Interview mit Thomas von Schandmaul

Hier ein Interview mit Thomas von Schandmaul. Viel Spaß beim Lesen!

Da ich selber das Glück hatte, eines der Konzerte eurer vorangegangen Tour zu besuchen, möchte ich mit meinen Fragen doch gleich mal dort einsteigen.
Meiner Meinung nach sollte es eigentlich eine Selbstverständlichkeit für Musiker sein, Freude bei dem zu empfinden, was sie machen und diese auch speziell auf der Bühne auf ihre Fans übergehen zu lassen. Da ich aber auch schon das Gegenteil erlebt habe, frage ich dich trotzdem, obwohl ich keinerlei Zweifel an der Antwort habe: Ihr seit wirklich mit Leib, Seele und Herz bei der Sache oder?

Thomas: Wir sind mit Leib, Seele und Herz bei der Sache! Wenn wir keinen Spaß an der Sache hätten, würden wir das definitiv nicht tun. Musizieren ist eines der geilsten Dinge der Welt!!!

Was für ein Gefühl ist es dann, wenn man sieht, dass die Lieder, die ihr schreibt, für manche Menschen wirklich von großer emotionaler Bedeutung geworden sind? Ich spiele jetzt ganz gezielt auf eine Situation bei dem Konzert im Kick/ Herford an, wo das von dir geschriebene Lied „Willst du“ zum Heiratsantrag eines Fans an seine Freundin wurde.
Ich habe bei so was immer ein komisches Kribbeln im Bauch… ein schönes Gefühl – und ein wenig stolz bin ich dann auch immer. Da wo Worte aufhören, fängt Musik an…

War das „euer“ erster Heiratsantrag dieser Art oder kommt so was öfter vor, das Lied bietet sich ja doch an ;-)?
Ist schon einige Male vorgekommen…

Bleibt es trotzdem etwas Besonderes?
Es wird immer was Besonderes bleiben. Leider kam es in letzter Zeit häufiger vor, das mehrere auf einem Konzert das tun wollten… da mussten wir (weil wir ja keine Heiratsvermittlung sind ;o) und es auch noch andere Zuschauer gibt, die in erster Linie ein Konzert von uns sehen wollen) allen absagen. Ist schade, aber nicht zu ändern.

Um noch mal auf eure Konzerte allgemein zurückzukommen: Ihr seid ja quasi, wenn man sich mal eure Termin-Liste anschaut, ununterbrochen unterwegs, und das nicht nur erst seit ein paar Monaten. Schon im vergangenen Jahr folgte ein Konzert auf das Andere und erst jetzt tauchen einige Lücken in eurem Reiseplan auf. Ist so was irgendwann auch mal wirklich nötig oder juckt es euch schon in den Fingern, wenn ihr nur ein paar Wochen Konzert-Pause habt und wollt ihr zurück auf die Bühne?
Ein bis zwei Wochen Ruhe tut schon gut, aber als wir im Mai fast 4 Wochen nicht gespielt haben hat es schon mächtig in den Fingern gejuckt!

Wird es dieses Jahr bei den angekündigten Terminen auf eurer Homepage bleiben oder darf man hoffen, dass ihr noch einmal, wie im April, durch die Clubs, speziell in NRW ;-), tourt?
Im Oktober sind wir noch mal 14 Tage unterwegs. Die Termine werden baldmöglichst auf unserer HP veröffentlicht.
(Die Termine stehen inzwischen fest und sind auf der Homepage zu begutachten!; Anm. d. Red.)

Die aktuellen Termine verraten auch, dass ihr in nächster Zeit verstärkt auf Festivals oder auch auf dem ein oder anderen mittelalterlichen Spectaculum zu sehen sein werdet. Nun ausschließlich auf den Veranstaltungsort bezogen, macht euch ein Spectaculum beispielsweise mehr Spaß als ein Konzert in einer Location wie dem Kick in Herford oder gibt es da für euch keine Unterschiede?
Eine Club-Tour ist die eine Welt (intime Atmosphäre, stickig, schwül und heiß) und Festivals und Open Air die andere (mehr Zuschauer, Fremdpublikum, Sonne, Mond und Sterne) und beide sind für sich geil! Möchte keine missen…

Ihr werdet dieses Jahr nicht nur einmal „zusammen“ mit In Extremo auftreten. Wird dies das erste Mal sein oder kennt ihr euch schon von früheren Konzerten?
Wir kennen uns schon von früheren Konzerten. Ist immer ein riesiger Spaß vor, während und vor allem nach dem Konzert ;o)Ist ein super Verhältnis zwischen den Kapellen.

Wie vergleichbar findet ihr die Musik von In Extremo und Schandmaul?
Entscheide selbst: Die einem machen Hardrock bis Metal mit Dudelsack und allerlei Mittelalterzeugs und die anderen Folkrock mit Dudelsack und allerlei Mittelalterzeugs ;o)

Die Musikrichtung, die ihr vertretet, wollte man sie kategorisieren, ist Mittelalter-(Folk-)Rock. Wie seid ihr dazu gekommen? Ihr wart ja meines Wissens vorher nicht wirklich mit den Instrumenten dieser Zeit vertraut.
Wir kamen alle aus verschiedenen Richtungen und wollten mal hören wie das zusammen klingt. Mit Birgits Flöten, Tröten und dem Sack; Annas Geige und Drehleier und dann der Rock-Fraktion mit Schlagzeug, Bass, E-Gitarre usw. war die Mischung fertig und der Stil ergab sich von alleine.

