Konzertbericht: Schandmaul w/ Keltania

20.06.2025 Augsburg, Sommer am Kiez

Es ist ein warmer Frühsommerabend in Augsburg, als sich rund 700 Mittelalter-Rock-Fans beim „Sommer am Kiez“ versammeln – ein Festival, das in den letzten Jahren mit familiärer Atmosphäre und handverlesenen Acts überzeugt hat. An diesem Abend kommt die Band aus der unmittelbaren Nachbarschaft: SCHANDMAUL, seit einem Vierteljahrhundert ein Fixpunkt im Genre, bringen ihre ganz eigene Mischung aus Folk, Rock und historisch angehauchtem Storytelling auf die Bühne und zeigen dabei, dass sie auch mit neuem Frontmann nichts von ihrem Charme verloren haben.

Vor SCHANDMAUL präsentieren sich heute KELTANIA einem größeren Publikum. Die bayerische Mittelalter-Fantasy-Band dürfte vielen Anwesenden noch unbekannt sein, das Publikum nimmt die Combo aber herzlich und dankbar auf. Als die vier Frauen um 18:45 Uhr auf die Bühne kommen, dauert es einen kurzen Moment, bis die Besucher:innen mit ihnen warm werden – schließlich sind KELTANIA mit ihrer zarten, zauberhaften Marktmusik weit entfernt vom Mittelalter-Rock der Hauptband. Doch schon nach wenigen Minuten lässt sich das Publikum in der sengenden Augsburger Abendsonne bei den locker-flockigen Klängen treiben und lauscht den Fantasy-Geschichten. Dabei kommen die bandeigene “Wellerman”-Version “Feuergeist” und “Herr Mannelig” genauso gut an wie die vollständigen Eigenkompositionen, KELTANIA ernten artig immer lauter werdenden Beifall. So verfliegt die mit einer Stunde für eine Vorband üppig bemessene Spielzeit, die Musikerinnen werden nach einem etwas angespannten Start merklich immer gelöster und selbstsicherer und am Ende dürften KELTANIA mit diesem grundsympathischen Auftritt einige neue Anhänger:innen gefunden haben. [SP]

(c) Matze Pracht

Nach der Krebserkrankung von Sänger Thomas Lindner hat mit Till Herence nun ein neuer Mann das Mikrofon bei SCHANDMAUL dauerhaft übernommen. Eine Umstellung, keine Frage – aber das Publikum begegnet ihm mit offenen Armen. Auch wenn sich Till in Ansagen mitunter noch ein wenig verliert, bringt er die nötige Bühnenpräsenz und vor allem die gesangliche Qualität mit, um als würdiger Nachfolger zu überzeugen. Thomas selbst bleibt Teil der Band und steht als Instrumentalist mit auf der Bühne. Eine Geste, die von den Fans mit großem Applaus bedacht wird.

(c) Matze Pracht

Bereits beim Opener „Königsgarde“ wird klar: Hier geht es nicht um nostalgisches Schwelgen, sondern um eine lebendige, mitreißende Show. Anfangs leidet diese unter dem Sound, vor allem dem zu leisen Gesang und fehlenden Melodieinstrumenten. Das bessert sich glücklicherweise schnell, so dass Till im volleren Sound-Gewand besonders bei intensiveren (und leicht abgewandelten) Nummern wie „Feuertanz“, „Pakt“ oder „Knüppel aus dem Sack“ zeigen kann, wie das neue SCHANDMAUL mit ihm als Aushängeschild klingen kann. Die bayerische Version von „Der Kaspar“ sitzt zwar – wie von Till angekündigt – textlich noch nicht 100%ig, offenbart dank Lokalkolorit aber einen hohen Charme. Ähnlich charmant ist das Zusammenspiel von Till und Thomas bei einigen Ansagen.  

(c) Matze Pracht

Liveerprobtes wie „Der Pfeifer“, „Teufelsweib“ und „Vogelfrei“ sorgen für lautstarke Publikumschöre in Augsburg. Die Mischung aus eingängigen Melodien, mittelalterlichen Instrumenten wie Flöte, Drehleier und Dudelsack sowie rockiger Härte zündet. Als Till bei „Tatzelwurm“ zur Polonaise auffordert, folgt ihm das Publikum prompt und marschiert über das gesamte Festival-Gelände. Lediglich einzelne Nummern wie „Das Tuch“ oder „Die zweite Seele“ fallen etwas ab. [SM]

(c) Matze Pracht

Nach rund 90 Minuten fallen sich die Besucher:innen in die Arme, bei der „Wall Of Love“ im wahrsten Sinne des Wortes. „Augsburg hat sich lieb“, stellt Till grinsend fest und bringt damit den Abend treffend auf den Punkt. SCHANDMAUL zeigen in Augsburg, dass sie auch nach 25 Jahren kein bisschen müde sind und mit Till Herence an der Spitze frischen Wind in die Segel bekommen haben. Ein Konzertabend voller Gefühl, Energie und augenzwinkerndem Pathos – genau das, was man sich von einem Auftritt der Münchner erwartet.

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