Die Apokalyptischen Reiter w/ Kontrust, Malrun

  • Backstage, München
  • 10. Mai 2012

Wer eine Best Of-Tour und ein Best-Of-Album „The Greatest Of The Best“ betitelt, verspricht im Vorhinein nicht zu wenig. So gehen die APOKALYPTISCHEN REITER nach rund 16 Jahren mit ihrem Großartigsten vom Besten auf ausgedehnte Deutschlandtour, um die gleichnamige CD aus dem Jahr 2011 auch live unters Volk zu bringen. Dabei bleiben die Reiter – zumindest in München – den ultimativen Superlativ schuldig.

Und auch das Publikum lässt auf sich warten: Der dänische Support MALRUN beginnt vor fast leerem Haus. So finden sich zunächst mehr Fotografen im Pressegraben als Fans in den ersten Reihen ein. Dieser Zustand bessert sich glücklicherweise in den rund 40 Minuten, in denen die Jungs mit ihrem Metalcore tapfer gegen die spärlich gefüllte Halle ankämpfen. Besonders im letzten Drittel geraten die Arrangements allerdings zu wenig abwechslungsreich, so dass hier von der Gesamtlänge weniger deutlich mehr gewesen wäre (dazu später mehr). Nur Sänger Jakob schafft es gesanglich u.a. mit Screams und Gangshouts gepaart mit einer sympathischen Ausstrahlung zu überzeugen. Alles andere verpufft in München beinahe spurlos. An anderer Stelle, mit mehr Publikum und günstigeren Rahmenbedingungen ist MALRUN jedoch durchaus mehr zuzutrauen – so dass man am Ende nicht den Schlagzeugstick, der ins Publikum geworfen wird, auf dem Hallenboden aufschlagen hört.

01. Face Of The Unknown
02. Shadowborn
03. The Pledge
04. New Blood
05. Rise From Sorrow
06. The Irish March
07. Bloody Mary
08. The Jovian Transit
09. Yoke The Stone
10. Trim The Fat

Ein ähnliches Schicksal bleibt den Wienern KONTRUST erspart: Die energiegeladene Mischung aus Soulfly und den Guano Apes könnte für den ganz großen musikalischen Wurf rund sieben bis zehn Jahre zu spät kommen, doch als Support-Act erfüllt die Combo ihren Zweck mehr als ordentlich. So kommt erstmals an diesem Abend so etwas wie Stimmung im Backstage auf. Geschuldet ist dies größtenteils dem wunderbar abgestimmten (und vereinzelt skurrilem) Zusammenspiel zwischen Sänger Stefan und seinem weiblichen Pendant Agata. Diese nehmen mit ihrer quirligen Show die gesamte Bühne ein und durch das sehr eigenwillige Soundbild mit einem ausgeprägten Fokus auf Percussionklänge bleiben auch die Songs dazu im Ohr. Das Material stammt dabei mehrheitlich vom letzten Album „Second Hand Wonderland“, welches live darüber hinaus mit kreativen Intros und überraschenden Breaks punkten kann. Zwischenzeitlich stimmt Stefan mehrfach „Rrrrrrrreiter“-Sprechchöre an und beweist, dass KONTRUST ihren Platz in der Nahrungskette an diesem Abend verstanden haben. Dies schadet dem eigenen Unterhaltungswert der Österreicher in keinem Fall. In „U Say What!“ beziehen Stefan und Agata schließlich erfolgreich das Publikum mit kleinen Chants ein und beschließen kurz darauf einen überraschend starken Gig mit „Dancer In The Sun“.

01. On The Run
02. Adrenalin
03. Rasputin
04. Bomba
05. Hocus Pocus
06. 1K1
07. The Butterfly Defect
08. Smash Song
09. U Say What
10. Hey DJ!
11. Dancer In The Sun

