Bolt Thrower w/ Malevolent Creation, Nightrage, Necrophagist

  • N8, Osnabrück
  • 23. Januar 2006

Am 23. Januar 2006 ging es endlich mal wieder zu einem Konzert, bei dem ich noch keine der angesetzten Bands zuvor auf der Bühne gesehen hatte. Neben dem mächtigen Headliner Bolt Thrower waren ebenfalls Malevolent Creation, Nightrage und Necrophagist im Programm.

Wir kamen zeitlich relativ passend an, tranken noch ein gemütliches Bierchen, bis es dann ohne Soundcheck, der eventuell vor Einlass durchgeführt wurde, mit den technisch hoch versierten Death Metallern NECROPHAGIST aus Deutschland los ging. Erst im Dezember bin ich auf diese Truppe gestoßen und bestellte mir dann gleich beide Alben „Onset Of Putrifaction“ und das 2004er Eisen „Epitaph“. Auf der Bühne machten Frontman Muhammed und Co. einen exzellenten Eindruck und jeder Griff in die Saiten saß hundertprozentig, obwohl die Band erst seit August 2005 live spielt, wie mir Muhammed anschließend verriet. Nach „Stabwound“, dem ersten Song des Abends, spielten sich die vier Kollegen durch beide Alben und die Zeit verging dabei wie im Flug. Mich riss es erst bei „Seven“ vom aktuellen Album so richtig mit. Der Song wird kompliziert im 7/8 Takt gespielt, was das Bangen beinahe zu einer Herausforderung macht. Aber der Auftritt von Necrophagist war mehr als großartig und die Band sollte sich jeder Death-Metal-Anhänger bei nächster Gelegenheit geben, es macht wirklich Spaß dabei zu sein.

Nach dem Gig wollte ich mir endlich ein Shirt der Truppe kaufen, da ich zuvor von der Merchandiserin vertröstet wurde, man könnte Necrophagist-Artikel erst nach deren Auftritt ordern, da die Band dann selber am Stand sei. So erwischte ich mein Shirt direkt aus den Händen von Drummer Hannes und kam zuvor noch mit Muhammed ins Gespräch. Auch Bassist Stefan war mit von der Partie und alle drei nun kennen gelernten Necrophagist-Leute erwiesen sich als freundliche, sympathische Zeitgenossen.

Gitarrist Christian war nicht dabei, da dieser bei NIGHTRAGE aushelfen musste, weil der eigentliche Gitarrero Gus G. zwei Tage vorher die Tour abbrach, um sich anderen Projekten zu widmen. NIGHTRAGE schauten wir uns allerdings nicht wirklich an, da wir weiter hinten blieben und uns eine kleine Verschnaufpause gönnten. Auch wenn es vielleicht unfair klingt, stellte sich für mich schnell heraus, dass sich die Schweden ohne ihren vorigen Sänger Tompa Lindberg (ex-At The Gates) relativ uninteressant anhören. Ein Duft von Einheitsbrei verteilte sich im Gemäuer und mit Enttäuschung war festzustellen, dass sich Nightrage mit Neuzugang Jimmie Strimell am Mikrofon eher nach Metalcore, als Schwedentod anhören. Ich räume aber gerne an, dass dies ein subjektiver Betrachtungswinkel ist. Vielleicht sagt der nächste ja, dass Tompa gar nicht singen kann und Strimell der wahre Gott ist. Mir ist das jedenfalls nicht aufgefallen und somit war Nightrage klar die enttäuschendste Band des Abends, wenn auch nur der Gesang störte.

Gerammelt voll wurde es nun im Vorbühnenraum, als die US-amerikanischen Todmetall-Protagonisten MALEVOLENT CREATION die Bühne betreten sollten. Natürlich waren einige MC-Shirts im Publikum verteilt, aber dass es hier derart kuschelig wurde, hätte ich nicht vermutet. Und in der Tat eröffneten die Mannen um Phil Fasciana herum das Feuer ohne jegliche Gnade. Ich bin heilfroh, dass Jason Blachowicz nicht mehr Sänger ist, da sein Gesang auf der musikalisch sehr coolen „Eternal“ doch ziemlich einseitig und immergleich klingt. Kyle Simmons hingegen bringt seine massive Stimme einwandfrei zur Geltung und rundet den kriegerischen Sound der Band wunderbar ab. Relativ früh wurde „Blood Brothers“ gespielt und das Drumsolo zu Beginn wurde euphorisch gefeiert. Neben Tracks der angesprochenen „Eternal“ wurden natürlich auch die „Warkult“ als jüngste Scheibe und das Monsteralbum „The Will To Kill“ nicht außer Acht gelassen. Der hiesige Titelsong brachte dann auch den letzten Zweifler – sofern anwesend – mindestens zum Kopfnicken. Ein wirklich starkes Auftreten der Band, dass ich mir jederzeit wieder gerne anschauen werde.

Auch wenn es bei Malevolent Creation schon ziemlich voll war, bevor die mächtigen BOLT THROWER die Bühne einnahmen wurde es voller! Die Band um Karl Willets zog wesentlich mehr Besucher nach Osnabrück, als es zuvor die Headliner Nile oder Six Feet Under in derselben Lokalität schafften. Nach meinem Dafürhalten war die Butze restlos voll, wenn nicht so sogar überfüllt. Ein Platz in den vorderen Rängen war nach Malevolent Creation unmöglich und so sahen wir uns die Briten von weiter hinten an und konnten vermutlich wesentlich besser das Haar lüften, als es die Fans vorne konnten. Der einzigartige Groove BOLT THROWERs kam perfekt zur Geltung und Songs wie „K-Machine“, „At First Light“ als Opener des neuesten Werkes „Those Once Loyal“, sowie alle anderen Songs tönten live ebenso wie auf Platte, wenn man gesanglich von den Songs absieht, die im Studio Dave Ingram einsang. Der Sound war nahezu makellos und bereitete für die Anwesenden eine große Freude, die Band mitzuerleben. BOLT THROWER sind definitiv keine alltägliche Liveband, wie beispielsweise Unleashed oder Cannibal Corpse, von denen man schnell mal innerhalb nur einen Jahres stark übersättigt werden kann. Ich habe immer angenommen, mein Bandfavorit „Contact – Wait Out“ von der oftmals schwachgeredeten „Honour – Valour – Pride“ sei ein ziemlich ungewöhnlicher Lieblingssong. Aber als mit diesem Kracher die Zugabe eingeleitet wurde, kam mir schon ein bisschen der Gedanke, dass dieses Stück populär sein muss. BOLT THROWER waren wirklich gigantisch und bleiben als eine der besten Konzerterlebnisse in Erinnerung.

Dieser Konzertabend im Osnabrücker N8 übertraf alle Erwartungen, die zugegebenermaßen hoch gesteckt waren. Wie aus meinem Schrieb hervorgeht waren Nightrage ein wenig anders, aber von der Spielart her passten sie auch nicht so gut in das Package wie die anderen drei Gruppen. Somit hatten die Schweden vielleicht eine schwierige Ausgangspostion und dabei wollen wir es belassen. Necrophagist, Malevolent Creation und Bolt Thrower bescherten mehreren hundert Death Metal Fans einen einprägsamen Abend! Man kann nur hoffen, diese Bands noch oft anschauen zu dürfen.


Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: