Interview mit Rafael Salzmann von Eluveitie

Interviews werden in der Regel in der Promophase zu einem Album oder einer Tour geführt – und dann über diese Themen. Doch Alben und Shows gäbe es nicht, wären die Gesprächspartner nicht so begeisterte Instrumentalisten. In unserer Serie „Saitengespräche“ wollen wir dem Rechnung tragen – mit Interviews, die sich ganz um Instrumente, Verstärker, Effekte und andere Technik drehen. Von Gear-Nerds für Gear-Nerds – und solche, die es werden wollen.

In Teil 16 der Serie unterhalten wir uns mit Rafael Salzmann von ELUVEITIE.

Hallo und danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Alles gut bei dir?
Den Umständen entsprechend ist alles gut. Es sind nicht die besten Zeiten für Live-Musiker. Jedoch finde ich sehr viel Zeit für Dinge, die ich lange vor mir hergeschoben habe.

Wann hast du angefangen, Gitarre zu spielen?
Ich hab mit circa 18 angefangen. Vielleicht etwas früher. Doch ab da hab ich beschlossen, dass ich nichts anderes mehr machen will.

Was hat dich damals dazu gebracht, dass du Gitarre lernen willst?
Ich glaube, jeder Gitarrist oder Musiker hat ein Vorbild, das einen dazu bringt anzufangen. Bei mir waren das Jimi Hendrix und Jimmy Page. Ich wollte unbedingt lernen, so zu spielen.

(c) Irma Salzmann

Hast du vorher schon ein anderes Instrument erlernt bzw. erlernen müssen?
Ich wollte bereits mit sechs Jahren Gitarre lernen. Das durfte man aber damals nicht, ohne mindestens drei Jahre Blockflöte zu lernen. Das hab ich nicht so lange durchgehalten. Auch wenn ich das heute vielleicht sogar hätte brauchen können.

Weißt du noch, welches Modell deine erste Gitarre war?
Absolut. Ich habe sie auch noch. Es war eine Telecaster-Kopie der Marke Cherry. Sie hat mich damals, glaub ich, 150 Schweizer Franken gekostet. Das Lustige daran ist eigentlich, dass ich den Fehler gemacht habe, sie zu verkaufen. Ich habe es daraufhin schnell bereut, da man sein erstes Instrument nicht verkaufen sollte. Jahre später kam ein guter Freund zu mir und sagte, er hätte sich jetzt eine Telecaster-Kopie gekauft, weil er kein Geld für eine richtige hat. Und es war eindeutig meine erste Gitarre. So hat sie wieder zu mir zurückgefunden.

Wie viele Gitarren besitzt du?
Ich habe viele verkauft und wirklich nur die besten behalten. Trotzdem sind es noch 15.

Haben die Instrumente für dich unterschiedliche Einsatzbereiche, also hast du etwa verschiedene für unterschiedliche Bands oder Anlässe, etwa Studio, Live-Auftritte und den Urlaub?
Auf jeden Fall. Live ist es gut, ein Instrument dabeizuhaben, mit dem du alles machen kannst. Natürlich sieht das Setup auch von Band zu Band wieder anders aus. Im Studio ist es aber besser, möglichst viele Optionen zu besitzen.

(c) Irma Salzmann

Worauf legst du aus technischer Sicht besonderen Wert, welche Kriterien muss ein Instrument für dich erfüllen, damit du damit zufrieden bist?
Das kommt immer sehr auf das Instrument an. Ich kann sehr puristisch sein, wenn es um Instrumente geht. Ich mag aber auch sehr viel von den modernen Innovationen. Somit ändern sich die Kriterien von Instrument zu Instrument.

Man hört ja oft von Musikern, die eine spezielle Verbindung zu ihrem Instrument zu haben scheinen. Empfindest du das auch so? Hast du ein Lieblingsinstrument?
Absolut. Jedoch habe ich das nicht spezifisch auf ein Instrument. Ich hab das auf die ganze Vielfalt der Gitarren. Es ist etwas, das nie aufhört. Irgendjemand wird immer mit etwas Neuem kommen, das mich fasziniert. Aktuell spiele ich sehr viel die A24MF EXL von Zemaitis.

