Der Jahresrückblick 2020 von Christoph Emmrich

Meine Top-5 der Metal-Alben 2020

  1. The Ocean – Phanerozoic II: Mesozoic | Cenozoic
  2. Code Orange – Underneath
  3. Heaven Shall Burn – Of Truth And Sacrifice
  4. Svalbard – When I Die Will I Get Better
  5. Bury Tomorrow – Cannibal

Ebenfalls grandios: Napalm Death – Throes Of Joy In The Jaws Of Defeatism, Trivium – What The Dead Men Say, Anaal Nathrakh – Endarkenment und Enter Shikari – Nothing Is True & Everything Is Possible und last but not at all least Palm Reader mit „Sleepless“ – definitv besser als die neue Platte von den Deftones.

Schlechtestes Metal-Album des Jahres

Wirklich grausam fand ich, was hier passiert ist: In Flames – Clayman (20th anniversary). Auch Corey Taylor – CMFT fand ich wirklich schlecht.

Bestes Entmetallisiert-Album des Jahres

Run The Jewels – RTJ 4
clipping. – Visions Of Bodies Being Burned
Backxwash – God Has Nothing to Do With This Leave Him Out Of It

Was soll man sagen? 2020 gab es einfach unfassbar guten Hip Hop, der die Gegenwart messerscharf analysiert und der Gesellschaft einen Spiegel vorhält.

Mein bestes Festival des Jahres

Tja … das hat sich dieses Jahr ja weitestgehend erledigt. Aber immerhin hatte ich das Glück, dass die Death Coffee Party im tschechischen Litoměřice stattgefunden hat. Mit nicht ganz 500 Besuchern eine sehr entspannte Angelegenheit, typisch tschechische Freundlichkeit und zwei Tage brachiales Geballer und gutes Bier – hat schon gepasst und sich definitiv als wieder besuchenswertes Festival gezeigt.

Mein bestes Konzert des Jahres

So viele waren es ja leider nicht. So geht dieser Titel dieses Jahr an Napalm Death, die im Februar gemeinsam mit Eyehategod, Misery Index und Rotten Sound in Liepzig waren. Aber auch Monster Magnet, die „Power Trip“ komplett gespielt haben, war super.

Mein schlechtestes Konzert des Jahres

Gab es dieses Jahr nicht. Immerhin etwas Positives …

Bestes Coverartwork des Jahres

Zeal & Ardor – Wake Of A Nation (EP). Die EP ist nicht nur musikalisch unheimlich stark, auch textlich zeigt sich Manuel hier von seiner stärksten Seite, wenn er von unfassbaren Verbrechen an der farbigen Bevölkerung Amerikas erzählt und wie diese nach wie vor immer wieder zittert, wenn Polizeiwagen vorbeifahren, auch wenn keinerlei Straftaten oder auch nur ein begründbarer Verdacht vorliegt. All das fängt das Cover unheimlich kräftig und auf den Punkt gebracht ein.

Schlechtestes Coverartwork des Jahres

„No Cover“ von Ellefson. Furchtbar.

Mein Newcomer des Jahres

Narrow Head, Elephant Tree, Salem, Sweven

Meine Entdeckung des Jahres

Backxwash. Die Dame ist zwar schon länger unterwegs, hat mit ihrem ersten Album „God Has Nothing To Do With This Leave Him Out Of It “ richtig abgeliefert und ganz lässig Genregrenzen verwischt. Großartig. Und tatsächlich auch irgendwie Envy, die ich zwar schon lange schätze, die mich aber mit einer Show Ende 2019 und ihrem diesjährigen Album „The Fallen Crimson“ für sich begeistern konnten.

Meine Enttäuschung des Jahres

Nicht unbedingt „schlecht“, aber irgendwie enttäuschend war Dark Tranquillity – Moment. Schade.

Überraschung des Jahres

Benediction, die mit „Scriptures“ wirklich stark abgeliefert haben. Zugleich nervt mich aber zunehmend die Tatsache, dass jedes Album nach längerer Abwesenheit einer Truppe automatisch zum ganz großen Ding hochstilisiert wird …

Mein Song des Jahres

Rein künstlerisch, weil er so unfassbar beeindruckend ist „Jurassic | Cretaceous“ von The Ocean. Wenn man einfach mal abschalten will, führte für mich kein Weg an Biffy Clyro mit „End Of“ „T.I.N.A.“ von Enter Shikari vorbei. Unendlich oft lief zudem „Choke“ von Bury Tomorrow, da es im Metalcore dieses Jahr einfach keinen besseren Song gab. Die Krone geht aber an „Brennt Alles Nieder“ von Dritte Wahl, auch wenn es gruselig sit, dass das Thema des Tracks nach wie vor so aktuell ist.

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Mein bestes gelesenes Buch

Rein für die Unterhaltung war das „Good Omens“ von Terry Pratchett und Neil Gaiman. Ein lustiger und oft zynischer Roman, der mit britischem Humor und einer landestypischen Sprache und Ausdrucksweise den Sommer an der Ostsee versüßte.

Zudem kann ich „Confess“ von Rob Halford nur wärmstens empfehlen. 350 Seiten schlagende Offenheit und Ehrlickeit, warmherzig erzählt, mit dem typischen Humor der britischen Midlands – toll geschriebens Zeugnis eines bewegten und spannenden Lebens.

Das vielleicht beste Buch war jedoch „How Music Got Free“ von Stephen Witt. Anhand dreier Protagonisten (Erfinder, Mogul und Dieb) erzählt Witt hier die Geschichte des mp3s und wie dieses in die Welt kam, ignoriert wurde und schließlich doch die Musikindustrie auf den Kopf stellte. Wie viel dabei von schrägen Zufällen abhing, wie es anders hätte laufen können und warum der Sieg gegen Napster der Sieg im falschen Prozess war – all das und mehr wird hier erzählt. Dabei ist das Buch wie ein Krimi geschrieben und die Geschichte ist ebenso packend wie jeder Kriminalfall. Für Musikfans vielleicht sogar noch packender.

Mein bester gesehener Film

Keine Ahnung. Dieses Jahr war das Medium Film bei mir nur wenig präsent, es waren eher Serien, die bei mir liefen. Ansonsten gab es eine Menge Musik-Dokus und – nach der Lektüre von „How Music Got Free“ – die Doku „TPB AFK: The Pirate Bay Away From Keyboard“. Höchst spannend.

Mein Wunsch / Hoffnung für das kommende Jahr

Naja, Corona in den Griff kriegen wäre schon knorke, wa? Wenn wir so ein bisschen Normalität zurück in die Leben bekämen, wäre das fantatisch, denn das würde ja auch bedeuten, dass man endlich mal wieder auf ein Konzert gehen könnte – aber da bin ich tatsächlich guter Hoffnung.