Interview mit Lasterbalk der Lästerliche von Saltatio Mortis

Wenige Wochen vor der Veröffentlichung ihrer neuen CD „Wer Wind sät“ antwortete Lasterbalk der Lästerliche stellvertretend für die Jungs von Saltatio Mortis bereitwillig via E-Mail auf unsere Fragen zum neuen Album.

Inhaltlich bewegt ihr euch mit „Wer Wind sät“ in ähnlichen Gefilden wie mit „Aus der Asche“, wenngleich die musikalische Ausrichtung etwas düsterer wirkt. Würdet ihr diese Ansicht teilen?
„Wer Wind saet“ knüpft nahtlos an die „Aus der Asche“ an. Ich denke, wir sind komplexer und ausgereifter geworden, ohne dabei die Eingängigkeit zu verlieren. Düsterer? Nein, das glaube ich nicht. Wir sind aber reifer und auch emotionaler geworden…

Wieso habt ihr euch entschieden, ausgerechnet für „Ebenbild“ euer erstes Musikvideo zu produzieren? Seht ihr darin euren derzeitigen Stil am besten repräsentiert?
Das war eher ein Zufall. Bei einer Besprechung mit unserem Filmteam wegen den Mitschnitten zum „Making of“ auf der Bonus DVD haben wir nebenbei ein bisschen in die neuen Songs reingehört und „Ebenbild“ blieb sofort hängen. Dirk, unser Filmguru, hatte sofort ein Video für das Lied im Kopf und nach einer halben Stunde Gespräch haben wir uns entschieden, das mal auszuprobieren.

Wie entstand die Zusammenarbeit mit Doro Pesch und der Song „Salome“?
Zunächst war „Salome“ eigentlich ohne Frauenstimme geplant. Zufällig arbeitete Bruder Frank im Studio mit einer befreundeten Sängerin und kam dabei auf die Idee, die Passagen wörtliche Rede mal mit einer Frauenstimme aufzunehmen. Nachdem wir alle schließlich Gefallen an der Idee eines Duettes gefunden hatten, stellte sich natürlich die Frage, wer sollte unsere Salome sein? Wir wollten eine Frau, der wir Salome abnehmen würde, und so kamen wir auf Doro. Ihr gefiel der Song sofort und damit war auch unser Pakt besiegelt.
Neben Doro ist in diesem Song auch noch Micheal Popp von Qntal zu hören, der uns eine fantastische Lafta eingespielt hat!

Auf euren früheren Alben waren die französischen Lieder wie z.B. „Choix de Dames“ vom Stil her ruhiger und fröhlicher. Mit „La Jument De Michao“ geht ihr nun genau den konträren Weg, denn ist es das schnellste und vielleicht auch aggressivste Stück auf dem gesamten Album. Für unsere französisch-unkundigen Leser: Um was geht es in diesem Song und wie kamt ihr auf die Idee?
Wir haben ja eine kleine Schwäche für alte Bretonen ;-) Im Ernst, wir haben eine ganze Menge Material aus dieser Gegend gesammelt und mögen die Melodien. Wie alle unsere Trads ist auch dieser mehr zufällig entstanden, als Alea (noch stark unter dem Einfluss eines langen Tourwochenendes) recht spontan an dem Song rumgespielt hat und so nach und nach immer mehr Ideen dazu gekommen sind. Letztlich geht es um ein Stute, die Jahr ein Jahr aus auf die Weide geführt wird und man den Fuchs, den Wolf und den Hasen singen hört.

Ist es euch bei diesem Stück wichtig, dass die Textbotschaft ankommt oder geht es mehr darum, dass die Leute abgehen, egal was da nun besungen wird?
Der Text ist ein Trad. Nun ja, hier stehen sicher die Melo und der Song etwas mehr im Zentrum als sonst bei uns üblich ;-)

Alea, inwiefern ist „Letzte Worte“ autobiografisch?
Alea? Nun, auch wenn es ungeschriebenes Gesetz scheint, dass alle Sänger auch die Texte schreiben, so ist das doch nicht immer so ;-)
Bei uns kommen die meisten Texte aus meiner Feder. Letztlich sind aber die auslösenden Momente für unsere Texte, Geschichten die das Leben schrieb. Da wir in der Band natürlich sehr viel miteinander leben und erleben, sind Texte wie „Letzte Worte“, auch wenn von mir in Worte gefasst, doch auch Situationen und Stationen aus unser aller Leben.Entstanden ist der Text auf einer Zugfahrt, als ich mir überlegte, wer wohl an meinem Grab über mich spricht und was diese Personen zu sagen hätten. Ich denke, es ist eine Art Zwischenbilanz, nicht traurig und auch nicht ernst, sondern einfach wahr…