Hast du daran spezielle Modifikationen vorgenommen oder ist es sowieso ein Custom-Modell? Kannst du uns hier die technischen Details nennen?
Nein, an der nicht. Zumindest noch nicht. Es kann immer mal sein, dass ich einen Pickup tausche.

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Gibt es ein Modell, etwa das Instrument eines großen Vorbilds, das du gerne einmal spielen würdest?
Ich kann sagen dass ich so ziemlich alles schon angespielt habe. Jedoch gibt es einige neue Modelle, die mir noch fehlen. Zum Beispiel hatte ich an der NAMM dieses Jahr keine Zeit, die Abasi-Concept-Gitarren anzuspielen, was ich sehr gerne getan hätte.

Für Touren werden Verstärker ja oft geleast – ist das für dich in Ordnung oder hast du deinen eigenen Amp dabei? Welches Modell spielst du?
Wie die meisten Gitarristen spiele ich live im Moment einen Kemper. Ich verwende aktuell ein Profil von einem EVH 5150 von GGD.

Neben dem Instrument und dem Verstärker haben Soundeffekte einen wichtigen Anteil am Klang. Setzt du auf einzelne Tretminen, ein Multieffektboard oder eine Kombination?
Auch das kommt auf die Band an. Bei ELUVEITIE brauche ich nicht viel, also nehme ich sie vom Kemper. Bei anderen Bands habe ich ein Pedalboard mit einzelnen Effekten.

Lass uns ins Detail gehen: Erkläre uns doch bitte die Elemente deiner Effektschleife. Welche Geräte nutzt du, in welcher Reihenfolge geschaltet und warum?
Ich gehe von meiner Gitarre in ein Volume-Pedal von Ernieball, danach in ein Wahwah. Anschließend kommen alle Modulations-Effekte wie Chorus, Phaser, Tremolo und so weiter. Es folgen noch Fuzz, Distortion und Overdrive-Effekte. Delay und Reverb hängen am Schluss vor dem Amp oder noch lieber eingeschlauft. All dies einfach, weil es so am besten klingt oder ich so am wenigsten an Sound verliere.

Gedankenspiel: Du darfst nur einen Einzel(!)effekt mit auf die Bühne nehmen – für welchen entscheidest du dich? Welches Effektpedal macht deinen Sound aus?
Das wäre vermutlich ein Delay. Nicht, dass das meinen Sound irgendwie ausmachen würde, aber ich könnte wohl eine Show am ehesten spielen, wenn ich eine Gitarre, einen Amp und ein Delay hätte.

Hast du einen Effekt, den du ganz anders nutzt, als eigentlich vorgesehen, oder den du vielleicht sogar selbst (um)gebaut hast?
Eigentlich nicht.

Benutzt du ein Noise-Gate?
Ist in meinem Live-Setup drin, ja. Ich bin aber froh, wenn ich es nicht benutzen muss. Meist liegt es an den Venues, wie sehr ich es brauche.

Ist dein Effektboard „fertig“ oder in stetem Wandel?
Mein komplettes Setup ist stetig im Wandel. Wir leben in sehr innovativen Zeiten.

Hast du zum Abschluss noch einen Tipp für angehende Musiker?
Tipps sind immer schwierig, da sich jeder Musiker in anderen Phasen aufhält. Ich finde es wichtig, dass man immer hungrig bleibt und immer weitermacht. Dies kann sich auf Equipment, Songwriting und vieles mehr beziehen und gilt somit für jeden Musiker, in welchen Phase er sich auch befinden mag.


Im nächsten Teil der Serie kommt Ole Hartvigsen (KAMPFAR) zu Wort!


Die bisherigen Teile der Serie findest du hier:

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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