Harvest Festival 2005 (Nile w/ Unleashed, Behemoth, Incantation)

  • Hanau
  • 08. September 2005

Quer durch Europa zog sich das diesjährige Harvest Festival, begleitet von den Death Metal Größen NILE, UNLEASHED, BEHEMOTH, INCANTATION, BELPHEGOR und PUNGENT STENCH. Letztere und deren Landsmänner Belphegor stellten den Ersatz für die Norweger BLOOD RED THRONE und HATE ETERNAL aus den Staaten, welche die Tour leider aus weitgehend eher unbekannten Gründen leider absagen mussten, dar. Grund genug für einige Freunde und mich, am 8.9. in das über 300 km entfernte Hanau zu fahren (oder besser gesagt gefahren zu werden) um nicht gänzlich im tief-südlichen Konzertmangel gnadenlos unterzugehen. Veranstaltet wurde das ganze von SUB-KULTUR.NET* und MUSICXTREME*. Nach einer vierstündigen und teilweise etwas problematischen Anfahrt, erfuhren wir erst, dass sich der Einlass, der eigentlich um 18:00 erfolgen sollte, um etwa 45 Minuten verspäten wird, da einige Gruppen vier Stunden verspätet ankamen. Glück für uns, da auch wir etwas spät dran waren und es uns nun noch etwas vor der HALLE 2* gemütlich machen konnten. Langsam füllte sich die recht schmale Gasse vor dem Eingang mit Langhaarigen und dann öffneten die Pforten auch schon.

Drinnen angekommen hatte man während der Aufbauarbeiten der Bands noch ein wenig Zeit, sich in der etwas kleinen Halle umzusehen oder die herumlaufende Prominenz zu fotografieren (an dieser Stelle nochmal aufrichtigen Dank an Alina, die sich zum Fotografieren bereit erklärte und auch Tonnen an ausgezeichneten Bildern lieferte), bevor BELPHEGOR die Bühne betraten. Über selbige als Ersatz für die entfallenen BLOOD RED THRONE hatte ich mich sehr gefreut, da ich mich für die Österreicher um einiges mehr begeistern kann. Der Vierer um Gitarrist und Sänger Helmuth legte sofort los, auch wenn es insgesamt noch etwas leer und das vorhandene Publikum kaum aufgewärmt war. Als erster Act hatten Belphegor noch die Bürde der Soundprobleme zu tragen somit klang alles etwas zu undeutlich. Trotzdem zogen sie eine solide Show und Songs wie „The Goatchrist“, „Lucifer Incestus“, „Swarm Of Rats“ oder „Sepulture Of Hypocrisy“ wussten durchaus zu überzeugen. Auch Helmuth ließ es sich nicht nehmen, ein wenig mit Mund und Zunge zu gestikulieren, leider war die Show nach etwa 30 bis 40 Minuten schon zuende und Belphegor räumten die Bühne für die nächste Gruppe.

INCANTATION waren nun an der Reihe und bevor alles losgehen konnte, wurden zwei große Banner mit dem Coverartwork der aktuellen Scheibe „Decimate Christendom“ rechts und links neben dem Schlagzeug aufgestellt. Nachdem auch noch kleinere Vorbeireitungen getroffen wurden, begannen Incantation, ihr Set herunterzubrettern. Besonders positiv fiel der klare Drumsound auf, welcher durch das schnelle und präzise Drumming Kyle Severns bestärkt wurde. Zwar war auch hier der Gitarrensound noch etwas dürftig, aber durch das langsam etwas motivierte Publikum wurde die Atmosphäre ebenfalls immer angenehmer, weswegen man ruhigen Gewissens behaupten kann, dass auch Incantation einen exzellenten Auftritt hingelegt haben.

