Konzertbericht: Korpiklaani w/ Runamok

2006-10-24 Nürnberg, Hirsch

Man kann nicht nur Pech haben, manchmal hat man sogar richtig Glück. Zum Beispiel, wenn eine Erdkunde-Klausur um eine Woche nach vorne verlegt wird und man so die Möglichkeit hat Korpiklaani in Nürnberg zu sehen. Nach ein wenig „Süßholz-Raspeln“ im Zug (aber im wahrsten Sinne des Wortes) und einer netten Konversation an der U-Bahn-Station Frankenstraße über weibliche, kleine, große und männliche Hirsche mit einem Nürnberger Aborigine war es sogar fast schon so weit.

Im Hirschen angekommen ging’s erstmal darum Jacken und Taschen an der Garderobe abzugeben und ich holte mir während die anderen ihren Klogang verrichteten erstmal ein Veldensteiner um meine Blase aufzufüllen. Da wir nur kurz vor neun Uhr angekommen waren, stand auch gleich schon der Local Opener auf der Bühne. Vor dem Konzert wusste ich noch nicht, wer es sein würde, doch das Banner im Hintergrund verriet, dass es sich hierbei eindeutig um RUNAMOK aus Würzburg handeln musste. Während des ganzen Konzerts wollte ich mich irgendwie nicht vom Gedanken trennen wollen, sie dieses Jahr schon einmal beim UFTG gesehen zu haben. Fragt mich nicht mit welcher der dort anwesenden Bands ich sie verwechselt habe, es könnte fast jede sein. Wer die Vorstellung hatte, dass dort Megadeth auf der Bühne standen, der konnte auch durchaus noch nüchtern sein, denn die aus ehemaligen Tyran Pace- und Stormwitch-Mitgliedern bestehende Gruppe bot wirklich feinen Ende der Achziger Jahre – Speedmetal mit sehr starkem Thrash-Einschlag. Der Sound hierfür hätte allen voran für die Gitarrenfraktion nicht besser sein können, denn ob einprägsame Hooklines, ordentliches Thrash-Riffing oder eines der vielen tollen Soli kamen mehr als ordentlich rüber. Eine runde Sache also, auch wenn man merkte, dass fast alle hier einzig und allein für KORPIKLAANI gekommen waren, was aber der Spielfreude der Band, die sich beim Vorletzten Song noch herzlich bei den Finnen, dem Hirsch-Team und der Booking-Agentur für den Auftritt bedankte, keinen Abbruch tat. Einziger kleiner Störfaktor waren neben ein paar kreischenden Mädels, die sich wohl in der Tür geirrt hatten, die Vocals. Hier hätte man ruhig mit ein paar Growls für Abwechslung sorgen können, jedoch gab es auch beim Gesang wenig zu bemängeln. Nach einer interessanten dreiviertel Stunde, in der das Publikum sich gut aufgewärmt hatte, räumten die Würzburger die Bühne dann für die schon sehnsüchtig erwarteten Mannen aus den finnischen Wäldern.

Der Wechsel ging recht flott und pünktlich um 22 Uhr standen KORPIKLAANI auch schon auf der Bühne, hatten das Publikum eigentlich schon gewonnen, bevor auch nur ein Ton gespielt wurde und ließen sich erstmal ordentlich feiern. Angesichts von schon zwei miterlebten Festivalshows des Waldclans, war ich natürlich gespannt, was man sich für die Clubtour einfallen hat lassen. Abwechslung vielleicht schon gleich zu Beginn? Pustekuchen! Allerdings muss man der Band schon zugestehen, dass ein Anfangsfeuerwerk bestehend aus dem kurzen aber heftigen „Journey Man“, „Väkirauta“ und dem Sauflied „Happy Little Boozer“ nur schwer zu toppen ist. Obwohl „Happy Little Boozer“ für mich einer der schwächeren Titel auf dem aktuellen Album „Tales Along This Road“ ist, schafft er es doch jedesmal eine bierseelige Stimmung zu zaubern, auch wenn die Flasche Gerstensaft unerklärlicher Weise schon wieder fast leer war. Soundtechnisch war zumindest das erste Lied ein astreiner Griff ins Klo, da dort alles noch sehr matschig und wenig differenziert war, jedoch konnte man das schnell ändern und abgesehen von der etwas leisen Geige auch hier ein perfekter Sound. Das nun folgende selbstbetitelte Lied „Korpiklaani“, welches von den üblichen Mitsingspielchen begleitet wurde, war da der Stimmung nur zuträglich.
Erst mit der Schunkelnummer „Pellonpekko“, einem der wenigen gespielten Lieder vom „Spirit of the Forest“-Album, nahm man das Tempo ein wenig heraus um mich danach so richtig zu erfreuen. „Pine Woods“ – Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Einfach herrlich das fast viereinhalb Minuten lange Instrumental einmal live zu hören und man wundert sich angesichts der Publikumsreaktionen warum das nicht bei den Festivalshows der Fall war. Die Stimmung im Hirsch war immernoch exzellent und die Nordmannen hatten noch lange nicht ihr gesamtes Feuerwerk abgebrannt. Hier und dort wurde auch schon „Beer Beer!“ gefordert, allerdings stellte man erstmal „Wooden Pints“ bereit und ging beim „Hunting Song“, welcher schlicht und einfach mit „The next song is about hunting“ angekündigt wurde, auf die Jagd.Fast schon selbstverständlich, dass auch hier ganz ordentlich, aber nie allzu heftig in der Mitte vor der Bühne gepogt wurde, obwohl sich der Hirschbauch ziemlich aufgeheizt hatte. Natürlich nicht ganz bis zum Bereich finnische Sauna, für die Eläkeläiset im Juli hier sorgten, aber für den ein oder anderen könnte die Luft ganz schön knapp geworden sein. Nach Ende der nicht wirklich überraschenden Setlist, konnte die feiernde Menge natürlich nicht einfach so entlassen werden, auch wenn wir das mit den „Kor! Pi! Klaa! Ni!“ – Rufen nochmal üben sollten, liebe Fans. Als Nachschlag gab es mit „Midsummer Night“ einen der Songs von Korpiklaani, die nicht nur für Partylaune, sondern auch für eine unverwechselbare Atmosphäre sorgen. Das konnte es nicht gewesen sein, denn was für Equilibrium ihr Song „Met“ ist, das ist für Korpiklaani ohne Zweifel „Beer Beer“. Dort gab es nicht nur für die Band einige Flaschen des fränkischen Grundnahrungsmittels, sondern Frontmann Jonnes bemühte sich auch darum möglichst viele Flaschen an die durstigen Fans in den vorderen Reihen zu bringen.

Danach wurden wohl noch ein oder zwei Songs gespielt, die wir jedoch leider nicht mehr miterleben konnten, da wir sonst unseren Zug verpasst hätten und allesamt ein mehr oder minder romantisches Nächtlein am Nürnberg Hauptbahnhof verbringen hätten müssen. Und so ging’s für uns glücklich, nachdem auch noch schnell von den anderen die letzten Girlies bzw. T-Shirts weggekauft wurden, zurück nach Bayreuth.

Geschrieben am 24. Oktober 2006 von Metal1.info

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