Woher nehmt ihr die Ideen für eure Lyrics? Habt ihr euch eindringlich mit der Geschichte des Mittelalters und deren Mythen befasst?
Nachdem wir nicht mal ansatzweise authentisches Textmaterial verwenden, sondern Geschichten und Märchen erfinden, bzw. selbst Erlebtes berichten müssen wir uns eigentlich nur mit unserer Fantasie eindringlich beschäftigen. Wir sind keine Mittelalter-Band. Wir machen uns lediglich die Klangfarben zunutze und schreiben mittelalterlich anheimelnde Texte.

Wäre das Mittelalter eine Zeit, in der ihr gerne gelebt hättet?
In der stark romantisierten Zeit, wie wir sie beschreiben – bzw. wie sie auch in Fantasy-Büchern beschrieben wird gerne ;o)
Aber ich glaube das wirkliche Mittelalter ist schon ne verdammt harte Zeit gewesen und ich bin eigentlich ganz glücklich hier und jetzt!

Mittelalter-Rock wird immer beliebter und damit Schandmaul auch immer bekannter, was ihr mit Sicherheit als durchaus positiv empfindet. Geht mit der wachsenden Popularität des Mittelalterrocks das Gefühl verloren, etwas Besonderes zu machen und wird man gar so schnell in Schubladen, wie eben „Mittelalterrock“, gesteckt?
Das Gefühl etwas Besonderes zu machen ist nicht verloren gegangen. Im Gegenteil, mit wachsender Popularität wird das Gefühl stärker und ich freu mich darüber, dass wir mit dieser Musik zu einem stetig größer werdenden Zuschauerkreis Zugang finden.

Könntet ihr euch vorstellen, mit Schandmaul mal was anderes zu machen oder werdet ihr eurem ganz eigenen Stil treu bleiben?
Neben den ganz normalen Veränderungen und Weiterentwicklungen die wir als Menschen, Musiker und als Band im Laufe der Zeit hatten und noch haben werden, wird Schandmaul seinen Stil behalten.

Was hört ihr privat musiktechnisch? Ist das sehr unterschiedlich bei den einzelnen Schandmäulern oder ist da ein Trend festzustellen?
Völlig unterschiedlich. Ich zum Bespiel höre gerne moderne harte Rockmusik wie zum Beispiel Guano Apes, Live, Filter usw.

Genießt ihr auch gerne mal ein Konzert ausschließlich als Zuschauer?
Wird immer seltener – sind zu oft unterwegs.

Vor kurzem sind ja eine Live-DVD und die zugehörige CD erschienen. Wo wurde das Konzert mitgeschnitten und gab es einen bestimmten Grund gerade diese Veranstaltung für euer Anliegen zu nutzen?
Das Konzert wurde am 4.1. im Münchener New Backstage mitgeschnitten. Lag für uns nahe in der Heimatstadt aufzunehmen und der Club bot sich einfach an.

Bei den meisten Live-Alben ist es ja so, dass der Konzertmitschnitt einen langen Weg der Nachbearbeitung beschreitet, bevor er press-reif ist. Wie sieht das bei euch aus, wurden nachträglich viele Passagen neu eingespielt oder ausgebessert oder ist es eine sehr authentische Aufnahme?
Es ist eine völlig authentische Aufnahme. Wir konnten aus dem umfangreichen Konzertprogramm die Stücke die am besten waren einfach raussuchen.

Plant oder arbeitet ihr schon an einem neuen Studioalbum?
Wir haben schon die meisten Songs geschrieben und verschwinden im November und Dezember im Studio…

Sind die Aufnahmen für euch im Studio auch Spaß oder wünscht ihr euch in solchen Situationen lieber auf die Bühne zurück?
Studioarbeit ist wieder so eine eigene Welt. Das Basteln und Ausprobieren ist wunderbar. Ich find Studio spitze!

Habt ihr euch irgendein Ziel gesetzt was ihr mit Schandmaul unbedingt erreichen wollt, welches ihr bis dato noch nicht erreicht habt?
Ein Konzert auf dem Mars.

Es steht ja nun fest, dass Matthias euch bei eurer Zielsetzung nicht nur aushilfsweise unter die Arme greifen will, sondern dass er nun festes Mitglied Eurer Truppe ist. Wie lange war er denn schon mit euch unterwegs bis er im April endgültig eingestiegen ist?
Seit Oktober 2002.

Ich hoffe, ihr seid jetzt dank Matthias frisch gestärkt für weitere Heldentaten im Studio und auf der Bühne!

Zum Schluss noch das „allbekannte“ Metal1.info Wortspiel. Wäre nett wenn du zu den folgenden Begriffen kurz das aufschreibst, was dir spontan dazu einfällt:
Familie: wichtig
Glaube: Wer dran glaubt…
Zukunft: ungewiss
Musik: Die Nummer 1
Interviews: lustig
Metal1.info: mal gucken was das ist

Ich danke dir und der Band noch einmal auf Herzlichste.