Die „Decimate Christendom“ Banner wurden nun durch ein bläuliches Banner, auf dem ein maskierter, die eine durchstochene Hand hebender, in der anderen einen großen, adlerbesetzen Stab haltender „Halbgott“ zu sehen ist, ersetzt. Die Rede ist natürlich von BEHEMOTHs Cover des 2004er Albums „Demigod“. Selbige betraten die Bühne, mit Corpsepaint geschminkt und einer Menge Nieten, Leder und Metall bestückt. Das Intro aus „Sculpting The Throne Ov Seth“ ertönte und darauf begannen die Polen, den zugehörigen Song, nach dem selben Übergang wie auf dem Album dann ebenfalls den Titelsong „Demigod“ einzuprügeln. Das Publikum war von Anfang an begeistert dabei und zum ersten Mal schien die Stimmung in der HALLE 2 überzukochen. Auch der Sound war eindeutig besser, jedoch war die Leadgitarre oft kaum zu hören, wenn man auf der falschen Seite der Bühne stand, was die Stimmung bei „Conquer All“, etwas trübte. Trotzdem lieferten Behemoth weiterhin eine geniale Show ab, Nergal provozierte und motivierte das Publikum gleichzeitig auf seine eigene, etwas arrogante Art und Weise (einmal spuckte er beispielsweise einfach rückwärts über seinen Kopf hinweg irgendwo in Richtung Equipment und Schlagzeug), was dem Auftritt unglaublich an Charme und Atmosphäre verlieh. Mit Titeln wie „Antichristian Phenomenon“ und „Slaves Shall Serve“ waren weiterhin durch und durch gute Songs vertreten und auch fürs Auge sollte es zum Abschluss noch einmal etwas zu sehen geben, als Nergal jene Metallmaske aus dem „Conquer All“ Video und vom Cover des Albums aufzog und sich einen langen schwarzen Rock anzog, um einen letzten Song zu spielen. Bühnenshowtechnisch lieferten Behemoth also einen astreinen Auftritt ab und auch über den Sound konnte man sich nicht wirklich beschweren. Auch sie packten nach einer etwas zu kurzen Show wieder ein und der Saal leerte sich etwas, die Fans nutzten die kleine Pause, um sich nach der ersten richtigen „Bangorgie“ an diesem Abend vor der Tür etwas auszuruhen und sich gegenseitig und mit ein paar der Bandmitglieder etwas auszutauschen.

Leider zogen die Österreicher PUNGENT STENCH die zeitweise abgezogenen Massen nur teilweise wieder an, obwohl auch sie einen sehr guten Auftritt ablieferten. Sowohl optisch als auch spielerisch brachten die drei eine extrem coole Old-School Death Metal Atmosphäre herüber, wie man sie an diesem Abend noch nicht zu sehen bekam. Zwar war der Sound nicht mehr so gut, wie bei den Vorgängern, trotzdem aber luden „Bonesawer“, „Got Milf?“ oder „Viva La Muerte“ durchaus zum Bangen ein, auch wenn mir nicht viel Material der Band geläufig war. Mehr als nur passabel war auch dieser Auftritt.

Nun war es Zeit, die Bühne etwas umzustrukturieren. Das kleine Drumkit wurde von der Bühne genommen, was sehr viel Platz (und somit auch Resonanz) schaffte und die Sicht auf das erhöht gestellte, gigantische Gabriel-Drumkit George Kollias‘ freigab. Zwar war es noch nicht Zeit für die amerikanischen Ägyptologen, jedoch machte es sich bereits UNLEASHED Drummer Anders Schultz hinter der Schießbude bequem. So kam auch der Rest der Kult-Schweden auf die Bühne und die Truppe eröffnete ihren Auftritt mit dem atmosphärischen „Winterland“ vom aktuellen Output „Sworn Allegiance“. Der Umbau hatte sich eindeutig gelohnt, Unleashed hatten viel Platz auf der Bühne und der Sound tönte viel klarer durch die Boxen, als bei allen bisherigen Bands. Sänger Johnny Hedlund, recht bekannt für das Erfüllen diverser Metal-Klischees, lieferte eine sehr gute Show ab und motivierte das Publikum ordentlich, beispielsweise durch plötzliches Verschwinden hinter der Bühne (samt Gitarre) und Wiederauftauchen mit einem Trinkhorn voll Bier, welches dann teilweise ausgetrunken und der Rest in die Menge geschüttet wurde. Auch „Death Metal Victory“ wurde in gewohnter Manier halb vom Publikum eingesungen. Leider war die Stimmung bei uns etwas getrübt, da die Batterien der Kamera ihren Dienst verweigerten und der größte Act des Abends erst bevorstand. So verließ ich während der Show für kurze Zeit die Halle, um mich mit Nile-Fronter Karl Sanders für das Interview zu verabreden. Nebenbei kam ich mit anderen umherstehenden ins Gespräch und konnte lebensrettende, exzellente Akkus für die Kamera ergattern. Der Abend war somit gerettet (Vielen Dank nochmal an die nette Bayerin ;)) und man konnte sich noch gemütlich und beruhigt den Rest der sehr netten Unleashed-Show ansehen.