Früher waren es die Klänge der Highlander-Titelmelodie, heute ist es die Abschlussrede von Charlie Chaplin aus „Der große Diktator“, die den Auftritt der APOKALYPTISCHEN REITER einleitet. Jenes Intro ist gleichzeitig das einzige, was an der folgenden Show zu lang gerät: Wie gewohnt betritt Sänger Fuchs (neuerdings mit Schuhen und Hosenträgern) als letztes die Bühne, nachdem seine Mitmusiker bereits breit grinsend vor der Menge die ersten Riffs und Keyboardsounds angestimmt haben. Die Freude an der eigenen Musik – sie ist bei den Reitern auch nach diversen Experimenten in verschiedenen Genres stets spürbar und mitunter ansteckend. Inzwischen ist das Backstage gut gefüllt, wenngleich bei weitem nicht ausverkauft. Die Thüringer Szeneveteranen stört dies wenig. Nach einem fulminanten, wenngleich ohne Highlights verlaufenden Auftakt nebst nettem Pyro-Effekt nach „Wahnsinn“ beweist Fuchs seine stimmliche Vielseitigkeit erstmals beim sehr atmosphärischen „Riders On The Storm“. Tief und eindringlich dringen die englischen Worte über die Lautsprecher, bevor der Sänger bei „Es wird schlimmer“ mit seinem nicht minder intensiven hellen Klargesang auf völlig konträre Weise punktet. Die „Revolution“ rufen die Thüringer schließlich lautstark zusammen mit ihrem Münchner Publikum aus, welches den Sänger dabei erstmals in Sachen Lautstärke übertrumpft.
Danach verflacht der Auftritt allerdings zusehends bzw. lässt das besondere Etwas vermissen. Sind „Wir reiten“ und „Die Boten“ noch brauchbares Livematerial aus späteren Jahren, so verlieren sich die APOKALYPTISCHEN REITER anschließend im Metalallerelei früherer Alben, der sie aktueller Stärken beraubt: Die Stimme von Fuchs geht völlig unter, die Gitarren- und Keyboardelemente wirken wenig ausdifferenziert und am Ende ist das Ergebnis ein Soundbrei, der bestenfalls unter Reiter-Fans der ersten Stunde und Metalheads noch so etwas wie Charme versprüht. Eben jene feiern die Reiter auch für diese Songs gebührend. Angenehme Ausnahmen in der zweiten Konzerthälfte bilden für den Rest der Besucher mit „Nach der Ebbe“ und „Seemann“ überraschenderweise die ruhigen Momente. Bei Zweiterem landet dieses Mal keine tapfere Frau im Schlauchboot, welches über die Zuschauerköpfe reist, sondern zwei Mitglieder der Emil Bulls als Geburtstagspräsent. Keine zwangsläufig nötige Geste.

Im Zugabenblock debütieren die Reiter schließlich ihre eigene Version von „Friede sei mit dir“ namens „Elfriede“. Ein netter Gag, der durch seine Ruhe musikalisch im krassen Gegensatz zum Rest der zweiten Konzerthälfte steht und dadurch besonders stark hervorsticht. Bei „Die Sonne scheint“ gibt es dieses Mal auch keine nackten Hintern auf der Bühne zu bewundern und dadurch gerät das Stück recht sinnbildlich für den Rest des Abends: Es fehlt etwas. Das ist weder The Greatest, noch The Best – sondern allenfalls Durchschnitt. Geschuldet ist dies wie schon bei Malrun u.a. den Rahmenbedingungen in der bayerischen Landeshauptstadt, so dass man den Reitern bestenfalls für eine suboptimale Songauswahl und -reihenfolge kleinere Vorwürfe machen kann. An der Spielfreude mangelt es nicht, dennoch bleibt ein fader Beigeschmack für einen alles in allem etwas enttäuschenden Konzertabend mit einer Headlinershow von gerade einmal 80 Minuten. Besonders in Anbetracht der Besucherzahl in München hätte man hier reagieren können und vielleicht auch müssen, da vor allem bei Malrun weniger mehr gewesen wäre.

01. Intro (Charlie Speaks)
02. …vom Ende der Welt
03. Wahnsinn
04. Unter der Asche
05. Riders On The Storm
06. Es wird schlimmer
07. Revolution
08. Der Adler
09. Wir reiten
10. Die Boten
11. Die Schönheit der Sklaverei
12. Vier Reiter stehen bereit
13. The Fire
14. Nach der Ebbe
15. Komm
16. Iron Fist
17. Seemann
18. Reitermania

19. Das Paradies
20. Elfriede
21. Roll My Heart

22. Die Sonne scheint

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