitüde. „Prime“ als erster vollwertiger Song beginnt ganz in der Tradition vieler klassischer Melodic-Death-Metal-Hits mit treibendem Takt und einer mitreißenden Melodie. Vanhalas Gespür für ebenjene Melodien hebt OMNIUM GATHERUM aber von den Genrekollegen ab: Der Sound ist unheimlich dicht, emotional aufgeladen sowie verträumt und dabei unverschämt catchy. Beinahe ist das schon poppig, so gut gehen die Harmonien ins Ohr, zugleich aber auch so proggy, dass nach fünf und auch zehn Durchläufen immer wieder neue Details auffallen. Die Keyboards stehen immer gleichberechtigt neben Gitarre, Bass und Schlagzeug und bekommen oft Raum für eigene Parts und Soli. Das hätte kitschig werden können, wirkt bei OMNIUM GATHERUM aber immer organisch und einfach richtig. Jukka Pelkonen mit seinen rauen und zugleich warmen Growls fügt sich perfekt in den Gesamtsound ein.

Ein Song wie „Paragon“ ist im Grunde auch wieder eine dieser typischen, packenden Melodeath-Hymnen: Von Anfang an reißt der Song mit tollen Riffs und Melodien mit, die etwa an In Flames zur Jahrtausendwende erinnern. In den Strophen bauen OMNIUM GATHERUM gekonnt Spannung auf, um diese in einem klar gesungenen Refrain zu entladen. Dieser Refrain braucht dann auch gar nicht episch oder besonders groß zu sein, er präsentiert sich oft sogar eher bescheiden und leise. Das, wie auch die gesamte träumerische Grundatmosphäre machen diese Band einzigartig, dadurch verdient sie sich ihre Sonderstellung. Wenn „Reckoning“ mit Synthwave-Elementen spielt, das gemächliche „Fortitude“ sanfte Prog-Rock-Momente einwebt oder „Friction“ in seinem etwas direkteren Aufbau einen gemütlichen, direkt lieblichen Männerchor im Refrain spendiert bekommt, ist gewiss: Hier ist eine großartige und mutige Band am Werk. Mutig und vor allem überraschend ist auch die Wahl, „In Front Of Me“ der israelischen Psytrance-Band Infected Mushroom zu covern – der Mut zahlt sich aber aus, passt der Track doch erstaunlich gut ins OG-Soundgewand.

OMNIUM GATHERUM bieten keinen Melodic Death Metal, der kracht, scheppert oder überaus aufregend ist. Vielmehr ist „Origin“ eines der warmherzigsten, schwärmerischsten und beseeltesten Alben, die in diesem Genre zu finden sind. Dass seit dem Vorgängeralbum die halbe Besetzung wegbrach, hat OMNIUM GATHERUM anscheinend nicht geschadet. Vielmehr scheinen die Finnen in den letzten Jahren noch mehr zu ihrem Sound und ihrer Nische gefunden zu haben. Trotz der zuletzt schwierigen Zeit für die Band strahlt „Origin“ eine positive Stimmung aus, bietet sich gar wie ein wärmender Mantel der Umarmung an und drängt die sonst übliche Düsternis zurück. Der gestiegene Hard-Rock-Anteil im Sound macht „Origin“ erst recht zu einer besonderen Scheibe. Durch Vanhalas Gespür für aufwühlende, eingängige Melodien berührt das Album Herz und Seele und ist genau die richtige musikalische Begleitung für trübe Herbsttage.

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