Nun geschahen weitere Umbauarbeiten, nach der Unleashed Show kam ein Teil der NILE-Truppe (die einzigen, die sich unter anderem selbst wirklich um ihren Sound kümmerten) und ein paar Soundtechniker auf die Bühne. Karl Sanders kramte entspannt und gut gelaunt aus seinem riesigen Koffer noch unzählige Effektgeräte und Synthesizer heraus, plazierte selbige auf der Bühne und es wurden weitere Soundeinstellungen und ein erneuter Drumcheck durchgeführt. Die Halle füllte sich langsam immer mehr und es wurde teilweise ziemlich eng, die Vorfreude und Spannung war jedoch riesig. Nach einigen Minuten wurde es wieder dunkler und das Intro „Dusk Falls Upon The Temple Of The Serpent On The Mount Of Sunrise“ ertönte. Die Menge war schon am Jubeln und nach dem Intro legten die Amerikaner mit „The Blessed Dead“, dem Opener vom 2003er Album „In Their Darkened Shrines“ los. Nahezu perfekt und beeindruckend klangen sowohl die Saiteninstrumente, wie auch das Drumming und die Synthesizer. Karl Sanders und Dallas Toler-Wade spielten locker-flockig die unmenschlich schnellen Riffs und Soli herunter und ziemlich jeder der Band beteiligte sich nebenbei noch am Gesang. Das Publikum war hellauf begeistert, am Bangen und gröhlte Teilweise bereits den Refrain des Openers mit. Auch das folgende „Execration Text“, einer meiner Lieblingstitel der Gruppe, überzeugte durch und durch. Auch weiterhin gab es keine Durchhänger, Karl Sanders und Dallas Toler-Wade waren hochmotiviert und spielten präzise ihre Soli, Leads und Riffs. Leider ging Dallas‘ Solopart beim überaus genialen „Cast Down The Heretic“ auf der einen Seite der Bühne ein wenig unter, trotzdem aber waren es noch atemberaubender, die großartigen musikalischen Fertigkeiten der Band einmal live zu sehen, als auf Platte zu hören, obwohl man schon hier nur beeindruckt sein kann. Karl Sanders grinste immer mal wieder ins Publikum, warf nach so ziemlich jedem Song eines seiner Plektren ins Publikum und stand in meinen Augen als einer der motiviertesten Live-Musiker, die ich je gesehen hatte auf der Bühne. Neben eher kurzen Ausflügen wie „Sacrifice Unto Sebek“, „Masturbating The War God“, „The Burning Pits Of The Duat“, „Kheftiu Asar Butchiu“ oder „Serpent Headed Mask“ spielten die Amerikaner sogar die beiden überlangen Songs „User-Maat-Re“ und das Titelstück des aktuellen Albums „Annihilation Of The Wicked“, jedoch versagte keinen Moment lang die Kondition eines der Musiker, weder die von Drummer George Kollias, obwohl er körperlich bei derartigen Songs wohl am ehesten beansprucht wird, noch von einem der anderen drei. Auch der 20-jährige Live-Bassist Joe Payne bewies seine Fähigkeiten auf der Bühne und schwang fleißig mit der langen Mähne. So schlossen Nile dann mit „Black Seeds Of Vengeance“ ihren, mit etwa einer Stunde Spielzeit längsten Auftritt an diesem Abend ab und das Publikum schreit nach einer Zugabe, die dann leider aber nicht erfolgte. Für eine Stunde lang schien die gesamte Halle zu brennen, nicht einmal Behemoth konnten eine derartige Stimmung und Atmosphäre mit ihrer ebenfalls ausgezeichneten Bühnenshow heraufbeschwören. Nun war es knapp nach 1 Uhr und Zeit, sich nach draußen zu begeben um nach einem genialen Konzert etwas frische Luft zu schnappen, die Ohren und den Nacken wieder etwas zu entlasten und sich mit Karl Sanders zu unterhalten.

Abschließend bleibt zu sagen, dass alleine die göttliche Show von Nile die lange Anreise und die 22€ Ticketpreis wert war, alle anderen Gruppen das ganze jedoch enorm versüßt haben. Besonders Behemoth, die nach Nile meinen persönlichen Favoriten an diesem Abend darstellten, wussten ebenfalls das Publikum zu begeistern. Im Gesamten hat aber keine der Bands enttäuscht, lediglich der Sound war teilweise etwas dürftig, was ich persönlich doch als etwas störend empfand. Einzig Nile, die ihren Sound zuvor selbst justierten, hatten einen ausgezeichneten, fast perfekten Sound, trotzdem war jede Band soundtechnisch zwar nicht perfekt, aber zumindest akzeptabel bis sehr gut. Auch die Merchandisepreise waren mit mindestens 20€ pro T-Shirt stark überhöht. Trotzdem konnte man mit allem sehr gut klarkommen und ich glaube kaum, dass irgendeiner der Besucher unzufrieden nach Hause gegangen ist… Meine Gefolgschaft und ich jedenfalls auf gar keinen Fall.


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