Eure anderen Balladen wie „Tote Augen“ und „Nichts bleibt mehr“ sind ebenfalls sehr melancholisch und behandeln offenbar persönliche Themen. Auf und hinter der Bühne wirkt ihr die meiste Zeit sehr fröhlich und ausgelassen. Spiegeln diese Songs die unterschiedlichen Facetten bzw. die beiden Gesichter eurer Persönlichkeiten wider?
Ich glaube, kein Mensch ist nur fröhlich oder nur traurig! Warum sollte das bei uns anderes sein? Wir haben unsere schönen Momente mit Freudentränen in den Augen, sowie wir auch bittere Tränen aus Hass, Wut oder Trauer vergießen können. Ich glaube, man darf niemals den Fehler machen von der Bühne auf den Menschen hinter dem Musiker zu schließen. Das geht schief. Jeder von uns zeigt nur einen bestimmten Ausschnitt seiner selbst auf der Bühne und letztlich wird diese „Rolle“ der Komplexität des Charakters dahinter niemals gerecht. Was aber alles in uns passiert, zeigen sicherlich die Texte oft mehr als ein Lachen auf der Bühne…

Seht ihr Parallelen zwischen „Ebenbild“ und „Rastlos“, z.B. im Hinblick auf einen inneren Konflikt beim Protagonisten?
Nein. Die beiden Songs haben aus meiner Sicht nichts mit einander zu tun, jedenfalls nicht beim Schreiben der Texte. Das Schöne an der Lyrik ist aber, dass durch die lyrische Verfremdung die Texte allgemeiner und freier interpretierbar werden, jeder Hörer baut sich seine eigene Welt dazu und diese ist ja nicht schlechter als meine Intention beim Verfassen! „Ebenbild“ rührt aus einer längeren theoretischen Beschäftigung mit moderner Gentechnik her und ich sah es als Herausforderung an, ein derart neuzeitliches Thema in ein historisierendes Gewand zu verpacken und eben erst mit dem letzten Wort im Text die Geschichte zu erklären.
„Rastlos“ dagegen ist eine echte Introspektion. Ich bin schon sehr viele Jahre unterwegs, auch schon in der Zeit vor Saltatio Mortis. Da erlebt man viel und kommt vielleicht auch zu wenig zur Ruhe. Im Lauf der Jahre beginnt man aber sein ungezügeltes Reisen immer wieder zu hinterfragen und stellt fest, das unterwegs sein vielleicht nicht das Ziel alleine sein kann…

Was würdest du als deine wertvollste Erfahrung aus all den Reisen bezeichnen, die sich vielleicht auch auf dein Schaffen bei Saltatio ausgewirkt hat?
Vertraue dir selbst und gib niemals auf! Es gehört dazu hinzufallen, aber man darf nicht liegen bleiben!

Habt ihr bei „Miststück“ das Gedankengut von „Falsche Freunde“ weitergesponnen?
Nein, das ist eine ganz andere Baustelle! „Miststück“ war in den Stunden des Zorns einer missglücken Trennung geschrieben. Letztlich ist es aber wie so oft: Worte, die im Zorn gesprochen sind, haben oft deutliche Bilder, aber die Wahrheit dahinter ist sehr viel komplizierter und weit weniger eindeutig!

Ist „Manus Manum Lavat“ eure Abrechnung mit der momentanen wirtschaftlichen Entwicklung weltweit?
Das kann man so sehen, allerdings ist dieser Text eher zeitlos und schon lange vor der aktuellen Krise geschrieben worden. Ich glaube, das Thema ist so alt wie das verwendete Zitat…

Generell prangert ihr immer noch die gleichen Themen an, die euch an der Gesellschaft zu stören scheinen wie z.B. Lügen, Betrug und Korruption. Werdet ihr davon nicht langsam satt oder seht bzw. erlebt ihr immer noch so viel davon, dass euch das Material für neue Songs nicht ausgeht?
Naja, mal Hand aufs Herz: Über wie viele Themen sprichst du denn mit deinen Freunden oder über was regst du dich immer wieder auf? Wenn du das mal überdenkst, wirst du feststellen, dass es neben dem großen Thema der Liebe mit allen Freuden und Abgründen, eben genau die gesellschaftlichen Missstände, oder weitergefasst die Probleme des Zwischenmenschlichen sind, die einen bewegen. Wundert es da, dass ca. 90% der Texte in jeder Musik sich um diese beiden großen Themenblöcke drehen? Wie viele Lieder kennst du, die sich mit gescheiterter Liebe beschäftigen? Viele…
Und ist das schlecht? Ich glaube nicht. Wir schreiben Lieder, die aus dem Leben kommen und letztlich ist es auch das, was Spielleute schon immer getan haben. Sie haben Geschichten erzählt, die immer einen Bezug zu den Themen ihrer Zeit hatten, und um ehrlich zu sein, haben sich die Themen in den letzten 1000 Jahren nicht so dramatisch verändert!

Soll eure Musik primär die Hörer unterhalten oder ihnen auch eine Botschaft mit auf den Weg geben? Oder ist das von Song zu Song verschieden?
Das ist denke ich von Song zu Song verschieden. Am liebsten mag ich es aber, wenn der Hörer selbst entscheiden kann ob er sich nur unterhalten lassen möchte, oder ob er sich auf anderen Ebenen mit dem Lied auseinandersetzt. Ich möchte niemanden dazu zwingen, sich mit meinen Ansichten auseinanderzusetzen.

