Behemoth w/ Aborted, Helrunar, Sworn

  • Hollfeld, Stadthalle
  • 21. September 2007

Wenige Wochen vor dem Konzert wurde der fränkische Zwischenstopp der Apostasy-Tour noch von der Stadthalle in Lichtenfels in die wesentlich kleinere Stadthalle in Hollfeld verlegt – keine schlechte Wahl, waren am Ende doch nur geschätzte 150 bis allerhöchstens 200 Besuchern anwesend. Unverständlich eigentlich bei diesem Paket und das erst recht an einem Freitag Abend, umso verständlicher wird im Gegenzug dafür immer mehr, warum viele Bands die hiesigen Gefilde oftmals meiden… Direkt vor der Halle erfuhren wir, dass die angekündigten Opener Varg aus logistischen Gründen (?) nicht spielen konnten (ole ole!). Doch alles Schöne hat auch seine schlechten Seiten, so musste die erste der vier Bands bereits zu einer allzu antichristlichen Zeit auf die Bühne. Kaum 19:30 Uhr zeigte der Zeitmesser und schon wurde es schwermetallisch und der neuen Metalhochburg Hollfeld. (sp)

Klar, um halb acht sind viele noch lange nicht am Ort des Geschehens angekommen und einige standen sicher auch noch draußen vor der Tür und schwätzen und tranken gemütlich, doch innen angekommen, bot sich ein wahrlich trauriges Schauspiel. Die jungen Norweger SWORN waren bereits beim ersten Lied, als wir in die Halle kamen und nicht schlecht staunten, dass alle bereits jetzt Anwesenden auf den Bänken saßen oder hinten rumlungerten, so dass wir die ersten waren, die überhaupt den Bereich zwischen Bühne und Mischpult betreten haben. Sehr schade für die Band, die sich sichtlich bemühte, den wenigen Zuschauern zu gefallen und dafür immerhin anerkennendes Kopfnicken und Klatschen erntete. Ihr melodischer Black Metal war durchaus solide und erinnerte mich nicht selten an Naglfar, immerhin beim abschließenden Dissection-Cover konnten sie dann noch mal den ein oder anderen dazu bewegen, die Haare zu schwingen und einen Schritt weiter nach vorne zu kommen. (sp)

Nach Sworn machten sich die deutschen HELRUNAR auf den Brettern der Bühne bequem um den recht warmen Sommerabend in eine wahre Frostnacht zu verwandeln. Die Mannen um Skald Draugir, der von Anfang an das nun doch schon minimal als solches zu bezeichnende Publikum optimal einband und der Musik seinen eigenen Stempel aufdrückte, verstanden es ihren Pagan Black Metal auf die Bühne zu bringen, auch wenn sie für mich eher eine Band zum Hören und vor allem, dank der hochklassigen Songtexte, Nachdenken, sind. Das tat dem Auftritt aber kaum Abbruch, schon eher vielleicht, dass kein einziger Song von der „Grátr“-CD gespielt wurde. Die Entschädigung dafür war mit zwei Titeln von einem bald erscheinenden neuen Album mehr als gut und so fragt man sich doch warum um alles in der Welt, sich trotzdem noch viel zu viele auf ihren Bänken an der Seite der Halle „versteckt“ haben. Beinahe leider schon eine ur-fränkische Krankheit und sich darüber aufregen dürfte nur wenig bewirken. (nt)

