Dimmu Borgir w/ Amon Amarth

  • Hamburg, Docks
  • 22. Oktober 2007

Dimmu Borgir und Amon Amarth – ein derart reizvolles Doppelpaket hat es in Hamburg lange nicht gegeben. Während zwar letztere ständig und überall zu spielen scheinen, ist es schon etwas schwieriger die Norweger zu Gesicht zu bekommen, und somit war es nicht verwunderlich, dass sich vor dem Einlass am Docks an diesem Abend eine lange Schlange gebildet hatte. Nachdem wir uns am Einlass trotz Gästelistenplatz einen kleinen Geldbetrag habe abknöpfen lassen – ok, es war als Spende für das Kinderhospiz Sternenbrücke gedacht, aber ich spende generell lieber freiwillig und nicht auf Zwang – ging es dann hinein ins Docks, welches doch für derartige Veranstaltungen eher ungewöhnlich ist. Jedenfalls fiel sofort auf, dass der Veranstalter lieber ~100 Tickets weniger verkauft hätte, denn ob es nun ausverkauft war oder nicht, der Laden platzte aus allen Nähten. An der Garderobe musste man locker mal eine Viertelstunde warten, und auch der Saal war bereits brechend voll. Auch der ein oder andere Spaßvogel mit Corpsepaint lief schon an uns vorbei uns tat das, was er am besten konnte: Uns amüsieren.

Pünktlich um 20 Uhr legten die mir vorher unbekannten ENGEL dann los, konnten mit ihrem arg auf modern und *core getrimmten Melodic Death Metal – n’Flaymz lässt grüßen – wenig punkten. Zwar konnten sie auf eine große Masse Publikums vor sich blicken, die aber wohl hauptsächlich nur dort stand, weil es eben so übervoll war. Auch der eigentlich geschickten Zug, einen Haufen eigener Promo-CDs ins Publikum flattern zu lassen, wurde mit wenig Begeisterung quittiert. Uns jedenfalls ging das unspektakuläre Spiel des Göteborger Fünfers auch ziemlich am Allerwertesten vorbei, und so tat man besser daran, sich vom besten Barkeeper der Stadt, der zufällig den gleichen Nachnamen wie der Verfasser dieser Zeilen trägt, den ein oder anderen Gerstensaft ausschenken zu lassen.

Zu AMON AMARTH hingegen war Sau rauslassen angesagt, denn obwohl die Stockholmer zugegebenermaßen überpräsent auf deutschen Bühnen sind, freute ich mich auch meine fünfte Begegnung mit den Wikingern. Nach kurzer Umbaupause kamen unter dem bereits bekannten Bühnenintro die Herren auch schon und legten mit „Valhall Awaits Me“ bereits pfundig los. Spätestens jetzt wurde deutlich, dass ein Großteil des Publikums hauptsächlich wegen Johann Hegg und seinen Mannen ins Docks gekommen war, denn der Saal verwandelte sich in ein Meer aus fliegenden Haaren und gereckten Fäusten. A propros Hegg: Zum ersten Mal sah ich den Frontberserker NICHT mit nacktem Oberkörper, offenbar hatte die kalte Hamburger Oktobernacht dem stämmigen Mann zugesetzt. Von Kälte war aber im Raum nichts mehr zu spüren, zu den Klängen von Brechern wie „Asator“, „Victorious March“ und den obligatorischen „Death In Fire“ sowie „The Pursuit Of Vikings“ bebte das Docks. Freudiges Gepose seitens der Gitarristen zeigte, dass auch die Mannen selbst großen Spaß an dem Auftritt hatten. Schade waren dabei nur zwei Sachen: Von den Alben zwei und drei bekam man leider nichts auf die Ohren, und insgesamt war die Spielzeit der Schweden mit einer Dreiviertelstunde viel zu schnell vorbei. Beides hängt natürlich mit dem eher ungewöhnlichen Status Amon Amarths als Vorband zusammen, und da man ohnehin damit rechnen kann, dass sie nächsten Herbst mit einem neuen Album im Gepäck wieder Europa bereisen, ließ es sich verschmerzen. Die Stimmung war jedenfalls super, so dass ich meine Stimme erst am übernächsten Tage wiederfand.

Zu DIMMU BORGIR verzogen wir uns dann abermals zum Tresen, von wo aus man erstens etwas Ruhe und zweitens eine bessere Sicht erwarten durfte. Der Hauptact ließ auch nicht lange auf sich warten, und als sich Nebel über die Bühne legte und die Norweger in Bischoskleidern – passend zum Konzept des aktuellen Albums – langsam schreitend die Bühne enterten, war der Jubel groß. Ungewöhnlicherweise ging es jedoch mit „Progenies Of The Great Apocalypse“ sowie „Vredesbyrd“, also zwei Songs vom 2003er DCA-Album los, bis man dann gelegentlich zum Songmaterial der aktuellen Scheibe überging. Besonderes Highlight war hierbei „The Serpentine Offering“, welches nicht nur musikalisch voll überzeugte. Auf einer Leinwand im Hintergrund, die sonst nur die Logos der Vorbands zeigte, spielten nun Videosequenzen von kämpfenden Tempelrittern zur optischen Untermalung. Ein paar weitere Höhepunkte des Gigs: „A Succubus In Rapture“ wurde angekündigt als „dedicated to all the beautiful girls out there“, „Blessings Upon The Throne Of Tyranny“ kam mit dem Intro „Fear And Wonder“ daher, so dass im Vorfeld die Spannung auf diese rasende Nummer ins Unermessliche stieg. „Spellbound (By The Devil)“ unterstrich perfekt die gekonnt rotzige Rock’n’Roll-Attitude des herrlich aufgelegten Shagrath, und auch das von mir vorher immer etwas kritisch beäugte „Puritania“ ging wahnsinnig in Mark und Bein, besonders da es Shagrath als „fucking primitive“ natürlich sehr passend bewarb. Überraschend gab es auch die „Sorgens Kammer“-Neuauflage, die jedoch nicht so wahnsinnig mitzureißen vermochte. Für den totalen Nackenholocaust sorgte spätestens die Zugabe „Mourning Palace“, die wir natürlich den ganzen Auftritt herbeigesehnt hatten. Was für ein Fest, auch wenn wir lieber Stian Aarstad mit Zylinder am Keyboard gesehen hätten!

Die ganze Band jedenfalls zeigte sich längst nicht so statisch, wie ich von sonstigen Berichten über Dimmu-Konzerte erwartet hätte. Auch wenn keines der Bandmitglieder ausgelassen über die Bühne sprang – wer erwartet das auch bei einer Band, die mehr auf Atmosphäre als auf Partytauglichkeit setzt – so kann keine Rede davon sein, dass sich jeder nur an seinem angestammten Platz aufhielt. Besonders Shagrath stand mal zentral, mal links, mal rechts, mal am höhergelegenen Keyboard, immer zum starken Gesamtbild der Band passend. Nebel und Lichteffekte taten ihr Übriges, neben der erwähnten Leinwand wurde das Konzert auch zu einem optischen Leckerbissen. Der Abend war folglich abgesehen von der unsäglichen ersten Vorband von vorne bis hinten gelungen, auch mein Nacken behält ihn in „guter“ Erinnerung.

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