Der Titeltrack „Wir säen den Wind“ bildet bei euch den Abschluss des Albums. War das absichtlich so gewählt oder hat es sich einfach ergeben?
Das hat sich so ergeben, ist aber natürlich nicht wertend gemeint!

Lasterbalk, bei unserem letzten Interview Mitte 2008 hast du gesagt, dass SaMo nun aus Musikern besteht, die Spielleute im Herzen sind. Anfang des Jahres sind nun 2 weitere Bandmitglieder bei euch ausgestiegen. Wie kam es dazu?
Das eine schließt das andere ja nicht aus ;-)
Im Ernst, ich stehe auch nach wie vor zu meiner Aussage von einst und glaube, dass die beiden wirklich Spielleute im Herzen sind. Wenn aber ein gemeinsamer Weg, aus welchen Gründen auch immer, zu Ende geht, dann sollte man sich auf die vielleicht wichtigste Fähigkeit des Spielmanns besinnen – Abschied nehmen!

Betrifft diese wichtigste Eigenschaft auch den Umgang mit Frauen, den du in „Letzte Worte“ behandelst?
Ja, natürlich. Wenn es nicht mehr geht und wenn man schon zuviel Porzellan zerbrochen hat, dann denke ich ist es besser, sich zu verabschieden und eben nicht eine tote Beziehung künstlich am Leben zu erhalten. Unabhängig davon ist diese Passage genau keine Facette meines Lebens, auf die ich stolz bin, aber ich habe lange Jahre so gelebt und somit ist das ein Teil von mir, auch wenn ich mich mittlerweile verändert habe.

Wie kam es zu der Entscheidung, dass ihr zukünftig grundsätzlich als Sextett arbeiten wollt und keinen dauerhaften Ersatz für Cordoban und Thoron gesucht habt?
Das hatte mehrere Gründe. Zum einen waren wir in der Urbesetzung schon immer mit zwei mittelalterlichen Instrumentalisten, einem Sänger und einer Rockkapelle auf der Rockbühne unterwegs. Die kurzzeitige Erweiterung auf bis zu vier Dudelsäcke auf der Bühne, resultierte hauptsächlich aus Überlegungen wie wir unsere Akustikshow besetzen wollen. Letztlich hat sich aber gezeigt, dass wir sehr oft einfach nur die gleichen Stimmen gedoppelt oder sogar gedreifacht hatten. Als es schließlich zum Ausscheiden der beiden kam, haben wir uns einfach unseren Songbestand angeschaut und dann entschieden, was die Songs brauchen…

Wie beurteilt ihr die allgemeine Entwicklung in der deutschen Mittelalterszene innerhalb der letzten beiden Jahre, inklusive der neuen Alben von In Extremo, Subway to Sally und Schandmaul?Seht ihr momentan besondere Newcomer, denen ihr den Durchbruch zutraut?
Ohje, was für eine Frage! Wenn ich mich in unserer Szene so umschaue, dann fällt mir auf wie viele Menschen offensichtlich Lust an handgemachter Musik, ehrlichen deutschen Texten und dem besonderen Flair der Mittelaltermärkte haben. Das nun schon seit so vielen Jahren und scheinbar immer noch ungebrochen! Ich finde das großartig und bin letztlich froh und ein klein bisschen Stolz, Teil davon sein zu dürfen.

Könntet ihr euch auch vorstellen, eine reine Akustiktour mit eurem Rockmaterial abseits der mittelalterlichen Märkte zu veranstalten?
Ja, sehr gerne!
Gibt es dazu konkrete Planungen?
Jain. Wir werden auf den Märken immer mal wieder akustische Versionen unserer Rockstücke spielen…

Wann wird euer kürzlich angekündigter „Manufactum“-Nachfolger erscheinen?
Zu Beginn der Saison 2010.

Auf was dürfen sich eure Fans zu eurem 10-jährigen Jubiläum noch freuen?
Ich denke, wir werden endlich die lautstark geforderte DVD aufnehmen ;-)
Habt ihr dafür besondere Ideen bzw. Vorstellungen, wie diese DVD aussehen könnte?
Wir sind erst ganz am Anfang der Planung…

Bitte vervollständigt kurz spontan die folgenden Sätze:
Wenn man Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein alleine in der gemischten Sauna begegnet, dann…
… würde ich rennen. Schnell. Weit.

Mittelalterliche Märkte ohne Met und Dudelsackmusik wären wie…
…eine Welt ohne Frauen…

In den kommenden 10 Jahren wollen wir…
…auf vielen Bühnen stehen, Spaß mit unseren Fans haben und noch viele gute Lieder schreiben…

Wir wollten unseren Fans schon immer sagen, dass…
…wir sie lieben!