Das mussten leider auch ABORTED einsehen, auch wenn allen voran Sänger Sven de Caluwe versuchte einige Leute mehr vor die Bühne zu ordern. So viel Platz in der ersten Reihe hat man wohl leider nur in Hollfeld, denn wer vorher noch bei Helrunar wenigstens direkt vor der Bühne stand, der hielt nun höflich Distanz. So wirkte man nach zwei Songs sichtlich angefressen, da auch noch ein kleineres technisches Problem auftauchte. Wer hier aber nun gedacht hatte, ABORTED würden einfach nur ihren Stiefel runterspielen, der irrt. Ich rechne es den Belgiern verdammt hoch an fast alleine für die fünf, sechs Leute direkt vor der Bühne gespielt zu haben und sich richtig zu verausgaben. Stilecht wurde „Avenious“ vom aktuellen Album „Slaughter & Apparatus“ mit „The next song is about people who stand in the back of metal concerts“ angekündigt. Richtig so, denn die Band selber war ein einziger Killer und was will man denn bei einem Kracher wie „Meticulous Invagination“ anderes machen als einen ordentlichen Moshpit – das geht auch mit fünf Leuten, wie sich herausstellte. Mein Kopf war 45 Minuten in Dauerrotation, was natürlich auch ein Fehlen an Bildern erklärt. Egal, von den Belgiern war ich nun mal mehr als angetan. Da passte einfach alles, Spielfreude war da, der Sound knallte ordentlich, die Songauswahl passte, nur das Publikum fehlte. Und selbst da wusste man sich zu helfen, als plötzlich Gitarrist Sebastian „Seb Purulator“ Tuvi sich in unserem kleinen privaten Moshpit befand. Ganz Große Klasse und auf jeden Fall eine Erwähnung wert! Ich freu mich jetzt schon die Jungs mal wieder zu sehen, denn das hat einfach Spaß gemacht! Für alle, die die größtmögliche Distanz zur Bühne gesucht haben, bleibt mir nur ein verständnisloses „If you don’t mosh you’re a fucking pussy!“ – Demzufolge wäre man mit ner Auffangstation für kleine Miezekätzchen direkt vor der Stadthalle reich geworden. (nt)

Eine Auffangstation für Miezekätzchen wäre auch eine halbe Stunde später nicht verkehrt gewesen – diesmal aber nicht vor der Stadthalle, sondern direkt vor der Bühne. Kaum enterten BEHEMOTH die Bühne, schon bemühten sich ungeahnte Mengen an Frauen (meistens sogar noch gut aussehend) nach vorne. Dass die Polen eine typische Frauenband sind, ich hätte es nicht gedacht, auch wenn Behemüt-Frontmann Nergal mit einem unübersehbaren „I love vagina“-Aufkleber auf der Gitarre für Spaß und Freude sorgte. Genug der Sperenzchen, die Polen standen auf der Bühne, das Auto war nun sicher und schon standen auch etwas mehr Leute direkt vor der Bühne. Aborted feuerten schon ein Massaker ab und Behemoth legten noch mal kräftig nach, wie aber soll man auch Krachern wie „Conquer All“, „Slaves Shall Serve“ oder „Slaying The Prophets Ov Isa“ widerstehen können? Endlich ließen sich die müden Hollfelder ein wenig mitreißen, eine sehr sehenswerte Show wurde ja auch geboten: Schicke Aufsteller zierten die Bühne, unter anderem ein äußerst sehenswerter Schlangenmikrofonständer. Die drei Saitenprügler waren zudem mit grillspießlangen Nieten bestückt und waren wohl meine erste Liveband, die mit Corpsepaint nicht lächerlich, sondern tatsächlich anständig böse wirkte. Inferno am Schlagzeug übrigens ist absolut wahnsinnig, unglaublich was der die gesamte Spielzeit über leistet, genau wie seine drei Vordermänner.
„Warum klebt hier überall Blut?“ „Und warum hast du ne Maske auf?“ Später, als sie ihre Black Metal-Phase einläuteten und ältere Stücke zum besten gaben wurde es reichlich blutig für die vorne stehende Meute, Nergal setzte dazu noch die bekannte und todschicke Maske auf, wer rechnete nur damit. Als Zugabe gab es sogar noch „I Got Erection“ von Turbonegro, unglaublich spaßige Geschichte, die das höllisch brutale Soundgewand ein wenig auflockerte.
Viele – nun ja, so viele wohl doch nicht – waren nun wohl endgültig am Ende ihrer Kräfte angelangt und freuten sich trotz des ungewöhnlich frühen Endes gegen 23 Uhr auf die Heimreise. Trotz des im Großen und Ganzen eher geringen Zuspruchs spulten alle vier Bands nicht einfach ihr Programm runter, sondern hängten sich richtig rein, so weiß man am Ende auch, wofür man sein Geld ausgegeben hat und kann zufrieden an den Abend zurückdenken. (sp)

 


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